Wettmanipulation Schnitzler vor Anklage
Ex-Profifußballer Schnitzler: "Uns war immer klar, dass es zu einer Anklage kommen wird"
Foto: Stuart Franklin/ Bongarts/Getty ImagesErst vor wenigen Wochen saß René Schnitzler in Hamburg auf einer Bühne und stellte sein Buch "Zockerliga: Ein Fußballprofi packt aus" vor. Schon bald wird Schnitzler wohl noch intensiver über Spielwetten, Sportmanipulationen und Wettbetrug Auskunft geben müssen. Allerdings wird der Ort für diese Ausführungen ein anderer sein. Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr bereitete die Staatsanwaltschaft Bochum eine Anklage gegen den früheren Profifußballer vor.
Schnitzler, dem Betrug vorgeworfen werden soll, hatte bereits im vergangenen Dezember bei mehreren polizeilichen Verhören zugegeben, 100.000 Euro von einem niederländischen Wettmanipulateur erhalten zu haben. Für die Summe sollte er fünf Spiele seines ehemaligen Clubs FC St. Pauli schieben. Eine tatsächliche Manipulation soll nach Schnitzlers Aussage allerdings nicht stattgefunden haben.
Wie tief die Verwicklungen des 26-Jährigen in die Wettmafia-Szene sind, wird derzeit immer noch von der Bochumer Staatsanwaltschaft geprüft. Für eine Anklage soll es nun aber genügend Beweise geben. "Uns war immer klar, dass es früher oder später zu einer Anklage kommen wird, deshalb sind wir jetzt auch nicht überrascht", sagte Schnitzlers Anwalt Rainer Pohlen SPIEGEL ONLINE. Allerdings sei bei dem Mönchengladbacher Juristen noch keine Anklageschrift eingegangen. "Wir hatten bislang auch noch keine Einsicht in die Täterakte und wissen somit auch nicht, wie der konkrete Tatvorwurf lautet", so Pohlen.
Offen ist, vor welchem Gericht der Strafprozess tatsächlich durchgeführt wird. Da Schnitzler nach Informationen von SPIEGEL ONLINE derzeit noch eine Bewährungsstrafe verbüßt, müssen die Gerichte in Hamburg, Mönchengladbach und Bochum zunächst ihre Zuständigkeit prüfen. Deshalb scheint es aus Zeitgründen ausgeschlossen, dass Schnitzler noch in diesem Herbst gemeinsam mit dem ehemaligen Fußballprofi Thomas Cichon angeklagt wird.