Wettskandal DSB-Boss attackiert Mayer-Vorfelder
Hamburg - "Klar ist, dass Dr. Zwanziger damals noch nicht im Amt war. Und wenn derjenige, der die Verantwortung trug, nicht gehandelt hat, dann gehört er nicht mehr ins Amt", sagte von Richthofen der "Welt am Sonntag". Im August 2004, als der staatliche Wettanbieter Oddset den DFB auf Verdachtsmomente hinwies, war Gerhard Mayer-Vorfelder alleiniger Präsident; Theo Zwanziger, damals Schatzmeister, wurde erst zwei Monate später Teil der DFB-Doppelspitze.
Ob es Versäumnisse gegeben hat, "gehört jetzt auch zur Aufklärung", so von Richthofen, "ich setze auf ein rigoroses Vorgehen von Dr. Zwanziger". Am Tag des Bekanntwerdens des Skandals habe er mit ihm in Berlin bei einer Tagung gesessen und seine kluge und sehr rigorose Reaktion gesehen. Die Verantwortung trage der damalige DFB-Präsident Mayer-Vorfelder. "Aber ich möchte wie alle anderen zunächst wissen, wer wann etwas wusste. Es kann ja auch sein, dass die Vorgänge unter dem Tisch gehalten und nicht vorgelegt wurden", erklärte von Richthofen.
Kritik am DFB und Mayer-Vorfelder kommt jetzt auch von Hertha BSC, dessen Mitglied Robert Hoyzer im Wettskandal bislang als einziger geständig ist. Hertha-Manager Dieter Hoeneß warf dem DFB zögerliches Verhalten vor. Es sei ihm "ein Rätsel, warum die massiven Hinweise vom vergangenen August auf Robert Hoyzer beim DFB im Hause nicht weitergeleitet wurden", sagte Hoeneß der "Welt am Sonntag".
56 Prozent der Fußball-Fans sind der Meinung, dass Gerhard Mayer-Vorfelder nach dem Wettskandal als DFB-Präsident abtreten muss. Das ergab eine von "Bild am Sonntag" bei Forsa in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage. Für den Abschied von "MV" votieren 36 Prozent, weitere 20 Prozent sprechen sich für eine Ablösung der kompletten Doppelspitze mit Mayer-Vorfelder und dem Geschäftsführenden DFB-Boss Zwanziger aus.