Wiedersehen der Nationalelf: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz" - DER SPIEGEL
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Wiedersehen der Nationalelf "Die Wahrheit liegt auf dem Platz"

Beim ersten Wiedersehen der deutschen Nationalelf nach dem EM-Desaster haben die Team-Vorsteher Rudi Völler und Karl-Heinz Rummenigge noch einmal den Neuanfang beschworen. Die Spieler zeigten sich gehorsam.
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Barsinghausen - Montagmorgen, 9.55 Uhr: Rudi Völler betritt zum ersten Mal als DFB-Teamchef den Trainingsplatz. Doch viel bekommen die anwesenden Kamerateams 72 Stunden vor dem Testspiel am Mittwoch (20.30 Uhr/SPIEGEL-ONLINE-Liveticker) gegen Spanien nicht zu sehen: Das Aufwärmprogramm leitet Co-Trainer Erich Rutemöller, das Balltraining Völlers Assistent Michael Skibbe.

Völler beschränkt sich auf leise Korrekturen und zeigt sich nach eineinhalb Stunden zufrieden: "Die meisten Spieler sind schon in sehr guter Verfassung. Auch die Einstellung hat gestimmt. Es war kein Larifari-Training, wie das häufig nach einem Spieltag vonstatten geht. Ich hatte das Gefühl, dass die Spieler wissen, worum es geht."

Am Abend vorher hatte der Teamchef in einer halbstündigen Ansprache an die Mannschaft die unrühmliche Vergangenheit endgültig zu den Akten gelegt. "Ich habe ganz klar zu verstehen gegeben, dass die Sache mit der EM mit dem gestrigen Tag beendet sein muss", sagte Völler. Gleich im Anschluss mahnte Teammanager Karl-Heinz Rummenigge eine neue Einstellung der Profis an: "Nach den Vorfällen in Holland müssen wichtige Attribute wieder eingeführt werden: Ordnung, Disziplin und Seriosität. Es muss ein Tabu sein, dass sich Spieler öffentlich über Trainer, Mitspieler oder Taktik kritisch äußern. Für so jemand ist kein Platz in der Mannschaft."

Die Spieler zeigten sich gehorsam. "Jeder hat seine Prügel eingesteckt. Jetzt wird es Zeit, nach vorn zu schauen", sagte England-Legionär Christian Ziege, der ebenso wie Kapitän Oliver Bierhoff trotz Trainingsrückstands zum Neubeginn des DFB-Teams in die Sportschule Barsinghausen gekommen war.

Die beiden Rekonvaleszenten nahmen auch am ersten Trainingsspielchen teil, bei dem Völler das Geheimnis um das künftige Spielsystem lüftete: Der Interimscoach setzt auf die vom künftigen Bundestrainer Christoph Daum favorisierte Formation mit einer Dreier-Abwehrkette und einer in der Offensive variablen Spielanlage. Die mit orangefarbenen Leibchen ausgestattete vermeintliche A-Mannschaft wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und siegte nach Toren von Stefan Beinlich, Michael Ballack und Paulo Rink mit 3:0.

Das Trio hat beste Chancen, auch am Mittwoch im vermutlich nur mit rund 30.000 Zuschauern besetzten Niedersachsenstadion erste Wahl zu sein. "Im Prinzip habe ich die Aufstellung im Kopf. Nur bei ein, zwei Positionen bin ich mir noch nicht ganz sicher", sagte Völler. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Erich Ribbeck, der sein EM-Personal lange Zeit im Unklaren ließ und damit verunsichert hatte, kündigte Völler die Nominierung seiner 3-4-3-Formation für Dienstagvormittag an: "Beim Abschlusstraining muss jeder wissen, was er zu tun hat."

Im Tor wird der gerade zum "Fußballer des Jahres" gewählte Oliver Kahn als Stellvertreter von Kapitän Oliver Bierhoff die Kapitänsbinde tragen; die von Jens Nowotny organisierte Abwehrreihe könnten Marko Rehmer und der vielseitige Jörg Heinrich komplettieren. Im Mittelfeld sind die Berliner Sebastian Deisler und Stefan Beinlich wohl erste Wahl, für die beiden Schaltzentralen stehen mit Ballack, Carsten Ramelow und Dietmar Hamann drei Kandidaten bereit. Im Angriff drängen sich Alexander Zickler, Paulo Rink und Mehmet Scholl auf, aber auch Carsten Jancker wartet auf seine Chance. Ob dieser Elf ein Neuanfang gelingt, wird sich zeigen. Völler: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz".