WM 2002: Prügelknaben von den Inseln - DER SPIEGEL
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WM 2002 Prügelknaben von den Inseln

Vor zwei Tagen stellte die australische Fußballnationalmannschaft beim 22:0 gegen Tonga in der WM-Qualifkation einen neuen Fifa-"Torweltrekord" auf. Gegen American Samoa legten die "Socceroos" noch einmal nach.
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Coffs Harbour - Australien hat seinen "Tor-Weltrekord" mit einem 31:0 (16:0) in der WM-Qualifikation gegen Amerikanisch-Samoa um noch einmal neun Treffer verbessert. Der Torhagel in Coffs Harbour folgte zwei Tage nach dem 22:0 an selber Stelle gegen die fast ebenso hilflosen pazifischen Nachbarn aus Tonga, die nun wenigstens den traurigen Ruf als die ärmsten Prügelknaben des internationalen Fußballs wieder los sind. 53 Treffer in zwei Spielen - das muss Australien erst einmal einer nachmachen.

Rekordschütze Archie Thompson


Mit 14 Treffern (acht in der ersten Halbzeit, sechs in der zweiten Hälfte) erzielte Archie Thompson ebenfalls eine neue Bestmarke im internationalen Fußball. Sofus Nielsen (Dänemark) hatte 1908 gegen Frankreich zehn Tore geschossen. Den Titel als bester Torschütze aller Zeiten teilte er sich mit dem Deutschen Gottfried Fuchs, der 1912 bei den Olympischen Spielen gegen Russsland beim höchsten Sieg einer deutschen Nationalelf (16:0) ebenfalls zehnmal traf. Unterhachings Stürmer David Zdrilic war nach Thompson mit acht Treffern zweitbester Schützer der Australier.

Thompson von den "Marconi Stallions" gehört zu den Spielern, die in Australien aktiv sind. Acht Mann aus dem Aufgebot von Trainer Frank Farina sind bei europäischen Proficlubs unter Vertrag. Die besten Akteure wie das Stürmerduo Harry Kewell und Mark Viduka vom englischen Premier-League-Club Leeds United waren erst gar nicht in die Heimat gereist, um beim Schützenfest dabei zu sein. John Aloisi von Coventry City, der am Montag sechs Treffer erzielt hatte, wurde diesmal nicht eingesetzt.

Erst einmal Fußballstiefel kaufen


Einige der bemitleidenswerten Spieler aus Amerikanisch-Samoa mussten nach ihrer Ankunft in dem Ort am Meer rund 600 Kilometer nördlich von Sydney im australischen Bundesstaat New South Wales erst einmal Fußballschuhe kaufen gehen. Wegen eines Durcheinanders mit den Pässen musste Amerikanisch-Samoa, das ohnehin in der Rangliste des Welt-Fußballverbandes als Nummer 203. und letzte Nation geführt wird, überwiegend Jugendspieler nach Australien schicken. Der jüngste Spieler auf dem Platz war 15 Jahre, das Durchschnittsalter des Underdogs betrug knapp über 19. Insgesamt hatte das Team von Amerikanisch-Samoa eine Torchance, Ein Fernschuss von Pati Feagiai in der letzten Minute der Partie, wurde von den rund 2500 Zuschauern mit frenetischen Jubel belohnt.

Beim Sturmlauf der "Socceroos", wie die australische Herren-Fußballnationalmannschaft auch genannt wird, gab es zwischenzeitlich Unklarheiten, was das korrekte Ergebnis anging. Zunächst war das Spiel als 32:0 gewertet worden, ehe der Referee und die Statistiker sich auf das "korrekte" Resultat von 31:0 einigten. Die Konfusion wurde vom Bediener der Anzeigetafel ausgelöst, der beim Torhagel in den letzten Minuten offensichtlich den Überblick verlor. Die Fifa will nun den Schiedsrichterbericht noch einmal überprüfen.