WM 2006 Polizei will Fan-Feste einzäunen
Hamburg - Während Bayerns Innenminister Günther Beckstein bei öffentlichen Übertragungen der WM-Spiele eine Einzelfallprüfung für ausreichend hält, fordert die Polizei 78 Tage vor dem WM-Start einheitliche Sicherheitsstandards beim sogenannten "Public-Viewing". "Eine Einzäunung, penible Sicherheitskontrollen und das Verbot von Bierflaschen, weil die als Wurfgeschosse dienen könnten, sind das Mindeste", sagte der Vorsitzende der Polizei-Gewerkschaft, Konrad Freiberg, der "Leipziger Volkszeitung".
So weit will Beckstein indes nicht gehen. "Die verschiedensten Veranstaltungen lassen sich nicht über einen Kamm scheren", sagte er. Auch der Leiter der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), Michael Endler, teilt die Sorge bezüglich des "Public-Viewing" nicht. "Die Diskussion ist absolut überbewertet. Die Gefährdungslage unterscheidet sich kaum von der auf Schützen- oder Oktoberfesten", glaubt Endler.
Ein möglicher Brennpunkt während der WM könnte jedoch Frankfurt werden. In der Mainmetropole bestreiten unter anderem England und die Niederlande Vorrundenspiele - zwei Teams, die für ihre gewaltbereiten Fangruppen bekannt sind. Das in enger Zusammenarbeit mit allen Behörden entworfene Sicherheitskonzept sieht vor, dass bei Risikospielen das Aufgebot der Polizei entsprechend erhöht wird", erklärte Yasmin Cölkusu von der Tourismus und Congress GmbH, die die Spiele auf einer schwimmenden Großbildleinwand auf dem Main überträgt. Beim Einlass zu den Arealen an beiden Mainufern gibt es die gleichen strengen Sicherheitskontrollen wie in den WM-Stadien.
Verfassungsschutz beobachtet Hooligans
Streit herrscht auch über die Kosten, die die Sicherheitskontrollen beim "Public-Viewing" nach sich ziehen. Laut Beckstein müssen die Kommunen Ordnerdienst und Videoüberwachung "natürlich selbst tragen". Freiberg gefällt das wiederum nicht: "Die Fifa sahnt durch diverse Verträge viel Geld ab, gibt aber nichts an diejenigen weiter, die die Kosten für den Schutz der Veranstaltungen regeln müssen", sagte er: "Außerdem erwarte ich, dass die kommerziellen Privat-Veranstalter solcher Großveranstaltungen sich ebenfalls an den Sicherheitskosten beteiligen müssen."
In Nordrhein-Westfalen soll der Verfassungsschutz im präventiven Kampf gegen Ausschreitungen zum Einsatz kommen. "Bei der WM ist der Verfassungsschutz mit von der Partie", erklärte NRW-Innenminister Ingo Wolf am Mittwoch in Düsseldorf. Die Hooligan-Szene werde beobachtet, sofern sie nicht nur gewalttätig, sondern auch rechtsextremistisch sei.
Außerdem habe der Verfassungsschutz auch die islamistische Szene verstärkt im Visier. "Wer versucht, die WM als internationale Bühne für terroristische Aktivitäten zu nutzen, der trifft auf gut vorbereitete und professionell handelnde Sicherheitsbehörden", sagte Wolf. Der Verfassungsschutz sei in den WM-Gremien vertreten und steuere seine Erkenntnisse bei.
mig/sid