WM-Qualifikation Island rockt, Ronaldo bibbert
Hamburg - Üben Sie schon mal: Finnbogason, Hallfredsson, Gunnarsson. Die Namen dürfen Sie sich ruhig merken. Kann gut sein, dass die "sons" und "ssons" in rund 20 Monaten der ganzen Fußballwelt die Zunge verdrehen. Das Trio gehört zur isländischen Nationalmannschaft. Und die hat derzeit tatsächlich gute Chancen, ein Ticket für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien abzugreifen.
Nach drei von zehn Spielen liegt das Team in der Gruppe E auf Rang zwei - und ist damit nur eine Überraschung in der WM-Qualifikation. Da also, wo vermeintliche Fußballgroßmächte zittern müssen und selbst Old-School-Truppen wie Irland noch Chancen haben. Geht nicht? Geht doch. Neben den Erstplatzierten der Gruppen schaffen es die acht besten Zweiten in eine Playoff-Runde. Die Sieger dieser K.o.-Runde sind am Zuckerhut dabei - auch wenn manch ein Team für Fußballfans so schmackhaft klingt wie Stadion-Fritten ohne Bier. Ein Überblick:
- Gruppe A: Belgien, das Land aus dem der deutsche Durchschnittsfan lange nur die Daniel van Buytens und Vincent Kompanys kannte, darf sich große Hoffnungen auf die erste WM-Teilnahme seit 2002 machen. Das liegt weniger an knallharten Innenverteidigern wie van Buyten, als an jungen, hoffnungsvollen (Offensiv-)Talenten wie Werder-Leihe Kevin de Bruyne oder Kevin Mirallas. Zuletzt gab es ein 3:0 gegen Serbien. Der Lohn: Rang eins. Der nächste Sieg scheint zudem nicht fern. Am Dienstag geht es gegen Schottland.
- Gruppe B: Deutschland-Schreck Italien führt die Gruppe an, dahinter dürfen sich Bulgarien, Tschechien und Armenien Hoffnungen auf den zweiten Platz machen. Die große Enttäuschung heißt bisher Dänemark, das noch immer auf den ersten Sieg wartet. Ausgerechnet jetzt müssen die Skandinavier bei den "Azzurri" antreten. Setzt es da eine Pleite, dürfte es das schon fast gewesen sein mit dem Traum von der Copacabana.
- Gruppe C: Schlaaaaaand liegt als Tabellenerster gut im Rennen. Einzig Zlatan Ibrahimovic wäre zuzutrauen, die direkte Qualifikation der DFB-Elf noch zu verhindern. Aber der hochbegabte Schwede mit dem tiefergelegten Sozialverhalten hat (mindestens) ein Problem: Seine Mitspieler können den Özils und Götzes nicht das Wasser reichen. Und seien wir ehrlich: Überraschungen können deutsche Fans hier sowieso nicht gebrauchen.
- Gruppe D: Die Niederlande können nur noch von Rumänien (beide neun Punkte) aufgehalten werden. Ein richtungweisendes Duell gibt es am Dienstag, dann geht es für "Oranje" gegen den hartnäckigsten Verfolger. Interessanter ist ohnehin die Frage: Wann schießt Fußballzwerg Andorra (drei Spiele, drei Niederlagen, 0:12 Tore) das erste Tor? Vielleicht klappt es schon am Dienstagabend. Im malerischen Andorra steigt der Fußball-Klassiker gegen Estland (drei Spiele, drei Niederlagen, 0:6 Tore). Da bleibt kein Auge trocken.
- Gruppe E: Für Ottmar "Stinkefinger" Hitzfeld steht am Abend hingegen ein echtes Spitzenspiel an. Seine Schweizer treffen auf Island. Es ist das Duell des Ersten gegen den Zweiten, beide trennt nur ein läppischer Punkt. In Reykjavik können die Isländer also die Tabellenführung übernehmen - und Konkurrenten wie Norwegen auf Distanz halten. Dafür braucht es aber wieder eine Top-Leistung. Am zweiten Spieltag gab es eine 0:1-Pleite gegen, ähem, Zypern.
- Gruppe F: Den Ronaldo-Schreck gibt Russland. Das Team von Trainer Fabio Capello hat den Superstar von Real Madrid und seine Portugiesen am dritten Spieltag 1:0 besiegt und liegt mit einer makellosen Bilanz von neun Punkten auf Rang eins. Cristiano Ronaldo quälte sich ansonsten zu einem 2:1 gegen Luxemburg und einem 3:0 gegen Aserbaidschan. In dieser Form ist mehr als Platz zwei nicht drin.
- Gruppe G: Spannung pur! Vor dem vierten Spieltag liegen Bosnien-Herzegowina, die Slowakei und Griechenland mit je sieben Punkten auf den Rängen eins bis drei. Ausgang völlig offen, entschieden wird das Rennen in den direkten Duellen. Die weiteren Teams der Gruppe heißen: Lettland und Liechtenstein.
- Gruppe H: Für die EM-Gastgeber Polen und Ukraine läuft es noch nicht. Die Zwischenbilanz lautet: Platz drei und vier, hinter Tabellenführer England (sieben Punkte) und Montenegro. Die Wende können die Polen im direkten Duell mit den Briten am Dienstagabend schaffen, die Ukraine empfängt Montenegro.
- Gruppe I: Gähn! Da steckt man Spanien, den Welt- und Europameister und Beherrscher der Fußballwelt, in eine Gruppe mit Georgien, Weißrussland und Finnland. Wie soll das spanische Starensemble da denn bitte nicht Erster werden? Verhindern kann das eigentlich nur Frankreich, das völlig überraschend auch mit zwei Siegen aus den ersten beiden Spielen gestartet ist. Nun geht es gegen die "Rote Furie". In einer Umfrage der Zeitung "Le Parisien" gaben übrigens 85 Prozent der Leser an, dass die "Bleus" keine Chance hätten.