Drei Thesen zum WM-Achtelfinale Für Argentinien beginnt die WM jetzt erst richtig
Lionel Messi
Foto: PAUL ELLIS/ AFP1. Gegen tiefstehende Gegner tat sich Argentinien schwer, das Spiel zu machen
In den drei Vorrundenspielen gegen Island (77,9 Prozent Ballbesitz), Kroatien (57,4 Prozent) und Nigeria (66,6 Prozent) musste Argentinien jeweils das Spiel machen, konnte dabei aber nicht überzeugen. Gegen tiefstehende Gegner schaffte es die Albiceleste zu selten, sich hochkarätige Torchancen zu erspielen.
Argentiniens Sieg gegen Nigeria: Ein Maradona, zwei Matchwinner
Eigentlich hätten sich die Argentinier gerade gegen Nigeria leichter tun müssen, nachdem sie früh in Führung gegangen waren. Doch bis auf einen Freistoß, bei dem Lionel Messi aus 20 Metern den Pfosten traf, kamen sie in der ersten Hälfte nicht zu nennenswerten Chancen.
Nach dem Seitenwechsel gelang ihnen sogar noch weniger (drei Abschlüsse, nur ein Schuss aufs Tor). Mit Glück kamen sie in der 86. Minute zum Siegtreffer durch den aufgerückten Verteidiger Marcos Rojo. Der Eindruck nach drei Spielen: Die Mannschaft hat kein funktionierendes Konzept, um mit Ballbesitz umzugehen. Vor allem die Stürmer hängen meist in der Luft.
2. Argentinien hat das personelle Potenzial, Umschaltfußball zu spielen
Im Achtelfinale gegen Favorit Frankreich ist die Ausgangslage eine andere: Die Argentinier stehen nicht mehr unter Zugzwang, das Spiel machen zu müssen. Und dass sie das Potenzial haben, Umschaltfußball zu spielen, haben sie schon gezeigt. Kein Kurzpass-Tiki-Taka sorgte für Messis ersten Turniertreffer gegen Nigeria, sondern ein langer Ball. In der 14. Minute schickte Éver Banega seinen Kollegen mit einem perfekt getimten Anspiel über 30 Meter, das der Barça-Star zur Führung nutzte.
Argentinien kann auch personell auf einen anderen Fußball umstellen. Die Hereinnahme des schnellen und vertikal agierenden Cristian Pavón sorgte für Belebung auf dem rechten Flügel. Ángel Di María hat seine Umschaltqualitäten in der Vergangenheit oft bewiesen. Messi kann - wie beschrieben - Steilpässe in höchstem Tempo verarbeiten. Und auch die bislang enttäuschenden Gonzalo Higuaín und Sergio Agüero agieren gerne aus der Tiefe und freuen sich, wenn sich ihnen mehr Räume bieten. Für die veränderte Konstellation vor dem Achtelfinale gilt: Ein Pluspunkt des Kaders der Albiceleste ist die Vielseitigkeit.
3. Sampaoli gilt als Trainer, der seine Stärken gegen den Ball hat
Nach der Niederlage Argentiniens gegen Kroatien schien Sampaoli der falsche Trainer für Argentinien zu sein, da er seine größten Erfolge mit Teams feierte, die als Underdogs galten und in erster Linie auf eine kompakte Grundordnung und schnelles Umschalten setzten. In seiner Zeit als Nationaltrainer Chiles konnte er unter anderem gegen Brasilien, Spanien und England Achtungserfolge in der Außenseiterrolle landen.
Gegen tiefstehende Gegner scheint Sampaoli das Konzept zu fehlen, für die geänderte Ausgangslage ab dem Achtelfinale könnte er nun der perfekte Trainer sein. Gegen Frankreich kann er endlich auf eben jenen Fußball setzen, durch den er sich einen Namen machte.
Doch inwieweit hat Sampaoli bei den Albiceleste überhaupt noch das Ruder in der Hand? Es heißt, die Mannschaft habe nach seinem missglückten Versuch, gegen Kroatien ein 3-4-3 zu implementieren, die Rückkehr zur 4-4-2-Formation durchgesetzt. Die Bilder aus der Halbzeitpause des Spiels gegen Nigeria lassen ebenfalls Zweifel aufkommen: Man sah, wie Messi seine Mitspieler um sich versammelte und eine Ansprache hielt. Der Verband dementiert atmosphärische Störungen zwischen Trainer und Team und hofft, dass Sampaoli gerade jetzt zeigt, dass er genau der Richtige ist.