Englands Nationalteam bei der WM Southgates junger Haufen
Englands Spieler feiern
Foto: Sergei Grits/ APFast auf den Tag genau vor 20 Jahren feierte der englische Nationaltrainer Gareth Southgate sein WM-Debüt als Spieler. Bei der WM 1998 in Frankreich ging es im ersten Spiel auch gegen Tunesien, damals feierte Southgate an der Seite von Alan Shearer und Teddy Sheringham einen 2:0-Erfolg. Zwei Dekaden später bescherte ihm Top-Stürmer Harry Kane mit seinem späten Treffer einen vom Zeitpunkt her glücklichen 2:1-Sieg, der gegen taktisch sehr disziplinierte Tunesier insgesamt aber verdient war.
"Als Spieler genießt du solche Partien etwas länger", sagte Southgate nach dem nervenaufreibenden Spiel in Wolgograd. "Als Trainer denkst du schon wieder an die nächsten Aufgaben." 1998, als England im Achtelfinale scheiterte, hatten die Spieler in einer Wette vereinbart, in Gesprächen mit Reportern möglichst viele Songtitel von einer zuvor zugelosten Band unterzubringen. Southgate zog "Wham!" und schaffte es tatsächlich, in einem Interview "Club Tropicana" unterzubringen. Von solchen Späßen ("fun and sunshine, there's enough for everyone") ist der Trainer Southgate weit entfernt.
Gareth Southgate
Foto: SERGIO PEREZ/ REUTERSZufrieden war der 47-Jährige trotzdem. "Das wäre ich auch gewesen, wenn das Spiel 1:1 ausgegangen wäre", sagte Southgate. "Klar wären wir dann enttäuscht gewesen, aber es war eine richtig gute Leistung mit vielen guten Torchancen." Mann des Spiels war Kane, der nicht nur den Siegtreffer in der Nachspielzeit erzielte, sondern England auch in Führung gebracht hatte (11. Minute). Kane schoss insgesamt nur dreimal auf das tunesische Tor, der Kapitän ist ein Meister der Effizienz.
Die Jungstars treffen das Tor nicht
Damit ist Kane in dieser englischen Mannschaft jedoch eine Ausnahme - und das könnte im weiteren Turnierverlauf zu einem Problem werden. Die Gruppenphase wird Southgates Mannschaft sicher überstehen, ob als Erster oder Zweiter wird das dritte Spiel gegen Belgien entscheiden. Im Achtelfinale warten dann Polen, Kolumbien oder Senegal, auch das dürfte für England machbar sein. Doch spätestens ab dem Viertelfinale werden größere Gegner warten und dann sind Tugenden gefragt, die derzeit nur Kane verkörpert.
18 Abschlüsse hatten die Three Lions gegen Tunesien, 14 davon wurden in aussichtsreicher Position im Strafraum abgegeben. "Ich kann mich nicht erinnern, wann wir mal so viele Chancen rausgespielt haben", sagte Doppeltorschütze Kane. "Wir hätten zwei oder drei Tore mehr machen müssen." Aber egal ob Raheem Sterling, Jesse Lingard oder Dele Alli - die Jungstars in der Offensive wollten das Tor einfach nicht mit letzter Konsequenz erzielen.
Englands Sieg gegen Tunesien: Kane sei Dank
Dabei gehörte die erste Hälfte zu den besten dieser Weltmeisterschaft, was fast ausnahmslos an den Engländern lag. Gegen defensiv eingestellte Adler von Kathargo, die auch noch ihren besten Fußballer, Kapitän Wahbi Khazri, als alleinige Sturmspitze verschenkten, zog Southgates Mannschaft ein beeindruckendes Kombinationsspiel auf. Sie kam durch das schnelle, vertikale Spiel immer wieder hinter die Abwehrkette und wusste mit dem Mehr an Ballbesitz viel anzufangen.
Zweifelhafter Elfmeter hilft Tunesien
England stellt nach Nigeria die zweitjüngste Mannschaft dieser Weltmeisterschaft. So ist auch zu erklären, wie sich die Three Lions nach dem Ausgleich durch ein zweifelhaftes Elfmetertor von Ferjani Sassi (35.) - Kyle Walker soll Fakhreddine Ben Youssef in seinem Rücken ohne Sichtkontakt gefoult haben - aus dem Konzept bringen ließen. Schiedsrichter Wilmar Roldán aus Kolumbien war der bisher schwächste bei dieser WM, er hätte Kane auch mindestens einen Strafstoß geben müssen und zeigte eine insgesamt inkonsequente Linie bei der Zweikampfbewertung.
Lingard traf kurz vor dem Pausenpfiff zwar noch den Pfosten, doch spätestens in der zweiten Hälfte reichte Tunesien eine konzentrierte Defensivleistung gepaart mit ein paar Nickligkeiten und Zeitspiel, um Englands ansehnlichen Fußball der ersten 45 Minuten zu ersticken. "Wir haben unseren Plan nicht aufgegeben", sagte Southgate fast ein bisschen trotzig. "Wir standen defensiv weiter sicher, haben keine Konter zugelassen und den Ball nicht blind nach vorne geschlagen." Am Ende reichte eine zweite Standardsituation mit Kane an der richtigen Stelle, um doch noch den Siegtreffer zu erzielen.
Auch wenn es in diesem Jahr noch nicht zum Titel reichen sollte - in zwei Jahren, wenn die jetzige Mannschaft etwas mehr Erfahrung gesammelt hat und aus den starken Jugendjahrgängen noch ein paar Talente nachrücken, wird England bereit für den EM-Titel sein.
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Tunesien - England 1:2 (1:1)
0:1 Kane (11.)
1:1 Sassi (35., Foulelfmeter)
1:2 Kane (90.+1)
Tunesien: Hassen (15. Ben Mustapha) - Maâloul, Meriah, S. Ben Youssef, Bronn - Skhiri - Sliti (74. Ben Amor), Badri, Sassi, F. Ben Youssef - Khazri (85. Khalifa)
England: Pickford - Maguire, Stones, Walker - Young, Alli (80. Loftus-Cheek), Henderson, Lingard (90.+3 Dier) , Trippier - Kane, Sterling (68. Sterling)
Zuschauer: 41.064
Schiedsrichter: Roldán (Kolumbien)
Gelbe Karten: - / Walker