WM 2018: Joachim Löw kritisiert DFB-Elf nach Niederlage gegen Österreich - DER SPIEGEL
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DFB-Niederlage gegen Österreich Es hagelt Kritik

Die DFB-Elf ließ sich beim letzten Test vor der WM-Kadernominierung erst vom Wetter und dann von Österreich nass machen. Der Bundestrainer fand deutliche Worte: "Es hat sich niemand aufgedrängt."
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Joachim Löw hatte vor dem Testspiel gegen Österreich gesagt, das Ergebnis sei für ihn irrelevant. So musste sich der Bundestrainer zumindest nicht über das 1:2 ärgern, sondern nur darüber, wie diese Niederlage zustande gekommen war.

Damit hatte Löw allerdings auch genug zu tun. "Ich habe selten gesehen, dass meine Mannschaft so extrem viele Ballverluste hatte wie in diesem Spiel", eröffnete Löw ohne Umschweife seine Kritik. Das Team habe nach der frühen 1:0-Führung durch Mesut Özil die Partie unter Kontrolle gehabt und sie dann "leichtfertig aus der Hand gegeben".

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Testspiel in Klagenfurt: Österreichs historischer Sieg

Foto: Christian Charisius/ dpa

Dass seine Spieler mit der Führung im Rücken mehrfach die Chance auf einen Konter zum 2:0 gehabt und vertändelt hatten, ärgerte Löw dermaßen, dass er dies in der anschließenden Pressekonferenz gleich vier Mal ansprach. "Die laufen in Überzahl auf den Torwart zu und kommen noch nicht mal zu einem Abschluss."

"Ballverluste im Minutentakt"

Nun soll man Testspiele vor einem Turnier nicht allzu ernst nehmen, und auch die Verärgerung setzt Löw zuweilen durchaus kalkuliert ein, um in Richtung Öffentlichkeit ein Signal zu setzen. Aber in diesem Fall schien der Bundestrainer nach zuvor zehn weitgehend störungsfrei verlaufenen Tagen der Vorbereitung im Trainingslager doch überrascht, wie wenig sein Team von den Vorgaben umzusetzen imstande war. "Ballverluste im Minutentakt", hatte Löw gesehen.

Ob Sebastian Rudy, Leon Goretzka oder Nils Petersen: Gerade von den Akteuren aus der zweiten Reihe, die solche Spiele als letzte Chance nutzen müssten, um sich noch für das Aufgebot zu empfehlen, war wenig zu sehen. Es war so ein Spiel, das deutlich machte, wie wichtig die Routiniers in dieser Mannschaft immer noch sind: Thomas Müller, Mats Hummels, Toni Kroos, die allesamt fehlten, ebenso wie Sami Khedira, der nur eine Halbzeit spielte und dessen Absenz danach deutlich spürbar war.

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Deutschland in der Einzelkritik: Brandt empfiehlt sich, Petersen nicht

Foto: Bongarts/Getty Images

Von den Feldspielern - und davon setzte der Coach bei fünf Wechseln immerhin 15 ein - "hat sich niemand aufgedrängt", formulierte Löw ziemlich gnadenlos. Und benutzte sehr bewusst das Wort Feldspieler. Damit auch niemand von der Presse überhaupt auf die Idee kommen solle, er schlösse seinen Torwart mit ein.

Spiel stand vor der Absage

Schließlich ruhten alle Augen an diesem Abend von Klagenfurt auf der Nummer eins, auf Manuel Neuer, der nach neunmonatiger Verletzungspause sein erstes Spiel auf Wettkampfniveau absolvierte. Auch der Bayern-Torwart konnte die Niederlage nicht verhindern, zeigte aber immerhin ein, zwei gute Paraden. Überragend war Neuers Leistung nicht, aber wer hätte das auch erwartet?

"Ich war absolut zufrieden mit dem, was ich von ihm gesehen habe", sagte Löw, der sich sehr früh im Trainingslager auf Neuer als deutsche Nummer eins festgelegt hatte. Insofern konnte der Bundestrainer jetzt natürlich auch nicht gegen seine eigene Entscheidung anreden. Neuer sei "schon wieder reaktionsschnell" gewesen. Das Comeback des Torwarts sei gelungen.

Dass er überhaupt spielen konnte, hatte dabei zeitweilig auf der Kippe gestanden. Was ausnahmsweise nicht am Fuß des Torwarts lag, sondern am Wetter. Kurz vor dem geplanten Anpfiff hatten sich in Kärnten alle Schleusen geöffnet, Hagel, Starkregen, Gewitter, Windböen, alles war dabei. Das Spiel stand ganz kurz vor der Absage.

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Testspiel der Nationalmannschaft: Wasserball in Klagenfurt

Foto: Bongarts/Getty Images

"Wir wollten dieses Testspiel unbedingt", sagte Löw und gleichzeitig "natürlich alles vermeiden, um ein Verletzungsrisiko der Spieler zu erhöhen". Also wurden die Spieler zweimal zum Aufwärmen rausgeschickt und jeweils pitschnass wieder in die Kabine geholt. Dort hieß es warten und noch einmal warten, bevor die Partie dann doch mit 100-minütiger Verspätung über die Bühne gehen konnte.

"Am Wetter und an den Platzbedingungen hat es nicht gelegen", suchte Löw keine Ausrede, warum seine Nationalspieler anschließend wie begossene Pudel vom Platz trotteten. Im Zusammenspiel lief vor allem in der zweiten Halbzeit wenig bis nichts zusammen, die Außenverteidiger Jonas Hector und Joshua Kimmich produzierten Fehler am Stück, beide können heilfroh sein, dass sie für den Kader gesetzt sind.

Am Sonntag kommt die Bundeskanzlerin nach Eppan zur Mannschaft, am Montag muss Löw dann vier Spieler aus dem 27er-Kader verabschieden. Nach der Vorstellung von Samstag hat sich seine Auswahl, welche Spieler möglicherweise verzichtbar sind, jedenfalls nicht verkleinert.

Löw wäre allerdings nicht er selbst, wenn er nicht noch angefügt hätte: "In zwei Wochen wird die Mannschaft ganz anders präpariert sein. Wegen dieses Spiels mache ich mir jetzt keine schlaflosen Nächte." Bisher hatte er mit solchen Sätzen meistens recht. Eine Garantie gibt es darauf aber nicht.

Österreich - Deutschland 2:1 (0:1)
0:1 Özil (11.)
1:1 Hinteregger (53.)
2:1 Schöpf (69.)
Österreich: Siebenhandl - Prödl, Dragovic, Hinteregger - Lainer, Baumgartlinger, Zulj (88. Kainz), Alaba - Schöpf (76. Bauer), Grillitsch (79. Ilsanker) - Arnautovic (84. Burgstaller)
Deutschland: Neuer - Kimmich, Rüdiger, Süle, Hector - Khedira (46. Rudy), Gündogan (56. Goretzka) - Brandt (67. Werner), Özil (76. Draxler), Sané (67. Reus) - Petersen (76. Gomez)
Schiedsrichter: Kralovec
Zuschauer: 29.200