WM-Achtelfinale: Ballack-Einsatz gefährdet - DER SPIEGEL
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WM-Achtelfinale Ballack-Einsatz gefährdet

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss im WM-Achtelfinale gegen Paraguay am Samstag (8.30 Uhr, Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) möglicherweise auch Michael Ballack ersetzen. Ein Fehlen des Mittelfeldspielers wäre laut Kapitän Oliver Kahn "fatal".
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seogwipo - Rudi Völler zitierte einen Matthäus-Vers, als er die Hiobsbotschaft vor dem WM-Achtelfinale gegen Paraguay verkündete: "Irgendwann macht der Muskel zu." Der DFB-Teamchef berief sich natürlich nicht auf den Evangelisten, sondern auf Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der das Gefühl einer Muskelverhärtung einst derartig populär beschrieben hatte. Jetzt ist offenbar der Muskel in der linken Wade von Michael Ballack so hart, dass der 25-Jährige nicht trainieren kann. Ob der deutsche Mittelfeldstar gegen Paraguay auflaufen kann, darüber soll ein Test am Spieltag entscheiden.

Wenn Oliver Kahn nicht nur Kapitän, sondern auch Mannschaftsarzt wäre - Ballack würde definitiv in der Startaufstellung stehen. "Bei einer WM gibt es normalerweise keine Schmerzen", teilte Kahn dem Patienten mit. Der Mannschaftsführer weiß natürlich, dass er als Torhüter in seiner Führungsrolle im Team auf den eigenen Strafraum limitiert ist. Weil mit Mittelfeldstratege Dietmar Hamann, der wie Christian Ziege und Carsten Ramelow gesperrt ist, schon eine Leitfigur auf dem Platz fehlt, sagt Kahn: "Ein Ballack-Ausfall wäre fatal."

Zwar konnte Ballack, der die WM-Vorbereitungsspiele wegen einer Fußverletzung komplett auslassen musste, in der Vorrunde noch nicht an seine überragenden Leistungen der abgelaufenen Saison anknüpfen. Dennoch gehörte er mit vier Torvorlagen und einem Treffer zu den effektivsten deutschen Spielern. "Im kreativen Bereich ist er sehr wichtig", weiß Kahn um die Bedeutung der Krankenakte Ballack.

Chilavert will Staatspräsident werden


Anders als Kahn sind dem Torhüter Paraguays sogar Torerfolge zuzutrauen. Der 36-jährige José Luis Chilavert, der vor Jahren einen Balljungen niederschlug und für drei Monate in den Knast wanderte, kümmert sich nicht nur ums Bälle halten, er schießt auch Elfmeter und Freistöße. "Er ist das Herzstück der Mannschaft. Ohne ihn geht nichts. Er bestimmt alles, was passiert", sagt Völler.

Tatsächlich gibt sich der exzentrische Chilavert nicht einmal mit dem Kapitänsamt im Nationalteam zufrieden. Er will Präsident seines Landes werden. Über die politischen Ambitionen Chilaverts muss sich Völler zum Glück keine Sorgen machen. Entscheidend ist seine Rolle auf dem Platz. Und da empfiehlt der DFB-Teamchef seinen Schützlingen, den zur Fettleibigkeit neigenden Keeper ins Schwitzen zu bringen: "Wir wollen testen, ob er nicht nur als Schütze, sondern auch als Torhüter erstklassig ist."

Kahn: "Da habe ich immer ins Bett gebissen"


Von der Sonderklasse seines eigenen Keepers ist Völler überzeugt. Das Schattendasein Kahns als Ersatzkeeper der Weltmeisterschaften 1994 und 1998 hat offenbar nur Spuren im Hotelmobiliar hinterlassen. "Da bin ich immer gleich aufs Zimmer gegangen und habe ins Bett gebissen," sagte Kahn, der am Samstag 33 Jahre alt wird.

In den Vorrundenpartien gegen Irland und Kamerun war der Torhüter Erfolgsgarant der DFB-Elf. Kahns ohnehin ausgeprägtes Selbstvertrauen ist durch das Ausscheiden der WM-Favoriten Argentinien und Frankreich noch gewachsen. "Das lässt uns an unsere eigene Stärke glauben. Wir wissen, dass wir im Achtelfinale und im möglichen Viertelfinale Gegner haben, die wir packen können."

Sein Vorgänger als Kapitän geht sogar noch einen Schritt weiter. Oliver Bierhoff beschreibt die Stimmung in der Mannschaft: "Der Flachs, dass wir ins Endspiel kommen, wird immer ernster."


Voraussichtliche Aufstellung:
Kahn - Frings, Linke, Metzelder, Rehmer - Schneider, Jeremies, Ballack (Kehl), Bode - Klose, Jancker


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