WM-Feiern: Ein Toter nach verlorenem Finale - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

WM-Feiern Ein Toter nach verlorenem Finale

Die Feiern in ganz Deutschland nach dem WM-Finale haben ein Menschenleben gekostet. Zwar berichtete die Polizei, dass die Partys nach dem Gewinn der Vizeweltmeisterschaft weitgehend friedlich geblieben seien. Dennoch mussten etwa 900 Randalierer vorläufig in Gewahrsam genommen werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Ein 39-jähriger angetrunkener Fan ist am Sonntag im Neckar bei Mannheim ertrunken, teilte die Polizei am Montag mit. Der Mann hatte das 0:2 der deutschen Elf gegen Brasilien auf einer Großbildleinwand am Neckarufer verfolgt. Nach dem Spiel sei er in den Fluss gesprungen, um an das andere Ufer zu schwimmen. Die Polizei, die von einem Zeugen alarmiert worden war, konnte nur noch die im Fluss treibende Leiche des Mannes bergen.

In einigen Städten kam es bis in die Nacht zu Schlägereien und Randalen, bei denen zahlreiche so genannte Fans in Gewahrsam genommen oder festgenommen wurden. Die Polizei zog in Nordrhein-Westfalen 426 Menschen aus dem Verkehr, in Baden-Württemberg 139, in Berlin 101, in Hamburg 75, in Sachsen 37, in Bayern 22, in Niedersachsen 14. In Thüringen und Hessen wurden 13 Schläger und Randalierer in Gewahrsam gebracht, im Saarland elf, in Sachsen-Anhalt fünf und in Rheinland-Pfalz vier.

In Hamburg mehr als 100.000 Fans vor Leinwänden


In Hamburg wurden mehrere der insgesamt 600 eingesetzten Polizisten mit Flaschen beworfen und leicht verletzt. Mehr als 100.000 Fans hatten in der Hansestadt das WM-Finale vor Großbildleinwänden verfolgt. Nach Spielende kam es zu Schlägereien von Fußballanhängern aus der Hooligan-Szene.

Dass es auch friedlich zugehen kann, zeigten die Fans in Niedersachsen. Dort zogen deutsche und brasilianische Fans bis in die späten Abendstunden mit Autokorsos durch die Straßen. Auf Münchens WM-Partymeile Leopoldstraße kam der Verkehr bis 23 Uhr zum Erliegen. 40.000 Besucher hatten dort zuvor gefeiert.

Platzverbote auf dem Alexanderplatz


In Berlin warfen Randalierer Flaschen auf Polizeibeamte - dort endete die Party für 101 Menschen auf einer Polizeiwache. Bereits am Nachmittag hatte die Polizei gegen 40 Hooligans Platzverbote auf dem Alexanderplatz ausgesprochen.

In der Gelsenkirchener Innenstadt wurde eine randalierende Fan-Gruppe vorübergehend von der Polizei eingekesselt, 40 Personen wurden festgenommen. Schon während der Übertragung des Endspiels auf einer Großbild-Leinwand war es zu einem Streit zwischen betrunkenen Fans gekommen.

Betrunkener schießt mit Gaspistole auf Kinder


Bei einer Auseinandersetzung zwischen der Polizei und etwa 15 Fans in Bochum wurde ein Randalierer von einem Polizeihund gebissen und schwer verletzt - auch der Polizeihund war durch Tritte und Schläge verletzt worden. Ebenfalls in Bochum schoss ein 21-jähriger betrunkener Mann nach dem Ende der Live-Übertragung vom Balkon seiner Wohnung aus mit einer Gaspistole auf spielende Kinder. Verletzt wurde niemand.

Mehr lesen über