WM-Held 1954 Helmut Rahn ist tot
Essen - Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Donnerstag mitteilte, starb Rahn nach längerer schwerer Krankheit in der Nacht zum Donnerstag in seiner Wohnung in Essen. Rahn wäre am Samstag 74 Jahre alt geworden. Der "Boss" - so lautete sein Spitzname - galt zu seiner aktiven Zeit als einer der besten Flügelstürmer und Torjäger Europas.
Die deutsche Nationalmannschaft wird beim Länderspiel am Mittwoch im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion gegen Italien zu Ehren des am 16. August 1929 in Essen-Katernberg geborenen Fußball-Idols Trauerflor tragen. Von der ersten deutschen Weltmeister-Elf leben nun nur noch Horst Eckel, Ottmar Walter und Hans Schäfer. Kapitän Fritz Walter war vor einem Jahr während der Fußball-WM in Südkorea und Japan gestorben.
"Fußball damals, das war eigentlich die Achse Herberger, Walter, Rahn. Er war und ist eine der letzten Legenden", sagte Franz Beckenbauer. Rahns denkwürdigster Auftritt war zweifellos das WM-Finale am 7. Juli 1954 gegen Ungarn. Deutschland lag 0:2 zurück. Dem Nürnberger Max Morlock gelang auf Vorlage Rahns der Anschlusstreffer zum 1:2. Rahn selbst erzielte danach nicht nur den Ausgleich, sondern sechs Minuten vor Schluss mit dem linken Fuß auch das Siegtor zum 3:2-Endstand.
Immer wieder wurde Rahn in den Jahren danach auf das "Wunder von Bern" und vor allem seinen erfolgreichen Torschuss angesprochen. Insbesondere Herbert Zimmermanns Live-Reportage im Radio "(Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt - Tor, Tor, Tor") hatte den Treffer zum ersten von drei deutschen WM-Titeln unsterblich werden lassen. "Helmut, erzähl' mich dat Tor" - der Spruch eines Ruhrpott-Kumpels wurde zum geflügelten Wort. "Ich habe gar nicht gesehen, wohin der Ball ging. Aber ich wusste: Der ist drin. Drinner geht's nicht", hatte Rahn stets berichtet.
Insgesamt bestritt Rahn 40 Länderspiele und erzielte dabei 21 Tore. Mit seinem Verein Rot-Weiß Essen gewann der Rechtsaußen 1953 den DFB-Pokal und wurde 1955 Deutscher Meister. Nach einem Gastspiel beim 1. FC Köln und in der niederländischen Ehrendivision bei Enschede gab Rahn 1963 in der neugegründeten Bundesliga ein überraschendes Comeback beim Meidericher SV, dem heutigen MSV Duisburg.
Geschichte schrieb Rahn auch dadurch, dass er als erster Spieler in der neuen Liga vom Platz gestellt wurde. Der begeisterte Brieftaubenzüchter musste seine Karriere 1964 wegen einer Knieverletzung nach insgesamt 20 Bundesliga-Einsätzen für den MSV beenden. In 260 Oberligapartien war der beste deutsche Rechtaußen aller Zeiten 106-mal erfolgreich.
Rahn, dessen fast 28-jährige Kickerkarriere 1938 bei Altenessen 1912 begonnen hatte, mied seit langem schon die Öffentlichkeit und lebte ohne jeden Kontakt zur heutigen Fußballszene in einem Essener Mehrfamilienhaus. Ehefrau Gerti und die beiden Söhne hatten Rahn weitgehend abgeschirmt. Nur ab und zu war der gelernte Elektriker, der vor seiner Pensionierung zusammen mit seinem Bruder einen Autohandel betrieben hatte, in seiner Eckkneipe im Essener Stadtteil Frohnhausen anzutreffen.
"Ich bin sehr bestürzt", sagte DFB-Teamchef Rudi Völler, "Mittwochabend war ich in Frankfurt mit Filmregisseur Sönke Wortmann im Kino und habe dessen neuen Film 'Das Wunder von Bern' gesehen. Wir haben nachher zusammen gesessen und darüber diskutiert, wie wir Helmut Rahn im Oktober zur Premiere des Films aus seinem Haus locken können. Um so überraschter war ich von der Todesnachricht. Es ist traurig."