WM-Qualifikation 2:0 - Es rumpelt noch
Hamburg - Als nach dem gewonnenen WM-Qualifikationsauftakt gegen Griechenland Udo Jürgens' Swing-Klassiker "Griechischer Wein" aus den Boxen im Hamburger Volksparkstadion dröhnte, stand der wohl beste Spieler des Abends neben der Seitenlinie und verpasste dem 2:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft den richtigen Anstrich. "Vorher wussten wir nicht genau, wo wir stehen", sagte Mehmet Scholl. Was er nicht sagte, konnte man nur dem Folgesatz entnehmen: "Aber ich glaube, es war ein ordentlicher Anfang."
Die ersehnte Standortbestimmung nach dem EM-Debakel und dem wenig aussagekräftigen 4:1-Sieg gegen Spanien in Hannover war in den 90 Minuten zuvor tatsächlich ausgeblieben. Am Ende war es immerhin das Ergebnis, das stimmte. Mit seinem ersten Länderspiel-Tor hatte der Berliner Sebastian Deisler (17.) die deutsche Mannschaft vor 48.549 Zuschauern in Führung gebracht. Und als das Spiel auf der Kippe stand, sorgte dann der Grieche Marinos Uzunidis (75.) mit einem Eigentor für die Entscheidung.
Mit derselben Aufstellung und der gleichen Einstellung wie gegen Spanien startete die deutsche Mannschaft ins Unternehmen WM-Qualifikation. Aggressiv in den Zweikämpfen, selbstbewusst in der Offensive setzten die Gastgeber die von rund 15.000 Anhängern lautstark angefeuerten Griechen sofort unter Druck. Allerdings währte die Herrlichkeit nur etwas mehr als 20 Minuten, dann schlichen sich erste Fehler und Unkonzentriertheiten ein, die das Team lange um den letztlich verdienten Erfolg bangen ließen.
Antreiber des deutschen Spiels war wie in Hannover Mehmet Scholl, der hinter den Spitzen alle Freiheiten hatte und diese nach Kräften nutzte. Im Angriff lieferte sich Carsten Jancker, der nach auskurierter Wadenprellung erst am Vormittag "grünes Licht" für einen Einsatz erhalten hatte, erbitterte Duelle mit seinem Widersacher Gumas. Dabei behielt er auch in bedrängter Situation Übersicht und verteilte geschickt die Bälle. Wenig Gefahr kam indes von den Flügeln, wo der Bremer Marco Bode und Torschütze Deisler häufig wie Fremdkörper wirkten.
Die vom glänzend aufgelegten Jens Nowotny organisierte Abwehr stand gegen die Griechen recht sicher. Als Schwachpunkt im Defensivverband entpuppte sich allerdings Jörg Heinrich. Der Dortmunder leistete sich zahlreiche Fouls und hatte Glück, dass ihm der spanische Schiedsrichter Nieto nach einer rüden Attacke gegen Georgiadis (41.) nicht Rot zeigte. Nach der Pause wurde Heinrich durch Thomas Linke ersetzt. Als wenig effektiv erwies sich auch die Leverkusener Mittelfeld-Achse mit Michael Ballack und Carsten Ramelow, die es nicht verstanden, das Spiel zu ordnen. Vor allem Ballack leistete sich viele Ballverluste und ließ die Konzentration in seinen Aktionen vermissen.
Durch ihr elanvolles Spiel kam die deutsche Mannschaft in der Anfangsphase zu guten Tormöglichkeiten. Mit einem Reflex entschärfte Torhüter Eleftheropoulos in der 6. Minute einen Volleyschuss von Jancker. Drei Minuten später setzte sich Scholl im griechischen Strafraum energisch durch, schoss aber knapp am Ziel vorbei. Unter dem Druck der deutschen Mannschaft verlor die Abwehr der Gäste immer mehr den Überblick, so dass die Führung in der 17. Minute hoch verdient war. Nach einem weiten Einwurf von Ballack legte Bode den Ball zurück auf Deisler, der aus kurzer Entfernung sein erstes Länderspiel-Tor markierte.
Danach riss bei den Hausherren unverständlicherweise der Faden. Durch Fehler im Aufbau gab die Völler-Elf das Spiel aus der Hand und verzettelte sich in Fouls und Diskussionen mit dem Schiedsrichter, dessen bisweilen kleinliche Entscheidungen nicht immer unumstritten waren. Bei einem ersten Warnschuss von Tsartas (24.) bewahrte der Pfosten die deutsche Mannschaft vor dem drohenden Ausgleich. Eine Minute später blockte Ramelow im letzten Moment den einschussbereiten Zagorakis ab. Die letzte deutsche Möglichkeit vor der Pause vergab wiederum Scholl (32.) mit einem Schlenzer von der Strafraumgrenze, der haarscharf am Gehäuse vorbeiflog.
Im zweiten Durchgang fehlte dem deutschen Team gegen druckvollere Griechen zunehmend eine ordnende Hand. Nach einer Kontersituation kamen die Hausherren zur ersten Chance, als der nach einem Solo gefoulte Scholl (55.) einen Freistoß aus 20 Metern gegen die Latte jagte. Fünf Minuten später lenkte Eleftheropoulos einen Bode-Freistoß mit einer Glanzparade zur Ecke. Von Kombinationsfußball wie in den ersten 20 Minuten war nun indes nichts mehr zu sehen. Dennoch zeigte sich Teamchef Völler nach dem Abpfiff insgesamt zufrieden: "Es war klar, dass es kein Spaziergang werden würde. Trotz einiger Schatten - wir sind wieder so aufgetreten wie gegen Spanien. Mit einer Top-Einstellung."