WM-Playoffs: Zwei Spiele bis Südafrika
WM-Qualifikation Die 180-Minuten-Finals
Hamburg - Auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika wird in den Relegationsspielen am Samstag und Mittwoch um die letzten vier europäischen Tickets gespielt. Und gerade in diesen zwei entscheidenden Spielen fehlen den Favoriten ihre Top-Stars. Frankreich muss in Irland auf Franck Ribéry verzichten, die Portugiesen gegen Bosnien-Herzegowina auf Cristiano Ronaldo.
Russland nimmt nach seiner Pleite gegen Deutschland gegen Slowenien einen zweiten Anlauf; in der Partie von Otto Rehhagels Griechen und der Ukraine gibt es keinen Favoriten.
SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über die entscheidenden Partien.
Portugal: Ohne Ronaldo gegen starke Bosnier
Einer der besten Fußballer sitzt beim Spiel Portugal gegen Bosnien (21.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf der Tribüne des Estadio da Luz. Cristiano Ronaldo leidet seit Wochen an einer Sprunggelenksblessur. "Es ist wirklich frustrierend, dass ich nicht in der Lage bin, Portugal in solch einem entscheidenden Moment zu helfen", sagte Ronaldo. Weil seine Offensivqualitäten der Mannschaft fehlen, will Portugals Trainer Carlos Queiroz abwartend spielen lassen. "Das ist ein 180-Minuten-Finale. In Lissabon wird sozusagen nur die erste Halbzeit gespielt. Wir müssen nicht schon alles klar machen", sagte er.
Zuversichtlich stimmt die Portugiesen, dass die Mannschaft sich auch ohne Ronaldo für die Relegation qualifizierte. Beim 3:0-Erfolg im vorletzten Qualifikationsspiel gegen Ungarn musste Ronaldo schon nach 27 Minuten ausgewechselt werden, im letzten Spiel gegen Malta fehlte er dann ganz. Im Sturm müssen ihn jetzt Simao, Liedson und Werder Bremens Hugo Almeida ersetzen.
Bosnien weiß zwar um die Favoritenstellung Portugals, "aber mit heißem Herz und kühlem Kopf können wir etwas erreichen", sagt Hoffenheims Sejad Salihovic. 17 Jahre nach der Unabhängigkeit träumen die Bosnier von der ersten WM-Teilnahme. Arbeitslosigkeit und Korruption prägen das Land, die Finanzkrise hat alles noch verschlimmert. Jetzt aber, zumindest noch bis zum Rückspiel am Mittwoch in Zenica, bestimmt nur der Fußball den Alltag.
"Wenn wir die Qualifikation schaffen, bricht eine neue Zeit für unser Land an", sagt Stürmer Vedad Ibisevic, der wie Salihovic bei Hoffenheim spielt. Neben dem Hoffenheimer Duo werden auch die Wolfsburger Edin Dzeko und Zvjezdan Misimovic spielen. Für Ibisevic werden die Partien durch Ronaldos Ausfall nicht leichter: "Über das Fehlen von Cristiano Ronaldo mache ich mir keine Gedanken. Portugal hat genügend überragende Spieler."
Frankreich fürchtet heimstarke Iren
Wie Portugal muss auch Frankreich beim Spiel in Irland (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf Stars verzichten: Franck Ribéry vom FC Bayern München bleibt angesichts seiner Knieprobleme erneut nur die Zuschauerrolle, Regisseur Yoann Gourcuff ist angeschlagen. Für den französischen Trainer Raymond Domenech wäre die verpatzte Qualifikation eine Katastrophe - und würde wohl das Aus als Nationaltrainer bedeuten. Schon bei der EM 2008 war der Vizeweltmeister von 2006 nach enttäuschenden Vorstellungen in der Vorrunde ausgeschieden.
Die von Giovanni Trapattoni trainierten Iren brachten im Laufe der Qualifikation bereits Weltmeister Italien zweimal an den Rand einer Niederlage und blieben ungeschlagen. "Die Unterstützung unserer Fans wird uns zu Höchstleistungen anspornen", sagt Torwart Shay Given. Für Irland wäre die WM im kommenden Jahr das erste große Turnier seit 2002.
Besonders vor Stürmer Robbie Keane haben die Franzosen Respekt. Er hat in 92 Länderspielen bereits 40 Tore erzielt. "Er ist ein erstklassiger Angreifer, sehr klug und im Strafraum ausgebufft", sagte Frankreichs Rechtsverteidiger Bakary Sagna. Gourcuff nannte Keane Irlands "Führungsspieler": "Wenn wir ihn unter Kontrolle halten, haben wir einen Vorteil."
Den Respekt der Franzosen haben sich die Iren verdient. In fünf Qualifikationsheimspielen mussten sie nur vier Tore hinnehmen und erzielten sechs. Zudem dürfte die Atmosphäre im Croke Park die selbstbewussten Iren noch mehr anstacheln - und für das Rückspiel am Mittwoch in Paris motivieren.
Russland: Respekt vor slowenischen Abwehrkünstlern
Nach der Pleite im entscheidenden Gruppenspiel gegen Deutschland herrschte Enttäuschung im russischen Lager. Inzwischen ist die Stimmung wieder gut - und Trainer Guus Hiddink wird nicht müde, vor dem Playoff-Gegner am Samstag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu warnen: "Slowenien verteidigt perfekt und nutzt vorne jede Chance." In zehn Qualifikationsspielen ließ Slowenien nur vier Gegentore zu. Russlands Top-Spieler Andrej Arschawin scheint den Gegner nicht so ernst zu nehmen wie Hiddink. Arschawin sagte, er sei erleichtert, dass Slowenien in der Fifa-Rangliste nur auf Platz 49 liege.
Sollte sich Russland qualifizieren, würde Hiddink eine beeindruckende Serie fortsetzen. Noch nie hat der 63-Jährige mit einer Nationalmannschaft ein großes Turnier verpasst. Der Holländer führte sein Heimatland zur WM 1998, schaffte mit Australien die Qualifikation für die WM 2006 und mit Russland für die EM 2008. Als Trainer Südkoreas kam er 2002 sogar bis ins WM-Halbfinale. Allerdings waren die Südkoreaner als Gastgeber automatisch qualifiziert.
Außenseiter Slowenien glaubt an seine kleine Chance, weiß aber um die Kräfteverhältnisse. "Russland hat mehr Fußballer als wir Einwohner", sagte Kölns Miso Brecko, "die Qualifikation wäre für uns wahrscheinlich mehr wert, als wenn Deutschland Weltmeister würde." Der Blick zurück lässt Slowenien hoffen. In einem Qualifikationsspiel zur WM 2002 schlugen die Slowenen Russland 2:1 - und qualifizierten sich erstmals für eine Weltmeisterschaft.
Russland, das möglicherweise auf Stürmer Yuri Shirkov verzichten muss (Knieprobleme), setzt darauf, dass der Kunstrasen im Luschniki-Stadion dem Heimteam einen Vorteil verschafft. "Sicherlich ist Russland hoher Favorit, aber wir lassen uns nicht einschüchtern", sagt Sloweniens Trainer Matjaz Kek.
Rehhagel will sich WM-Traum erfüllen
Griechenlands Trainer Otto Rehhagel will in den Playoff-Begegnungen gegen die Ukraine am Samstag in Athen und am Mittwoch in Donezk (jeweils 19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) seine erste WM-Teilnahme sichern. "Wir haben das Ende unseres Weges erreicht. In diesen zwei Spielen wird sich zeigen, ob wir den Preis verdienen", sagte der 71-Jährige.
Ähnlich sehen das auch Rehhagels Spieler. "Ich habe mit Griechenland zwei Europameisterschaften gespielt und mit dem Titel 2004 eigentlich alles erreicht. Was mir noch fehlt, ist eine WM-Teilnahme", sagte Angelos Charisteas vom 1. FC Nürnberg dem "kicker". Mit Charisteas, dem Leverkusener Theofanis Gekas und Vasilis Pliatsikas von Schalke 04 stehen drei Bundesliga-Profis in Rehhagels Aufgebot. Der Frankfurter Ioannis Amanatidis sagte nach seiner Knieoperation ab.
Für Rehhagel sind es möglicherweise die beiden letzten Spiele als Griechen-Coach: Sein Vertrag läuft spätestens nach der WM aus. Über seine Zukunft hüllt er sich in Schweigen, Insider halten es für möglich, dass Rehhagel als Sportdirektor weitermacht.
Die Griechen, die die zweite WM-Teilnahme ihrer Geschichte nach 1994 anstreben, bauen vor allem auf Gekas. Der Angreifer ist mit zehn Treffern bester Torschütze in der europäischen WM-Qualifikation. "Die Ukraine hat keinen Vorteil. Im Gegenteil, ich denke, dass ihnen ein bisschen Erfahrung fehlen wird. Erfahrung, die wir besitzen", sagte der Leverkusener.
Die Osteuropäer sind bereits einmal in der WM-Relegation gescheitert (2001 gegen Deutschland), zeigen sich aber selbstbewusst. "Wir fahren nach Griechenland, um zu gewinnen", sagte der ukrainische Trainer Alexej Michailitschenko. Erfahrung mit Erfolgen in Athen haben die Ukrainer. In der Qualifikation zur WM 2006 in Deutschland gewannen sie in Griechenland und sorgten so dafür, dass Rehhagels Mannschaft das Turnier verpasste.
Michailitschenko setzt vor allem auf Akteure von Spitzenreiter Dynamo Kiew, allen voran auf Superstar Andrej Schewtschenko. Außer Anatoli Timoschtschuk vom FC Bayern steht mit Verteidiger Dmitri Tschigrinski vom FC Barcelona nur noch ein weiterer Legionär im Kader. Ex-Hertha-Profi Andrej Woronin, derzeit nur Reservist beim FC Liverpool, wurde nicht nominiert.
Außerhalb Europas: Noch fünf WM-Plätze offen
Neben vier europäischen Mannschaften können sich noch weitere fünf Teams für das Turnier in Südafrika qualifizieren. In den Playoff-Spielen treffen Costa Rica und Uruguay sowie Neuseeland und Bahrain aufeinander.
Bahrain und Neuseeland trennten sich bereits am 10. Oktober 0:0. Damit braucht Neuseeland einen Heimsieg, während Bahrain bereits ein nicht torloses Unentschieden reichen würde.
Außenseiter Costa Rica möchte sich gegen Uruguay für die dritte WM in Folge qualifizieren. Uruguay, das zuletzt 2002 an einer Weltmeisterschaft teilnahm, setzt auf Spieler von europäischen Clubs, etwa Diego Forlan (Atletico Madrid), Luis Suarez (Ajax Amsterdam), Fernando Muslera (Lazio Rom) Martin Caceres (Juventus Turin) und Carlos Valdez (Reggina Calcio). Die Südamerikaner stehen zum dritten Mal in Folge in WM-Playoff-Spielen. Gegen Australien gewannen sie 2002 und verloren 2006.
Afrika: Drei Plätze zu vergeben
In Afrika steht am Wochenende der letzte Gruppen-Spieltag der dritten Qualifikationsrunde auf dem Programm. In Gruppe C würde Ägypten für ein Kuriosum sorgen, wenn es gegen Algerien mit zwei Toren Vorsprung gewinnt: Beide Mannschaften wären dann nach den Kriterien Punkte, Tore und direkter Vergleich auf einem Stand. Ägypten hat bereits ein dann fälliges Entscheidungsspiel eingeplant und sagte das ursprünglich für den 18. November verabredete Freundschaftsländerspiel in Deutschland ab.
Etwas deutlicher ist die Lage in Gruppe A. Tabellenführer Kamerun (10 Punkte) kann mit einem Sieg gegen den Letzten Marokko (3) die WM-Teilnahme sichern. Der Zweite Gabun (9) muss seine Partie gegen Togo (5) gewinnen und gleichzeitig auf einen Ausrutscher Kameruns hoffen.
In der Gruppe B ist Tunesien (11 Punkte) mit einem Sieg in Mosambik (4) sicher in Südafrika dabei. Der Tabellenzweite Nigeria (9) muss in Kenia gewinnen und auf eine Überraschung Mosambiks gegen Tunesien setzen.