WM-Qualifikation: Optimistische Ukrainer - DER SPIEGEL
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WM-Qualifikation Optimistische Ukrainer

Voller Zuversicht reist die ukrainische Nationalmannschaft zum Qualifikationsrückspiel nach Deutschland. Wenig verwunderlich, zieht man die Auswärtsstärke von Schewtschenko und Co. in Betracht.
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Kiew - Sergej Schewtschenko, Ukraines Superstar, hat die Parole ausgegeben. "Wir haben dank unserer Auswärtsstärke im Rückspiel noch alle Chancen. So gesehen ist das 1:1 kein schlechtes Ergebnis", sagte der Torjäger des AC Mailand vor dem Playoff-Rückspiel der ukrainischen Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch (ab 20.30 Uhr im Live-Ticker bei SPIEGEL ONLINE) in Dortmund gegen Deutschland. Beim Remis im ersten Vergleich am vergangenen Samstag in Kiew hatte der 25-Jährige sein wahres Leistungsvermögen nicht zeigen können.

Doch im ausverkauften Westfalenstadion hofft er auf mehr Freiräume und Konterchancen, die seinem Spiel entgegenkommen. Die Katerstimmung im Lager der Auswahl von Cheftrainer Walerij Lobanowski ist längst verflogen. Auch die Fans der ukrainischen Auswahl sehen mittlerweile trotz des Remis vor heimischer Kulisse durchaus gute Chancen auf das WM-Ticket für Südkorea und Japan (31. Mai bis 30. Juni 2002).

Auswärts erfolgreicher als daheim


Der Grund für diesen Optimismus lässt sich statistisch leicht belegen. Schließlich waren die Ukrainer in der WM-Qualifikation auswärts wesentlich erfolgreicher als daheim. Sie gewannen bislang dreimal auf fremden Platz (Armenien, Norwegen, Weißrussland) und spielten zweimal Unentschieden (Polen, Wales). Damit wurde der zweite Rang in der Ausscheidung hinter Polen gesichert. In Heimspielen gelang der Ukraine indes nur ein Sieg beim 3:0 über Armenien, während die Partie gegen Deutschland bereits das vierte Unentschieden (bei einer 1:3-Niederlage gegen WM-Teilnehmer Polen) war.

Auch die Tatsache, dass Schewtschenko nur ganz selten zwei Spiele in Folge ohne Torerfolg bleibt, nährt die Hoffnung in der Ukraine auf die erste WM-Teilnahme. Der "Wunderstürmer" erzielte alleine sieben seiner neun Tore in der WM-Qualifikation in Auswärtsspielen, nur zweimal durften die Zuschauer in Kiew über Schewtschenko-Tore jubeln.

Doch nicht nur deshalb glaubt Co-Trainer Leonid Burjak weiter an die mögliche Sensation: "Wir haben die Entscheidung nach Dortmund verlagert und müssen dort unsere Chance nutzen. Wir werden kämpfen", erklärte der Co-Trainer, der schon nach Spielende in Kiew die "Sphinx" Lobanowski vor den Journalisten zu vertreten hatte.

Im selben Hotel wie Liverpool


Lobanowski selbst brütet derweil abgeschottet von der Außenwelt im Trainingszentrum von Dynamo Kiew über seiner Aufstellung. Erst am Dienstag wird die ukrainische Mannschaft in Dortmund eintreffen und im "Mercure Hotel Goldschmieding" zu Castrop Rauxel Quartier beziehen. Die späte Anreise sorgt für etwas Irritation. Die Fifa hatte dem deutschen Gegner eine Anreise zwei Tage vor Anpfiff nahegelegt. Ehemalige Hotelgäste haben bereits Sportgeschichte geschrieben. In derselben Unterkunft hauste beispielsweise der FC Liverpool noch im Mai diesen Jahres, als die Mannen von der Anfield Road sich auf das Uefa-Cup-Endspiel gegen CD Alaves vorbereiteten.

Die große Frage lautet: Was brütet Lobanowski in seinem Kämmerchen aus? Alles andere als eine Kontertaktik gegen eine offensiver eingestellte DFB-Elf wird der Fußball-"General" wohl kaum aus dem Hut zaubern. Es ist davon auszugehen, dass er im Westfalenstadion vor allem auf Schewtschenko im Angriff setzen wird. Möglicherweise kommt der Bremer Bundesligaprofi Viktor Skripnik neu ins Team - als "Abfangjäger" für Bernd Schneider und Michael Ballack.

"Das Stadion hallte nur so vor Pfiffen"


Auch die Spieler sind zuversichtlich. "Die deutsche Mannschaft will unbedingt gewinnen, das Dortmunder Publikum wird sie nach vorne treiben, und darin liegt unsere Stärke", sagt beispielsweise Mittelfeldspieler Andreij Gusin. Der 28-Jährige von Dynamo Kiew fürchtet die Atmosphäre im Westfalenstadion nicht. Schon bei der knappen 0:1-Niederlage von Dynamo gegen Borussia Dortmund in der Champions League vor drei Wochen habe man früh für Ruhe gesorgt: "Damals reagierten die Zuschauer äußerst scharf darauf, dass wir die Gastgeber zwangen, ins Aus oder zurück zum Torwart zu spielen. Das Stadion hallte nur so von Pfiffen, denn die Akustik dort ist gut", so Gusin.

Fakt ist: Für die Ukraine und seine 50 Millionen Einwohner geht es um ebenso viel wie für Deutschland. Zweimal sind sie zuletzt nur knapp an der WM- und EM-Qualifikation gescheitert. 1998 war der spätere WM-Dritte Kroatien in der Relegation stärker, im Jahr 2000 fuhr Slowenien anstelle der Lobanowski-Elf zur Europameisterschaft.

Auch Fußball-Präsident Grigori Surkis weiß, dass ein Sieg über Deutschland die Ukraine aus ihrer Lethargie befreien könne und zog deshalb bereits im Vorfeld einen historischen Vergleich: "Eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft würde unserem Volk ein ähnliches Selbstbewusstsein und einen ökonomischen Schub geben wie 1954 der WM-Gewinn den Deutschen."