WM-Quartiere: Ostdeutschland im Abseits - DER SPIEGEL
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WM-Quartiere Ostdeutschland im Abseits

Brasilien geht in den Taunus, Iran an den Bodensee, Togo ins Allgäu. Aber niemand will an die Mecklenburger Seenplatte. Für DDR-Fußballlegende Jürgen Sparwasser kommt das nicht überraschend. Ein Regierungsappell soll die letzten Teilnehmer ohne Bleibe doch noch in den Osten locken.
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Berlin - Regierungssprecher Thomas Steg wies auf Quartiere im Osten hin, die ebenfalls ein "sportlich gutes Abschneiden befördern" würden - ohne diese zu konkretisieren. Ohnehin kommt sein Lippenbekenntnis für den Osten der Rebublik ein wenig zu spät, schließlich haben sich schon 25 der 32 Teilnehmer für einen Ort im Westen entschieden.

Im Osten herrscht Frust über die Ignoranz. "Die Welt zu Gast im Westen", könnte das etwas verfremdete Motto lauten. Ausgerechnet das weltweite Großereignis, das Deutschland über die Grenzen hinaus als Land ohne Grenzen zeigen sollte, spaltet die Nation. Dabei droht der Osten leer auszugehen. "Ich war selber bei der Auslosung dabei, mir ist nicht bekannt, dass eine Mannschaft nach Brandenburg kommt", sagte Rüdiger Lorenz, Geschäftsführer des Fußball-Landesverbandes Brandenburg.

Eine naheliegende Erklärung wäre die Anzahl der Spiele. Lediglich fünf der 57 Partien werden in Leipzig ausgetragen. Doch die Statistik lässt Lorenz als Ausrede nicht gelten. Vielmehr hält er potenzielle WM-Hotels in Potsdam, Bad Saarow und Kienbaum, für die es laut Aussage eines Sprechers der Tourismus-Marketing Brandenburg einige Bewerber geben soll, für nicht geeignet. Die in Hotelnähe gelegenen Trainingsplätze seien nicht WM-tauglich. Er wisse, dass sich Polen zwischenzeitlich für das A-Rosa-Ressort in Bad Saarow interessierte, dann aber den angebotenen Fußballplatz eines Vereins der Region abgelehnt habe.

Wesentlich deutlicher wird DDR-Fußballlegende Jürgen Sparwasser. Für den ehemaligen DDR-Auswahlspieler kommen die bislang ausgebliebenen Quartierbuchungen nicht überraschend. Im Osten fehle es häufig an den notwendigen Strukturen, sagte Sparwasser in einem ddp-Interview. "So schlecht wie der Zustand der Wirtschaft im Osten sind auch die Verhältnisse im Fußball."

Der Geschäftsführer des Leipziger WM-Organisationskomitees, Ulrich Wolter, will trotz der düsteren Aussichten nicht aufgeben: "Es gibt ja noch einige, die sich entscheiden müssen." Womit er recht hat.

Für mindestens zwei Teams wäre ein Aufenthalt im Osten Deutschlands sinnvoll. Angola spielt in der Gruppe D in Köln, Leipzig und Hannover. Für die Ostafrikaner hätte daher ein Quartier in Sachsen-Anhalt Sinn gemacht. Dem Team habe auch ein entsprechendes Angebot aus Dessau vorgelegen, sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE Walter Pedro, ein in Deutschland lebender Angolaner, der für die Botschaft seines Landes als Dolmetscher und Organisator fungiert.

Doch davon habe die Delegationsleitung der angolanischen Mannschaft wieder Abstand genommen, berichtet Pedro. Die Entfernung zu den Spielorten sei zu weit gewesen, sagt er und betont, dass diese Entscheidung keinesfalls damit zu tun habe, dass afrikanische Mannschaften aus Angst vor rassistischen Übergriffen im Osten Deutschlands diese Region meiden würde.

Die Stadt Dessau erlangte im Juni 2000 traurige Berühmtheit, als damals jugendliche Skinheads nachts einen 39 Jahre alten Mann aus Mosambik zusammenschlugen. Das Opfer ist zwei Tage später seinen Verletzungen erlegen. Dolmetscher Pedro sagt, dass etwa 1000 Angolaner ihre Mannschaft zur WM-Endrunde begleiten werden. In Deutschland würden rund 3000 Landsleute leben, die meisten in Ostdeutschland. Angola und die frühere DDR pflegten enge freundschaftliche Beziehungen, dennoch zieht es die Afrikaner während der WM eher in den Süden Deutschlands.

Ein Kandidat für ein Ostquartier ist auch die Ukraine. Die Mannschaft spielt in der Gruppe H in Leipzig, Berlin und Hamburg. Hier kommen die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und sogar Sachsen in Frage. Bisher haben die Osteuropäer aber noch keine Entscheidung getroffen.

Von den vier verbleibenden Teams (Australien, Serbien und Montenegro, Tschechien sowie Elfenbeinküste) ist kaum zu erwarten, dass sie Quartier im Osten beziehen. Bis auf Serbien und Montenegro, das ein Spiel in Leipzig bestreitet, müssen alle anderen Teams ausschließlich im Westen antreten.

Mike Glindmeier und Steffen Gerth

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