WM-Randale Polizei vertreibt britische Hooligans aus Stuttgart
Stuttgart - In ganz Deutschland feiern Hunderttausende Menschen friedliche Fußballfeste - mit einer Ausnahme. In Stuttgart hat die Polizei bis heute Mittag knapp 400 überwiegend englische Fans in Gewahrsam genommen. Fünf unbeteiligte Fans und vier Ordnungshüter wurden verletzt. Die Krawallmacher erhielten ein bis Montagmorgen geltendes Innenstadtverbot.
Auch wenn die Randalierer nur einen kleinen Teil der Fangemeinde ausmachten, war die Ernüchterung groß. "Eine Konfrontation in der Größenordnung haben wir so noch nicht gehabt", räumte der Stuttgarter Polizeipräsident Siegfried Stumpf ein. "Die Stadt hat Platzverweise ausgesprochen", sagte Stumpf. Diejenigen, die eine Karte für das Achtelfinale England gegen Ecuador am Sonntag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) haben, dürften sich allerdings das Spiel im Stadion anschauen, da dieses außerhalb der Bannmeile liege, fügte Stumpf hinzu.
Bis zum Anpfiff versammelten sich über 20.000 englische Fans auf dem Schlossplatz, doch zu Auseinandersetzungen kam es zunächst nicht. "Wie die Leute das bei diesen Temperaturen und unter Alkoholeinfluss dort stundenlang aushalten wollen, ist mir schleierhaft", sagte Polizeisprecher Olef Petersen.
Stephen Thomas, Leiter des britischen Polizeieinsatzes während der Fußball-Weltmeisterschaft in Stuttgart, betonte, dass man die "richtigen Fußballfans" nicht mit den Krawallmachern und Hooligans vergleichen dürfe. Zugleich räumte er ein, dass diese wenigen Randalierer "den guten Ruf wirklicher Anhänger zerstört haben".
Die betrunkenen englischen Fußballanhänger hatten nach dem Spiel Deutschland gegen Schweden (2:0) in der Stuttgarter Innenstadt randaliert. Es flogen Stühle, Tische und Flaschen. Dabei seien fünf Passanten und vier Polizisten verletzt worden, sagte Stumpf. Auch einige deutsche Fans seien an den Auseinandersetzungen beteiligt gewesen.
Rund 250 Polizisten kesselten die Schlachtenbummler ein und brachten dann 378 Fans - darunter 375 Engländer und drei Deutsche - ins Polizeipräsidium. Im Laufe der Nacht wurden außer drei Engländern alle wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen die drei liefen Ermittlungen wegen Beleidigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung. Die Polizei rechnet mit weiteren Auseinandersetzungen während und nach der Achtelfinalpartie. Insgesamt sind 1900 Beamte im Einsatz.
Auch das ausgelassene Fußballfest zehntausender Fans am Samstag in Sachsen-Anhalt ist von zwei Zwischenfällen überschattet worden. Nach dem Sieg der deutschen Mannschaft im Achtelfinale gegen Schweden gerieten rund 20 Jugendliche bei einer Feier in Halberstadt aneinander. Die stark alkoholisierten Jugendlichen lieferten sich auf einem Supermarktgelände eine Prügelei, teilte die Polizei heute mit. Dabei seien ein 18-Jähriger schwer und ein 16-Jähriger leicht verletzt worden.
Bereits im Umfeld der Vorrundenspiele zwischen Deutschland und Polen in Dortmund sowie zwischen England und Schweden in Köln waren insgesamt 566 Personen vorübergehend festgenommen worden. Michael Endler, Leiter der in der bundesweiten Sicherheitskoordination federführenden Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (Zis) in Neuss, hatte die Polizei nach der insgesamt relativ friedlich verlaufenen Vorrunde vor Nachlässigkeit gewarnt. "Wir haben keinen Grund, uns zurückzulehnen und müssen weiter äußerst wachsam sein. Niemand hat eine Glaskugel, in der angezeigt wird, wie es in den nächsten Tagen aussieht", sagte der Polizeidirektor.
mig/sid/afp/dpa