Eine WM reichte Mick Mills, um zum größten Passkönig der Turniergeschichte zu werden. Den Titel holte der englische Verteidiger aber nie. Denn Pässe allein gewinnen keine Spiele.
Beinahe wäre Mick Mills nie ein WM-Rekordhalter geworden, denn beinahe hätte Mick Mills nie bei einer WM gespielt. Der stämmige Außenverteidiger war bereits 33 Jahre alt, als sich England 1982 zum ersten Mal seit zwölf Jahren gerade so für das Turnier qualifizierte. Auch als Kapitän der "Three Lions" war der schnauzbärtige Mills nicht vorgesehen. Erst nach der Verletzung von Kevin Keegan trat er aus dem Glied nach vorne.
Doch Mills machte seine Sache gut: Hinten hielt er Englands Abwehr zusammen, nach vorne passte und flankte er weltmeisterlich. Von 183 gespielten Pässen kamen 174 an - die Passquote von 95,1 Prozent ist bis heute WM-Rekord. So machten die Engländer das Spiel: Gegen Michel Platinis Franzosen siegten sie 3:1, nach zwei weiteren Erfolgen erreichten sie als Gruppensieger die Zwischenrunde.
Überhaupt war die WM 1982 ein echtes Passfestival: Vier der fünf präzisesten Passspieler liefen bei diesem Turnier auf. Nur Argentiniens Martín Demichelis schaffte es später noch in die Top 5. Mit glatten 95 Prozent angekommenen Pässen war der damalige Bayern-Verteidiger 2010 fast so gut wie Mick Mills.
Den Ball im Blick: Martín Demichelis und Miroslav Klose beim Viertelfinale 2010
Foto: Ricardo Mazalan/ APDoch Zuspiele gewinnen keine Spiele. Das fand auch Mick Mills schmerzlich heraus. Nach einem 0:0 gegen Deutschland brauchten die Engländer zum Weiterkommen einen Zwei-Tore-Sieg gegen Gastgeber Spanien. Wieder spielte Mills exzellente Torchancen für seine Vorderleute heraus - doch die versagten immer wieder kläglich. Als der wieder genesene Kevin Keegan kurz vor Schluss neben das leere Tor köpfte, war die WM für England gelaufen. Ungeschlagen flog Mills Mannschaft aus dem Turnier.