WM-Tickethandel: Der Trick mit der Tauschbörse - DER SPIEGEL
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WM-Tickethandel Der Trick mit der Tauschbörse

Schwarzhandel leicht gemacht. Am Montag startete die Fifa ein Internet-Portal, auf dem WM-Tickets zurückgegeben oder umgeschrieben werden können. Ziel der Plattform laut Aussage des WM-OK: Eindämmung des Schwarzmarktes. Doch genau das Gegenteil zeichnet sich ab.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Trick ist einfach aber effektiv. In Internet-Foren verabreden sich der Ticketinhaber und der Interessent. Gegen einen vorher abgesprochenen Aufpreis lässt der Besitzer seine Karte auf den vermeintlichen Freund umschreiben. Einzige Voraussetzung ist eine glaubwürdige Geschichte - etwa ein Krankheitsfall in der Familie - da jeder Antrag dem OK gegenüber begründet werden muss. Für zehn Euro Gebühr wechselt die Karte die Seiten. Auf den ersten Blick legal, da das OK das Ticket auf den neuen Namen ausstellt. 

Genau diese Feinheit macht den Unterschied zu den bisherigen Kartenverkäufen – beispielsweise über das Auktionshaus Ebay. Die dort erworbenen Billets sind mit dem Namen des ürsprünglichen Käufers versehen. Da der Ersteigerer am Eingang nicht belegen kann, dass er der Besitzer des Papierstreifens ist, muss er draußen bleiben. Dieses Risiko wird durch das Umschreiben umgangen, Schwarzhändler könnten so die Tauschbörse zum Legalisieren der Tickets missbrauchen.

"Wir können natürlich nicht verhindern, dass sich die Käufer und Verkäufer auf einem Parkplatz treffen und 100-Euro-Scheine austauschen, wenn sie ihre Karten offiziell umgeschrieben haben", sagt Jens Grittner, Sprecher des WM-OK. Dabei räumt er ein, dass das System seine Schwachstellen habe, verteidigte aber gleichzeitig den Grundgedanken: "Erst wurde uns vorgeworfen, dass wir den Fans nicht die Möglichkeit geben, die Karten umzuschreiben, jetzt heißt es, wir würden den Schwarzhandel fördern", so Grittner zu SPIEGEL ONLINE. Dabei verwies er auf die genaue Überprüfung der Anträge durch das OK.

Von dieser Ankündigung lassen sich einige Karteninhaber nicht abschrecken. Im Forum der Webseite www.fanlager.de  werden pro Tag mehrere Dutzend Tickets zum Tausch angeboten. User "peter123" beispielsweise bietet 14 Tickets an, darunter das Eröffnungsspiel und ein Viertelfinale. User "Wanderschueh" sucht ein Ticket für Schweiz gegen Togo, bietet im Tausch eine Karte für Tschechien gegen die USA. Der entscheidende Hinweis: "Aufpreis bevorzugt". User "hummelball" spricht davon "einen Mehrwert oben drauf zu legen", wenn er Achtelfinalkarten bekäme.

Auch bei Ebay haben die Händler erkannt, dass die Erfolgsaussichten, Wucherpreise zu erlösen, dank der Umschreibungen steigen. "Da die Tickets personalisiert sind, müssen sie vorher von mir auf die Namen der neuen Besucher umgeschrieben werden", lautet der Hinweis eines Verkäufers, der für zwei Gruppenspiel-Karten Brasilien gegen Japan stolze 600 Euro aufruft. Originalpreis: 35 Euro pro Stück.

Grittner warnt vor derlei Versuchen, doch noch an die begehrten Billets zu gelangen. "Finger weg von allen inoffiziellen Anbietern". Im Zweifel würden Tickets gesperrt, spätestens an der elektronischen Einlasskontrolle wäre Feierabend, so Grittner.

Dieses Szenario droht auch den Mitarbeitern - sofern sie ins Visier des Verfassungsschutz geraten sind. Von der Überprüfung durch Polizei und Verfassungsschutz sind derzeit bundesweit rund 250.000 im Umfeld der WM arbeitende Personen - beispielsweise Reinigungspersonal - betroffen. Über eine Akkreditierung entscheidet das WM-OK. Berlins Datenschutzbeauftragter Alexander Dix hat die Praxis kritisiert. Die Einbeziehung der Behörde sei "rechtlich bedenklich", weil diese keine polizeilichen Aufgaben zur Gefahrenabwehr wahrnehme, sagte Dix heute.

Durch die Einbindung des Verfassungsschutzes könne beispielsweise nicht ausgeschlossen werden, dass einem Bewerber auch dann eine Akkreditierung versagt werde, wenn lediglich ein Verdacht auf ein "nicht strafbares" Propagandadelikt bestehe. Dies sei "unverhältnismäßig" so der Datenschützer.

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