WM-Tickets: Last Exit Usbekistan - DER SPIEGEL
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WM-Tickets Last Exit Usbekistan

Heute um 12 Uhr hat die Fifa die zweite Verkaufsphase für WM-Tickets gestartet. Im Angebot: Teamserien. Dumm nur, dass alle attraktiven Fußballnationen schon vergriffen sind. Aber was heißt schon attraktiv? SPIEGEL ONLINE stellt Länder vor, die für 2006 noch keiner auf der Rechnung hat. Ordern Sie Geheimfavoriten!
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Eigentlich ist es ja ein Kreuz mit diesen WM-Tickets. Sie sind so begehrt, dass sich viele Fans gar nicht trauten, in der ersten Verkaufsphase überhaupt eine Bestellung abzugeben. Eine Rechnung: Das WM-Finale 2006 in Berlin, 70.000 Zuschauer, 80 Millionen Deutsche, 6 Milliarden Menschen weltweit ist gleich null Chance. Zugegeben, man könnte sich bei eBay von halbseidenen Ticketbesitzern bis auf das letzte Deutschland-Unterhemd ausziehen lassen. Oder darauf hoffen, dass der beste Freund vielleicht einen Freund hat, der jemanden kennt, der ... Aber ehrlich: Kennen Sie jemanden, der eine E-Mail vom WM-OK bekommen hat, in der keine Absage stand?

Heute hat die zweite Verkaufsphase der Fifa begonnen - ein Hoffnungsschimmer für die vielen Millionen Fußballfans, die in der ersten Runde leer ausgegangen sind. Angeboten werden Teamserien, was bedeutet, dass man sich auf ein Land festlegt, obwohl man noch nicht mal weiß, ob es sich überhaupt für die WM qualifiziert. Der Vorteil bei Teamserien: Der Anhänger kann die Ticket-Serie gleich bis zum Finale ordern. Doch die Enttäuschung folgt auf dem Fuß. Karten für Deutschland-Spiele? Fehlanzeige, seit Phase 1 vergriffen. England vielleicht? Oder Brasilien? Leider auch schon weg. Dann eben die Holländer ausscheiden sehen? Schön wär's, aber auch die Oranje-Fans waren schneller. Italien? Keine Chance, wie übrigens auch bei Argentinien, Irland, Japan, Mexiko, Portugal, Spanien, Schweden und den USA. Vor der zweiten Verkaufsphase ist also bereits keine der wirklich großen Fußballnationen mehr als Teamserie erhältlich.

Aber es gibt ein Rezept, doch bei der WM dabei zu sein, und zwar im Stadion. Man nehme: Eine Portion Fußballbegeisterung, mische sie mit den - leicht abgewandelten - Weisheiten, dass WM-Turniere ihre eigenen Gesetze haben (Fußballgott) und dass es keine "Kleinen mehr gibt" (Rudi Völler). Schlussendlich greife man zu einer Weltkarte und den aktuellen Tabellen der Qualifikationsgruppen und streue über alles eine Prise Optimismus - mit viel Glück hat man dann ein Gericht, das dem bisher vom Glück verlassenen Fußballfan unter Umständen besser schmeckt als all den Spießern, die Karten für Deutschland, Brasilien oder Italien besitzen. Werden Sie ein Global Player unter den Anhängern - und ordern Teamserien der Geheimfavoriten und schlafenden Riesen. Hier schon mal ein paar Empfehlungen:

Wie wäre es zum Beispiel mit der Elfenbeinküste? Die eleganten West-Afrikaner stehen derzeit mit vier Punkten Vorsprung auf Kamerun an der Spitze der Afrika-Gruppe 3, mit guten Chancen auf die WM-Teilnahme. Und was spricht dagegen, dass die schnellen Jungs um Didier Drogba (FC Chelsea) die neuen Kameruner "Löwen" werden, die 1990 mit Roger Milla und Francois Omam Biyik das Eröffnungsspiel gegen Argentinien gewannen und erst im Viertelfinale an England scheiterten?

Ein Geheimtipp ist auch die Ukraine. Mit Andrej Schewtschenko (AC Mailand) hat das Team einen Superstürmer in seinen Reihen, liegt derzeit drei Punkte vor Otto Rehhagels Griechen auf Platz 1 der Europa-Gruppe 2, und vieles spricht dafür, dass nach der orangefarbenen Revolution im Land eine weitere folgen könnte: 2006 in deutschen Stadien. Der Rivale Russland konnte ja bei der WM nie ganz überzeugen, es sei denn, die Rot-Blauen standen vor dem letzten Gruppenspiel schon als Nachhause-Fahrer fest. In dem Fall überzeugte Russland im letzten Spiel eigentlich immer. Die Ukraine könnte das ändern - mit Ihrer Unterstützung?

Oder machen Sie doch Usbekistan zu "Ihrem" Team. Die hat überhaupt niemand auf der Rechnung. Zugegeben, vielleicht zu Recht. Noch liegen die Zentralasiaten an letzter Stelle in der Asien-Gruppe A, aber in den letzten drei Partien hat die sympathische Mannschaft immerhin zweimal Heimrecht.

Oder Bahrein? Die Ölbarone sind im Kommen, zuletzt haben sie bewiesen, dass man erfolgreich Formel-1-Rennen ausrichten kann. Und auch auf dem Fußballplatz ist das Land auf der Überholspur. Hinter Japan und Iran zwar noch auf dem dritten Platz der Asien-Gruppe B und zuletzt durch eine Niederlage gegen Japan zurückgeworfen, aber der neue Coach könnte es richten. Der heißt Wolfgang Sidka, ist zurückgekehrt ins Königreich und war schon mal sehr erfolgreich in Bahrein.

Sidka sagt: "Ich bin überzeugt, dass wir nach Deutschland fahren!" Sie auch? Machen Sie Bahrein zu "Ihrer" Mannschaft und ordern eine Teamserie direkt bis ins Finale. Der Vorteil: Sidka ist Deutscher, ein bisschen patriotisch sein können Sie auch. Und wenn es Bahrein doch nicht schaffen sollte, dann bekommen Sie auch Ihr Geld zurück. Abzüglich einer Bearbeitungsgebühr, die Ihnen die Fifa in Rechnung stellt. Dem Vernehmen nach liegt diese zwischen 10 und 50 Euro.

Aber das sollte Ihnen der Spaß schon wert sein. Oder?