Wolfsburg - Lautern 3-2 Verkehrte Halbzeiten
Wolfsburg - 45 Minuten Katastrophen-Fußball haben den Machtkampf zwischen Trainer Otto Rehhagel und seinem Kapitän Ciriaco Sforza beim 1. FC Kaiserlautern neu entfacht. Die speziell von der Dramaturgie her deprimierende 2:3 (2:0)-Niederlage beim Tabellennachbarn VfL Wolfsburg riss mühsam zugeschüttete Trennungsgräben wieder auf. Drei Spieltage vor Saisonschluss ist die Stimmung bei den Pfälzern explosiver denn je.
"Zu so einem Mistspiel sage ich nichts", blockte der Schweizer Sforza, der während der Partie mehrfach erregt Richtung Trainerbank gestikuliert hatte, nach dem Schlusspfiff alle Fragen ab. Rehhagel antwortete verklausuliert und ohne den FCK-Libero beim Namen zu nennen: "Einige Spieler haben Schwächen, die in der zweiten Halbzeit zu Tage getreten sind. Da muss ich mich schwer beherrschen und vieles für mich behalten."
Doch nicht nur das FCK-Team, sondern auch ihr Coach machte einen entscheidenden Fehler: Nicht nur nach Sforzas Meinung versäumte es Rehhagel, zur Sicherung des 2:0-Halbzeitvorsprungs einen weiteren Abwehrspieler gegen die dritte Wolfsburger Spitze zurückzuziehen. Ein taktischer Schnitzer, der die Pfälzer Rang vier und damit die Chance auf die Champions-League-Qualifikation kosten kann.
Dank einer furiosen Aufholjagd können davon sogar die Niedersachsen noch träumen. Ein lautstarker Wutausbruch von VfL-Coach Wolfgang Wolf, der Spuren an der Kabinentür hinterließ, leitete nach debakulösen 45 Minuten, in denen die Gäste durch Tore von Jörgen Pettersson (22.) und Michael Schjönberg (39., Foulelfmeter) in Führung gegangen waren, eine Wende ein, die keiner der zur Halbzeit gellend pfeifenden 19.418 Zuschauer für möglich gehalten hätte.
Jean-Kasongo Banza (64.), Jürgen Rische (71.) und Waldemar Kryger mit seinem ersten Tor im 82. Pflichtspiel (76.) bewahrten die Norddeutschen vor einem Absturz ins Mittelmaß. Offiziell wäre man beim VfL zwar schon mit dem UI-Cup zufrieden, doch die direkte Uefa-Pokal-Qualifikation ist inoffiziell durchaus ein Thema. Wolf: "Wir arbeiten an dieser Sensation, ohne es direkt auszusprechen."
Sehr direkt war der ehemalige Bundesliga-Profi hingegen in der Halbzeit geworden. "Ich habe die Spieler dahin getreten, wo es richtig weh tut", berichtete Wolf. Für VfL-Manager Peter Pander war der Umschwung, der an das 4:4 im Nordderby gegen den Hamburger SV nach 1:4-Rückstand erinnerte, ein Beweis für die Homogenität der Mannschaft: "Bei anderen wäre eine solche erste Halbzeit tödlich gewesen. In unserem Verein stimmt es eben, die Charaktere passen gut zusammen."
Genau dies war und ist bei den Gästen nicht der Fall, entsprechend gereizt war die Stimmung. Mittelfeldspieler Ratinho: "Wir haben in der zweiten Halbzeit völlig die Kontrolle verloren." Genau dies bemängelte auch Mario Basler, der grippegeschwächt auf der Tribüne saß. "Was einige bei uns geboten haben, war eine Frechheit", schimpfte der Ex-Nationalspieler.