Wolfsburger Chaostage Gerets beerbt Röber
Wolfsburg - Der niedersächsische Club einigte sich heute Nachmittag mit dem 49-jährigen Gerets auf einen Vertrag bis zum 30. Juni 2006. Zuvor hatte sich der VfL Wolfsburg nach 397 Tagen von Röber getrennt. Morgen Nachmittag wird Gerets im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt, am Dienstagmorgen soll er erstmals das Training in Wolfsburg leiten. Über die Modalitäten des Vertrages, etwa die Frage, ob der Kontrakt auch für die zweite Liga gilt, wurde beiderseitig Stillschweigen vereinbart.
Mit Gerets ("Wolfsburg ist eine interessante Adresse") wird sein ehemaliger Lauterer Co-Trainer Reinhard Stumpf zum VfL kommen. Beide waren am 2. Februar beim FCK entlassen worden. Noch vor einigen Wochen hatte Gerets ein Angebot von Hannover 96 abgelehnt. "Ich werde erst wieder in der neuen Saison eine Verpflichtung eingehen", war damals vom Coach zu erfahren. "Wir sind uns relativ schnell einig geworden", sagte jetzt VfL-Manager Peter Pander. "Ich hätte das zwar lieber in der nächsten Saison gemacht, aber wenn es nicht anders geht, muss man es eben eher machen", begründete Gerets in einem Interview mit "Sport1" seinen Sinneswandel.
Nach einer kurzfristig einberufenen Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrats war Röber heute Vormittag offiziell beurlaubt worden. Damit reagierte Wolfsburg auf die anhaltende sportliche Talfahrt, die ihren vorläufigen Höhepunkt am Samstag in einem 1:5 (1:3)-Heimdebakel gegen den VfB Stuttgart gefunden hatte. Als Tabellenelfter trennen Wolfsburg sieben Spieltage vor Saisonende nur fünf Punkte von einem Abstiegsplatz. Röbers Vertrag lief bis zum 30. Juni 2006.
"So konnte es nicht weitergehen. 13 Punkte aus den vergangenen 16 Spielen sind zu wenig. Dieser Wert war für alle beängstigend", begründete der VfL-Manager Peter Pander die Trennung. Die Wolfsburger Abwehr ist mit 56 Gegentreffern die schwächste der ganzen Liga. "Ich habe keine Abstiegsangst, bin mir aber der schwierigen Situation bewusst", sagte Pander. Vor Beginn dieser Saison hatte der VfL Wolfsburg einen Platz im internationalen Wettbewerb als Ziel ausgegeben.
Mit Röber, der eine Abfindung in Höhe von rund einer Million Euro erhalten soll, muss auch Co-Trainer Bernd Storck den Verein verlassen. Das Training heute Vormittag wurde von Torwart-Coach Jörg Hoßbach geleitet. Die Trennung von Röber hatte sich bereits am Samstag angedeutet. "Zum Trainer sage ich nichts. Wir müssen dieses Spiel zunächst einen Tag sacken lassen", hatte Pander erklärt, "mit dieser Niederlage ist der Karren in den Dreck gefahren. Es gilt, ihn da wieder herauszuholen, und jeder kann sicher sein, dass ich weiß, wie wir das bewerkstelligen."
Achter vorzeitiger Trainerwechsel dieser Saison
Röber hatte das Traineramt in Wolfsburg am 4. März 2003 als Nachfolger von Wolfgang Wolf angetreten und einen Vertrag bis 2006 erhalten. Während seiner exakt 13-monatigen Tätigkeit hatte der VfL als Achter der vergangenen Saison den UI-Cup erreicht. Nach Abschluss der Hinrunde hatte der VfL noch auf Platz sieben gelegen, doch dann folgten dieses Jahr acht Niederlagen in zehn Bundesliga-Spielen.
Röber trainierte in der Bundesliga zuvor den VfB Stuttgart (Dezember 1993 bis April 1995) und Hertha BSC Berlin (Januar 1996 bis Februar 2002). In seiner aktiven Laufbahn brachte er es auf 303 Bundesligaeinsätze für Werder Bremen, Bayern München und Bayer Leverkusen.
Die Trennung von Röber ist der 276. vorzeitige Trainerwechsel seit der Bundesliga-Gründung 1963 und der achte in der laufenden Saison. Vor ihm mussten bereits Ralf Rangnick (Hannover), Gerets (Kaiserslautern), Stevens (Berlin), Ewald Lienen (Mönchengladbach), Kurt Jara (Hamburg) und Friedhelm Funkel (Köln) ihren Posten räumen. Zudem warf Armin Veh bei Hansa Rostock freiwillig das Handtuch.