Zidane-Interview "Nicht ich, sondern Barthez"
Zinedine Zidane, wie beurteilen Sie eine Stunde nach dem Abpfiff dieses Spiel?
Zinedine Zidane:
Das war ein Spiel für die Geschichte. Solch ein Match hatte ich nicht erwartet. Wir hatten keine Angst vor England, aber das Spiel war wirklich nicht leicht. So noch zu gewinnen zeigt, dass man sich nicht geschlagen geben darf, so lange der Schiedsrichter nicht abgepfiffen hat. Es gab ja auch in der regulären Spielzeit schon einige Chancen, die uns zeigten, dass ein Tor immer möglich war.
Wieder einmal waren Sie der Matchwinner.
Zidane: Nein, nein. Nicht ich bin der Matchwinner, sondern Fabien Barthez. Als er den Elfmeter gehalten hatte, waren wir wieder zurück im Spiel. Und Matchwinner war natürlich auch Thierry Henry, der so energisch dem Ball nachsetzte, dass er den Elfmeter für uns provozierte.
Haben Sie je schon solch ein Wechselbad der Gefühle erlebt?
Zidane: Es war nicht das aufregendste Spiel meiner Karriere. Ich habe solche emotionalen Berg- und Talfahrten schon mehrfach erlebt. Bei der EM 2000, zum Beispiel, im Halbfinale gegen Portugal, als einem Portugiesen in der Verlängerung ein Handspiel unterlief. Damals habe ich auch den Elfmeter geschossen, und weil es damals noch das "Golden Goal" gab, standen wir im Endspiel - und das wurde dann ja auch durch "Golden Goal" entschieden.
Sie haben ja auch 1998 im WM-Finale zwei Tore geschossen. Welche Treffer bewerten sie höher?
Zidane: Die beiden Tore diesmal sind eindeutig wichtiger als die beiden Treffer im WM-Finale, denn diese beiden Tore rissen das Steuer noch einmal herum. Mathematisch hatten wir ja schon verloren. Statt in Selbstzweifel zu verfallen gehen wir jetzt mit viel Selbstvertrauen in die nächsten Spiele, und das ist ganz wichtig.
Die Fragen stellte Rainer Kalb (sid)