Zum Tod von Junior Malanda: Der gute Geist - DER SPIEGEL
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Fußballprofi Junior Malanda: Tod mit 20 Jahren bei Autounfall

Foto: Joachim Sielski/ Bongarts/Getty Images

Verunglückter Wolfsburg-Profi Malanda Der gute Geist

Der Schock über den Unfalltod des Wolfsburger Fußballers Junior Malanda sitzt tief. Seine Mannschaft bricht dennoch zum Trainingslager auf - auch um mit der schrecklichen Nachricht besser umgehen zu können.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Trainingslager in Südafrika sollte den Spielern des VfL Wolfsburg noch einmal Schwung für die Bundesligarückrunde geben, sie wollten den nassgrauen Winter in Deutschland viele Tausend Kilometer hinter sich lassen. Doch wenn die Fußballer am Sonntagabend in Braunschweig in den Flieger steigen, werden sie nicht an die Sonne denken, die sie erwartet, nicht an die Arbeit, die vor ihnen liegt. Ihre Gedanken werden bei Junior Malanda sein, der eigentlich auch im Flugzeug sitzen sollte. Seit Samstagnachmittag lebt er nicht mehr.

Der 20-Jährige ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen - auf dem Weg zum ursprünglich geplanten Abflug ins Trainingslager. Kurz hatte die Mannschaft überlegt, die Reise ganz abzusagen, am Sonntagvormittag beschloss sie dann in einem 40-minütigen Gespräch, dass sie doch fliegen wolle.

"Das war keine leichte, aber wir denken, die absolut richtige Entscheidung. Das wäre auch im Sinne von Junior gewesen. Wir werden versuchen, das Trainingslager professionell zu absolvieren", sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs. Die Mannschaft sei "in einem fürchterlichen Zustand" gewesen, nachdem man ihnen die Nachricht vom Tod überbracht hatte. "Sie waren total am Boden zerstört." Ein Psychologe wird die Spieler in den kommenden Tagen betreuen.

Eines der größten Fußballtalente Belgiens

Der junge Belgier hinterlasse eine große Lücke, sagte Dieter Hecking am Tag nach dem Unglück unter Tränen, der Trainer hatte Mühe, seine Sätze zu Ende zu bringen. "Es fällt mir nicht leicht, für Mannschaft und Trainer zu sprechen. Aber ich glaube, es ist richtig, aus Wolfsburg wegzugehen, damit wir nicht jeden Tag daran erinnert werden."

Malanda sei der "der gute Geist der Mannschaft" gewesen, sagte Allofs, ein "Sympathieträger". Der Belgier war fast immer gut gelaunt, lockerte die Stimmung mit seinen Witzen auf, kümmerte sich um seine Mitspieler. Als lebenslustig und warmherzig beschreiben ihn diese: "Dein Herz war außergewöhnlich", schrieb Nicklas Bendter auf Twitter.

kicker.tv

Malanda galt als eines der größten Fußballtalente Belgiens. Der Sohn ghanaischer Einwanderer wurde am 28. August 1994 in Brüssel geboren und begann in der Jugendabteilung des RSC Anderlecht mit dem Fußballspielen. Als Zwölfjähriger wechselte Malanda zum französischen OSC Lille, fünf Jahre später kam er zurück nach Belgien, wo ihn der SV Zulte Wagerem unter Vertrag nahm. Dort fiel er VfL-Manager Allofs auf, der ihn zur Saison 2013/2014 verpflichtete.

Insgesamt 17-mal stand er in der Bundesliga auf dem Rasen und erzielte dabei zwei Tore. In dieser Saison kam er nur zehnmal zum Einsatz, auch weil es im defensiven Mittelfeld der Wolfsburger mit Luiz Gustavo, Joshua Guilavogui oder Maximiilan Arnold viel Konkurrenz gab. Doch, da war man sich beim VfL sicher: Malandas starker Antritt und seine Motivation würden ihm in naher Zukunft einen Stammplatz beim Tabellenzweiten ermöglichen.

Termin der Beerdigung steht noch nicht fest

Malanda durchlief sämtliche Jugend-Auswahlmannschaften seines Landes, mit der belgischen U21 bestritt er unter anderem sechs Länderspiele in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2015.

Auch Belgiens Nationaltrainer Marc Wilmots hatte das Talent längst im Blick, Malanda stand bereits im Frühjahr kurz vor dem Debüt in der A-Nationalmannschaft und hätte vielleicht sogar noch einen Platz im WM-Team bekommen. Doch dann verletzte er sich im DFB-Pokal-Halbfinale bei Borussia Dortmund (0:2) am Knie so schwer, dass er eine längere Pause einlegen musste.

Die körperliche Präsenz und der große Wille des defensiven Mittelfeldspielers beeindruckten Gegner wie Mitspieler, manchmal machte ihm sein Übermut aber auch Probleme: Im ersten Saisonspiel gegen den FC Bayern (1:2) schob Malanda den Ball aus einem Meter am Tor vorbei - es wäre der Ausgleich gewesen -, eine Woche später gegen Eintracht Frankfurt schoss er ihn sich vom rechten an den linken Fuß, anstatt ihn aus vier Metern ins leere Tor zu befördern. Viele lachten damals über ihn, und Malanda lachte einfach mit.

Noch steht nicht fest, wann die Beerdigung stattfinden wird, da die Mannschaft dabei sein soll; womöglich wird sie dafür früher aus Südafrika zurückkehren. Bis dahin werden Malandas frühere Mannschaftskollegen versuchen, ihren Job so gut wie möglich zu machen, versprach Allofs: "Das ist das Letzte, was wir für Junior tun können. Er wollte mit uns Titel gewinnen."

Mit Material von dpa und sid