Zwanzigers Aufstieg: Der DFB-Westerwelle - DER SPIEGEL
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Uefa-Kongress: Zwanzigers Aufstieg

Foto: Arne Dedert/ dpa

Zwanzigers Aufstieg Der DFB-Westerwelle

Theo Zwanziger ist im Fußball-Olymp angekommen: Der Chef des Deutschen Fußball-Bundes wird an diesem Dienstag in den Führungszirkel des Weltverbandes Fifa gewählt. Der 65-Jährige gehört künftig zu jenem erlauchten Kreis, der über die WM-Vergaben entscheidet.
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Zur Vorbereitung auf seinen wichtigsten Karrieresprung hat Theo Zwanziger offenbar den "Tatort" geguckt. In dem Krimi am vergangenen Sonntag ging es um schwule Fußballer - für den DFB-Präsidenten ist so etwas eine Steilvorlage, sich flugs zu Wort zu melden. Der Verband, so Zwanziger, werde sämtliche denkbare Unterstützung gewähren, "wenn sich ein Bundesligaspieler outen würde". Mit dem Organisieren von Unterstützung kennt sich Zwanziger schließlich bestens aus. Wenn er am Dienstag auf dem Uefa-Kongress in Paris zum einzigen deutschen Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees gewählt wird, dann hat er sich die Rückendeckung des europäischen Verbandes für seine Wahl längst gesichert.

Zwanziger ist schon immer ein umtriebiger DFB-Funktionär gewesen, vernetzt mit der Politik, mit Kontakten in soziale und kulturelle Kreise. Mit dem Fifa-Amt als Nachfolger des ausscheidenden Franz Beckenbauer betritt der 65-Jährige dennoch eine neue Dimension. Das Exekutivkomitee mit seinen derzeit 22 Mitgliedern ist der Innere Kreis der Fifa, so eine Art Tafelrunde des Weltfußballs. Zwanziger ist damit ab Dienstag quasi der Außenminister des deutschen Fußballs.

Und er ist jetzt auch einer derjenigen, die über die künftigen Vergaben der Weltmeisterschaften entscheiden. Die Wahl der Ausrichter Russland 2018 und Katar 2022 mit all den im Raum stehenden Korruptionsvorwürfen hat eindrücklich bewiesen, welch heikle Aufgabe dies ist. Für die Kritiker war die Doppelvergabe der schlagende Beweis, dass es der Fifa nur noch ums Geld gehe.

In mehreren Interviews hat der DFB-Chef quasi als Entrée für sein neues Amt die Vorwürfe relativiert. "Wer wie die Fifa ein Großereignis wie eine Fußball-Weltmeisterschaft als Haupteinnahmequelle hat, muss natürlich ein Interesse daran haben, diese so gut wie möglich zu vermarkten", sagt er zum umstrittenen Geschäftsgebaren des Weltverbandes. Ohnehin habe er "die Fifa-Verantwortlichen und Präsident Joseph Blatter nie so erlebt, wie sie zum Teil in den Medien beschrieben werden".

Wahlkampf um den Fifa-Vorsitz beginnt ab sofort

Zwanziger tritt sein neues Amt in einer Zeit an, in der es in der Fifa unruhig geworden ist. Asiens Fußballchef Mohammed Bin Hammam aus dem Emirat Katar hat in der Vorwoche seine Bewerbung für das Amt des Weltverbandsbosses bekanntgegeben. Blatter, der seine vierte Amtszeit anstrebt, hat damit einen ernsthaften und einflussreichen Gegenkandidaten erhalten. Es ist ein gewisses Paradoxon, dass der 75-jährige Blatter zunächst eine Menge getan hat, hinter den Kulissen das Katar-Votum für 2022 zu organisieren, um anschließend aus genau demselben Emirat eine Gegenkandidatur zu erhalten.

Gewählt wird der neue Fifa-Vorsitzende beim Kongress am 1. Juni in Zürich - beim Uefa-Treffen in Paris dürfte der Wahlkampf bereits losgehen: Sowohl Blatter als auch Bin Hammam sind in Paris zugegen, sie werden damit beginnen, ihre Verbündeten hinter sich zu sammeln. Beide gelten als äußerst begabte Netzwerker und Strippenzieher. Das wird auch den Uefa-Kongress beeinflussen. Beckenbauer hat schon die Befürchtung geäußert, die Kampfabstimmung könne zu einer "Spaltung im europäischen Fußball führen".

Unangefochten davon dürfte die Wiederwahl von Uefa-Präsident Michael Platini sein. Der Franzose, der 2007 in Düsseldorf als Nachfolger des Schweden Lennart Johansson an die Spitze des europäischen Fußballs getreten ist, hat bisher wenig Angriffsfläche für Kritiker gegeben. Der 55-jährige frühere Weltklassefußballer versteht es relativ geschickt, als Verfechter des reinen Fußballs gegen eine zu starke Kommerzialisierung aufzutreten. Das Instrument des "Financial Fair Play", mit dem die Uefa gegen Überschuldung von Clubs und überteure Transfersummen vorgehen will, geht auf Platinis Initiative zurück.

Für solche Maßnahmen hat der Franzose die Unterstützung vor allem der kleineren Verbände sicher und baut damit auch seine eigene Machtbasis aus. Auch Platini sind immer wieder Ambitionen auf das Amt des Fifa-Bosses nachgesagt worden. Er hat dies bisher zumindest offiziell stets zurückgewiesen und eine europäische Kampfkandidatur gegen Blatter vermieden. Falls Bin Hammam allerdings Fifa-Chef werden sollte, spricht vieles dafür, dass Platini ein paar Jahre später dessen Nachfolge antreten könnte. Seine Uefa-Wiederwahl in Paris ohne einen Gegenbewerber ist jedenfalls nur eine Formsache.

Zwanziger ist voll des Lobes für den Uefa-Chef. Er habe in seinem Amt bisher "bewundernswerten Mut bewiesen und sich hohe Anerkennung erworben", so Zwanziger, der pflichtgemäß auch die Verdienste sowohl Platinis als auch Blatters um den Frauenfußball hervorhob - schließlich gilt dem Frauenfußball Zwanzigers besonderes Augenmerk.

Am 19. Juni, eine Woche vor Eröffnung der Frauen-WM, wird übrigens wieder ein "Tatort" im Fußball-Milieu ausgestrahlt. In einer Nebenrolle: Theo Zwanziger.

Mit Material von sid und dpa