Fußballer oder Affen
Keine Angst haben die Trikot-Sponsoren der Fußball-Bundesliga vor einer Überfremdung ihrer Werbeträger. Bei einer SPIEGEL-Umfrage unter den 17 in der obersten deutschen Liga mit insgesamt 45,3 Millionen Mark involvierten Firmen lehnten lediglich Würstchen-Verkäufer Böklunder (St. Pauli) und die Kärcher AG (Schalke 04) die Aufhebung der Ausländer-Begrenzung rundweg ab. Für Kärcher soll »Fußball eine nationale Sache sein«, sagt Vertriebsgeschäftsführer Artur Schneider. Ausländische Profis seien allenfalls »als vereinzelte Farbtupfer« akzeptabel.
Ronald Verner, PR-Abteilungsleiter bei Böklunder, befürchtet »fatale Auswirkungen auf unsere Werbewirksamkeit« und will sogar prüfen, ob der bis 1997 geschlossene Vertrag noch wirksam ist. Ausgerechnet bei dem Klub, dessen Fans in der Vergangenheit häufig gegen Ausländer-Ressentiments mobil gemacht haben, erwartet Verner eine »nachlassende Identifikation« mit einer »in Europa zusammengekauften Legionärstruppe«. Eine multi-kulturell ausgerichtete Personalpolitik des Kiezklubs würde, so Verner, »den Werbeträger St. Pauli zerstören«.
Die übrigen Sponsoren aber stehen wie Edgar Gleinser, Marketing-Vorstand der Münchner Löwenbräu, »mit allen Konsequenzen zu Europa«. Horst P. Borghs, Vorstandsmitglied beim FC-Bayern-Sponsor Opel, mag keine »nationalen Sandkästen mehr aufbauen«.
Gelassen setzen die Unternehmen auf die Selbstregulierungskräfte des Marktes. »Die Vereine«, sagt Hyundai-Sprecher Stefan Gaul, »werden selber wissen, mit wieviel ausländischen Spielern sie die Identifikationsfähigkeit ihrer Zuschauer strapazieren können.« Jürgen von Einem, Sportbeauftragter der Bayer AG, hält »ein Verhältnis von 50:50 für zuschauerverträglich«.
Rainer Pidun, Kommunikationsmanager bei Oki, sieht dagegen schon heute den Fußball in Deutschland »von Ausländern geprägt. Dem Fan ist es gleichgültig, ob zwei, drei oder acht spielen«. Auch Sigrid Baum vom Bierbrauer Diebels glaubt, daß der Fan »jede erfolgreiche Mannschaft akzeptiert, egal wie sie zusammengesetzt ist«.
Gänzlich unbeeindruckt läßt die Problematik Wolfgang Grupp, Inhaber des Trikotherstellers Trigema und mit 800 000 Mark für den KFC Uerdingen Kleinstanbieter der Liga. Ihm sei »völlig egal, ob da elf Fußballer oder elf Affen rumlaufen«.