Schach-WM: Ist Schach ein Kampfsport? - DER SPIEGEL
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Gut zu wissen Ist Schach ein Kampfsport?

• aus DER SPIEGEL 17/2023
Schachspieler Ding
Schachspieler Ding

Schachspieler Ding

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Grigory Sysoev / IMAGO

Wer Schachweltmeisterschaften verfolgt, die gerade in Kasachstan laufende beispielsweise, sieht in der Regel zwei Männer friedlich vor einem Schachbrett sitzen, in Gedanken versunken. Doch das täuscht. Beim Schach geht es nicht nur darum, Züge vorauszuberechnen und seinen Gegner in die Enge zu treiben. Häufig arten die Duelle zu Nervenschlachten aus. Nicht selten helfen Psychotricks. Es geht darum, die Konzentration des Kontrahenten zu stören, ihn zu überraschen oder zu irritieren. »Das Verhalten am Brett hat einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang einer Partie«, sagt Großmeister Niclas Huschenbeth, einer der besten deutschen Spieler, der als Schachtrainer arbeitet und ein Psychologiestudium absolviert hat: »Es ist ein wenig wie beim Pokern.«

Aus: DER SPIEGEL 17/2023

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Nervenaufreibend ist so ein Spitzenduell allein dadurch, dass es sich über Wochen hinzieht. Ding Liren, ein Chinese, und Jan Nepomnjaschtschi, ein Russe, spielen in Kasachstan bis zu 15 mitunter stundenlange Partien.

Es komme darauf an, sagt Huschenbeth, sich vollständig auf sein Spiel zu konzentrieren und eine optimistische Einstellung zu entwickeln. Vor allem dürfe man nie eine Partie zu früh verloren geben.

Ding (l.) und Nepomnjaschtschi bei der Schachweltmeisterschaft in Astana in der vergangenen Woche

Ding (l.) und Nepomnjaschtschi bei der Schachweltmeisterschaft in Astana in der vergangenen Woche

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IMAGO/Grigory Sysoev / IMAGO/SNA

Für Fabiano Caruana, der 2018 um den WM-Titel spielte, ist Schach sogar eine Art Kampfsport. »Es ist ähnlich wie Boxen oder Mixed Martial Arts. Es ist ein Duell Schlag auf Schlag, in dem wir beide versuchen werden, die Oberhand zu gewinnen und unseren Willen dem anderen aufzudrängen«, sagte er damals.

Laut Schachreglement ist es verboten, den Gegner abzulenken oder zu stören. Trotzdem lässt sich so etwas bei beinahe jedem Turnier beobachten. Die Bandbreite reicht von Anstarren und Grimassenschneiden bis zu räuspern, husten und unentwegtem Wippen mit den Beinen. Auch ständig mit geschlagenen Figuren in der Hand herumzuspielen kann den Gegner zermürben. Als besonders frech gilt es, am Turniertisch zu essen oder zu trinken.

Schon beim Training junger Spielerinnen und Spieler geht es längst nicht nur um Spielzüge und Erfolg versprechende Varianten, sondern auch darum, wie der Gegner mit legalen Mitteln verwirrt werden kann, erklärt Heiko Spaan, Ausbildungsreferent beim Deutschen Schachbund . »Während der Partie mal aufzustehen ist durchaus erlaubt.« Wichtig sei auch, stets das gesamte Brett im Blick zu behalten, damit der Kontrahent nicht an den Augen ablesen könne, worauf man sich konzentriere.

mif
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