Langer Schlag - DER SPIEGEL
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BOOTE / AUSSTELLUNG Langer Schlag

• aus DER SPIEGEL 4/1967
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bis zum letzten Herbst schwammen die Bootsbauer mit der Flut der Wohlstandswoge. Sie verführten bundesdeutsche Freizeit-Kapitäne erfolgreich nach dem Verkaufsprinzip: größer, teurer, komfortabler. Vor der Finanz-Ebbe mußten nun auch sie zurückweichen. Für die nächste Saison bieten sie vor allem billige und bescheidene Boote an.

Im letzten Jahr kostete der 16,61 Meter lange holländische Motorsegler »Lady Lisse«, das aufwendigste Schiff der Hamburger Bootsschau, der bedeutendsten zivilen Flottenparade in der Bundesrepublik, 400 000 Mark. Auf der diesjährigen 7, Internationalen Deutschen Boots-Ausstellung, die am Donnerstag in Hamburg eröffnet wird; ist das teuerste Boot (die 12,5 Meter lange US-Motorjacht »Hatteras") schon für 211 000 Mark zu haben.

Bis 1966 war die Zahl der ausgestellten Luxus-Jachten zu Preisen um und über 100 000 Mark auf 65 angestiegen.

Dieses Jahr zeigen die Aussteller aus 23 Ländern in Hamburg nur noch 30 Motorjachten der teuersten Preisklasse. Statt dessen bockten die Verkäufer mehr kleinere Boote im Messe-Park »Planten un Blomen« auf, insgesamt 800 (1966: 700).

Seit der Bootsboom die Bundesrepublik erreicht hatte, war die 1961 eingerichtete Hamburger Bootsschau zu einer immer lohnenderen Verkaufs-Messe gediehen. Nach Managern und Industriellen verschafften sich auch Ärzte, Anwälte, Steuerberater und Kaufleute »Prestige auf dem Wasser« (Werbeslogan der italienischen Bootsfirma Riva) für Summen bis zu 200 000 Mark. Ein Kunde entschloß sich innerhalb einer halben Stunde zum Kauf einer 30 000-Mark-Jacht. Den Preis blätterte er aus einer Aktentasche bar auf die Boots-Back.

Noch vor einem Jahr wurde die Luxus-Lady Lisse aus Holland zweimal abgesetzt. Die holländische Motorjacht »Ameril« (Preis: 27 600 Mark) fand elf Käufer. Der Hamburger Importeur Henry Reese setzte bei der Ausstellung 1966 vier amerikanische Martin-Jachten zu Preisen zwischen 98 000 und 118 000 Mark ab. Doch schon bei den trendbestimmenden Ausstellungen der internationalen Wassersport -- Branche, in London und Paris zu Anfang des letzten Jahres, kündigte sich der Konjunkturwechsel an:

Besonders in Frankreich stauten sich Tausende von unverkauften Booten. Viele deutsche Bootsbauer testeten auf der »Interboot« in Friedrichshafen im Oktober 1966, »ob sich der lange Schlag nach Hamburg herauf lohnt«, wie die Fachzeitschrift »Yacht« schrieb. »Manche wagen ihn nicht mehr.«

So verzichtete der deutsche Importeur der Lady Lisse und der Striker-Jachten (Preis: bis zu 185 000 Mark) für dieses Jahr auf seinen Stand. In den letzten zwei Jahren hatte er insgesamt 120 000 Mark in .die Hamburger Bootsschau investiert. Auch der deutsche Bootsimporteur Dr. Oskar. Trost ("Pacemaker«-Jachten) beanspruchte »für sein Bootsangebot nur noch ein Drittel der Ausstellungsfläche, die er vor einem Jahr (450 Quadratmeter) gemietet hatte. Standgeld und Transport hatten ihn 48 000 Mark gekostet. Die teuersten Jachten zeigt er diesmal nicht.

»Dem Bootsboom sind bei uns Grenzen gesetzt«, glaubt Trost. »Die Bundesrepublik hat weniger geeignete Küste als der norwegische Oslo-Fjord.« Viele Gewässer sind zudem für Motorboote und Wasserski gesperrt. Außerdem befürchtet zahlreiche Motorboot-Freizeitler, daß in absehbarer Zeit die Führerschein-Pflicht eingeführt wird.

Dagegen ist auf Bundes-Gewässern noch Raum für kleinere Sportboote. So umwirbt die Bootsbranche anstelle der besonders konjunkturempfindlichen Prestige-Kunden um so intensiver die sportlichen Freizeit-Schiffer.

Bis 1966 zeigten die Aussteller nur zu 30 Prozent Segeljollen und -jachten. In diesem Jahr bieten sie in Hamburg erstmals zur Hälfte Segelboote -- großenteils in mittlerer Preislage -- an. Jedes zweite Boot der Hamburger Schau kostet zwischen 6000 und 10 000 Mark und kann als Selbstlader auf dem Wagendach oder auf Trailern (20 Aussteller-Firmen) transportiert werden. Viele Werften lichteten zudem ihre Typenvielfalt und konzentrierten sich. auf erfolgreiche Sportboote.

So spezialisierte sich die Kölner Bootswerft Westphal vor allem auf Segelboote vom Typ »Zugvogel« (Preis: ab 5600 Mark), von denen in der Bundesrepublik schon ungefähr 1300 registriert worden sind. Die größte Auflage erreichte die bayrische Atlanta-Werft mit ihrer Jolle »Koralle« (Preis: ab 1695 Mark), von der mehr als 5000 Stück verkauft wurden. Auf dem Sektor der kleineren Sportboote rechnete sich die Bootsbranche sogar größere Chancen als bisher aus. 19 Handwerksbetriebe reisten erstmals in Hamburg an.

Mit günstigen Angeboten sollen vor allem geschickte Bastler auf das Wasser gelockt werden. Etwa 30 Modelle werden als Boots-Baukästen zur Heimarbeit angeboten, aber auch größere Serien-Jachten können in Einzelteilen zur Do-it-yourself-Fertigstellung erworben werden. Der Seekreuzer »Fähnrich« der Lübecker Werft Muffier kostet fertig beispielsweise bis zu 41 200 Mark. Wer Bootsrumpf und Deck selber zusammenzufügen und auszubauen vermag, kommt schon mit 15 000 Mark aus. Die Bootspreise waren von 1965 auf 1966 noch um fünf Prozent (Kunststoff-Boote) und zwölf Prozent (Holzboote) geklettert. Bis zu diesem Jahr erhöhten sie sich wegen der angespannten Wirtschaftslage nur in Einzelfällen spürbar.

Um 100 Mark teurer wurde allerdings das billigste Boot. Die 2,31 Meter lange Jolle kostet in diesem Jahr mindestens 600 Mark. Name: Optimist.

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