KRAWALLE »Logische Konsequenz«
SPIEGEL: Nach dem tödlichen Schuss eines Polizisten auf einen Anhänger von Lazio Rom auf einer Autobahnraststätte bei Arezzo lieferten sich Fans am Sonntag vor einer Woche heftige Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Wie kann man die Gewalt rund um den italienischen Fußball stoppen?
Green: Wir werben schon seit Jahren für Fan-Projekte, wie es sie in Deutschland gibt. Wir brauchen Sozialarbeiter, um die Spannungen zwischen Fans und den Autoritäten zu mildern. Der tödliche Schuss auf Gabriele Sandri war für viele Anhänger die logische Konsequenz aus dem sonstigen Verhalten der Polizei den Fans gegenüber.
SPIEGEL: Warum gibt es keine Sozialarbeiter?
Green: Das Innenministerium wollte uns nicht anhören.
SPIEGEL: Warum haben Fans nach der Tötung des Lazio-Tifoso für Spielabbrüche gesorgt und Polizeistationen angegriffen?
Green: Man muss unterscheiden. In den Stadien von Bergamo und Tarent wollten die Anhänger durchsetzen, dass beim Tod eines Fans nicht einfach weitergespielt wird. In Rom gingen nicht nur Fans auf die Straße. Dort vermischten sich organisierte Attacken von Ultras mit einer Art von Krawallen, die eher denen in den französischen Banlieues ähnelten.
SPIEGEL: Ist es angemessen, dass die Staatsanwaltschaft die Gewalttäter wegen »terroristischer Aktionen« angeklagt hat?
Green: Das ist absurd, es will doch niemand von ihnen den Staat stürzen. Auch Gesetze gibt es genug, nur werden sie nicht angewandt. Es gibt in italienischen Stadien keine Rechtssicherheit. Verhaftungen und Verbote werden meistens willkürlich ausgesprochen.