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HANDBALL Mit links

Linkshänder warfen bei der Handball-Weltmeisterschaft die meisten Tore. Drei linkshändige Torjäger schossen die Bundes-Equipe ins Endspiel.
• aus DER SPIEGEL 6/1978
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Gebt mir wenigstens den linken Arm vom Klühspies zur Weltmeisterschaft nach Dänemark mit«, forderte Handball-Bundestrainer Vlado Stenzel einen Linkshänder an.

Kurt Klühspies aus Großwallstadt sollte im Februar seine Industrie-Meisterprüfung in Wetzlar ablegen. Die Handball-Funktionäre erwirkten einen Prüfungstermin bereits im Januar. Stenzel zog mit Klühspies im 16köpfigen Bundesaufgebot zur Weltmeisterschaft.

Linkshänder Klühspies warf letzten Dienstag im Spiel gegen die DDR fünf Tore. Dadurch gelang den Stenzel-Spielern in der Schlußphase noch ein 14:14. Bester DDR-Schütze war ebenfalts ein Linkshänder: Der Rostocker Wolfgang Böhme schoß vier Tore.

.Wir brauchen genauso viele Linkshänder wie Rechtshänder«, erklärt DDR-Trainer Paul Tiedemann einen Personalmangel. Unter den Stammspielern besitzt er derzeit nur zwei. Sieben Athleten dürfen im Spiel auf dem Platz sein. Gegen Frankreich schoß Linkshänder Böhme zehn Tore für die DDR. Arnulf Meffle, Stenzels zweiter Linkshänder, erzielte beim 18:13-Sieg der Bundes-Equipe über Jugoslawien sieben Tore.

Zweimal hatte Rumänien die Weltmeisterschaft gewonnen, als ein Linkshänder der Spielmacher war: Gheorge Gruia. Jetzt traten die Rumänen ohne den zu alt gewordenen Gruia an und verloren gegen die DDR und Jugoslawien.

»Für die Synchronität und Symmetrie des Spiels, für das Ausnutzen des ganzen Spielfeldes«, erklärt Rumäniens Trainer Nicolae Nedef, »sind Linkshänder ebenso wichtig wie für den Torschuß.« Auch der erfolgreichste Stürmer der Polen, die 1976 beim Olympia die Bronzemedaille gewonnen hatten, wirft links: Jerzy Klempel.

Während allgemein fünf Prozent aller Menschen Linkshänder sind, sieben Sporttrainer linkshändige Athleten immer häufiger aus.

Der jugoslawische Handball-Bundestrainer Vlado Stenzel studierte rund 60 Spielzüge für das WM-Turnier in Dänemark ein. Linkshänder Klühspies tauchte auf fast jeder taktischen Zeichnung Stenzels auf; meist allerdings falsch geschrieben: Klüspis.

Arnulf Meffle, mit 21 Jahren jüngster Spieler, erhöhte in Stenzels Planspielen noch die Überraschungsmomente. Meffle schoß nicht nur Tore. sondern unterbrach mit der linken Hand häufig erfolgreich Angriffe des Gegners. Drei seiner sieben Tore gegen Jugoslawien erzielte er bei Tempogegenstößen, nachdem er Angreifern die Bälle entwunden hatte.

»Man kennt als Torwart zwar die Linkshänder in jeder Mannschaft«, erklärt der bundesdeutsche Nationaltorwart Rudi Rauer. »Dennoch irritieren ihre Würfe mehr, weil wohl die Schrecksekunde des Torwarts verdoppelt wird.« Der zweite Linkshänder der DDR, Günter Dreibrodt aus Magdeburg, schreibt nur mit der rechten Hand, wie sein Mannschaftskapitän Böhme. »Den Löffel beim Essen und das Werkzeug bei der Arbeit fasse ich, wie den Ball, links an«, sagt Staatsamateur Böhme.

Ohne Linkshänder wie Klühspies und Meffle, so glaubt Stenzel, wären die bundesdeutschen Erfolge gegen die »Supermaschinen des Ostblocks« kaum möglich gewesen.

Während Stenzel, er spielte früher rechtshändig. weitere Linkshänder bereits notiert hat, moniert DDR-Trainer Tiedemann: »Es gab eine Zeit, da hatten wir sechs Linkshänder im Nationalmannschaftsaufgebot, jetzt verfügen wir über drei, vier maximal.« Stenzel beförderte schon den nächsten »linkshändigen Banditen« zum Stammspieler in der Bundes-Equipe: Gerd Rosendahl vom OSC Rheinhausen.

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