Paul Lim bei der Darts-WM: Wie ein 67-Jähriger Geschichte schreibt - DER SPIEGEL
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Paul Lim bei der WM Wie ein 67-Jähriger die Darts-Welt begeistert

40 Jahre nach seiner ersten Teilnahme hat sich Paul Lim erneut für eine WM qualifiziert. Der Oldie wird von Fans verehrt. Das liegt nicht nur an seinem Alter, sondern auch an einem magischen Moment im Jahr 1990.
Mit 67 Jahren bei der Darts-WM: Paul Lim
Mit 67 Jahren bei der Darts-WM: Paul Lim

Mit 67 Jahren bei der Darts-WM: Paul Lim

Foto: Luke Walker / Getty Images

Nur wenige Darts-Profis genießen den Status einer Legende. Einer von ihnen ist zweifellos Phil Taylor. Der Brite ist mit 16 WM-Titeln der mit Abstand erfolgreichste Spieler der Geschichte, ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass sich der Sport heute großer Beliebtheit erfreut. Auch Eric Bristow und Raymond van Barneveld trugen ihren Teil dazu bei. Doch nicht nur große Erfolge sind Voraussetzung, um in der elitären Liste geführt zu werden.

Paul Lim hat es auch ohne einen WM-Titel geschafft.

Wenn der Singapurer am Abend zu seinem Erstrundenmatch gegen Joe Murnan bei der Darts-WM antritt (20 Uhr, TV: Sport1), ist ihm die Unterstützung des überwiegend britischen Publikums gewiss. Mit 67 Jahren und 326 Tagen ist er der älteste Teilnehmer der WM-Geschichte. Er löst damit den Nordiren John Magowan ab, der vor 13 Jahren nur 124 Tage jünger war. Dass Lim seine Partie gewinnt, gilt als unwahrscheinlich. Doch das dürfte nur wenig an seiner Popularität ändern.

Der als »Singapore Slinger« bekannte Profi hatte sich erst im November bei der Qualifikation in seiner Heimat für die WM qualifiziert – 40 Jahre nach seiner ersten Teilnahme. Lim blickt auf ein bewegtes Leben zurück.

Erster Neun-Darter der WM-Geschichte

1974 war er eigenen Erzählungen zufolge mit nur tausend Pfund in der Tasche nach England gereist, um ein neues Leben zu beginnen. Wenn er nicht gerade Pfeile auf eine Scheibe warf, arbeitete er als Lieferant in einem Möbelhaus, lebte für acht Pfund wöchentlich in einem Bed & Breakfast. Seiner Karriere haben die schwierigen Umstände nicht geschadet.

Auf der Tour trat er zunächst für Papua-Neuguinea und die USA an, weil Singapur lange kein Mitglied der World Darts Federation war. Lim entwickelte sich fortan zum erfolgreichsten Spieler im Elektronischen Darts. Aber Kultstatus erlangte er 1990.

Im Alter von 36 Jahren gelang ihm gegen Jack McKenna das allererste perfekte Spiel (mit neun Darts von 501 auf 0) bei einer Weltmeisterschaft (Sehen Sie hier den Neun-Darter im Video ). Jenes Kunststück vergütete der Verband seinerzeit mit – umgerechnet – fast 60.000 Euro; damit bekam er deutlich mehr als der spätere Sieger Phil Taylor (32.000 Euro).

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Finanzielle Anreize gibt es für Lim, der heute im US-Bundesstaat Kalifornien lebt, nun nicht mehr. »Für mich ist Darts kein Job mehr«, hatte er schon nach seinem Erstrundensieg bei der WM 2018 gesagt. »Wenn ich jemals die Leidenschaft verlieren sollte, gehe ich nur noch angeln und spiele Golf. Aber es ist immer noch aufregend und motiviert mich.«

»Bin ich wirklich 66 Jahre alt?«

Seinen Rücktritt hat Lim noch nicht offiziell verkündet. Doch es gilt als wahrscheinlich, dass er sich in diesem Jahr von seinen Fans in London verabschieden wird. Möglicherweise wird er ein letztes Mal im Alexandra Palace, genannt »Ally Pally«, zu dem Klassiker »Walk of Life« von der Rockband Dire Straits die Bühne betreten. Sein Erstrundengegner, Joe Murnan, liegt in der Weltrangliste auf Rang 94 und damit 226 Plätze vor Lim.

Die Außenseiterrolle kennt er nur zu gut.

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Seit 2001 ist Lim bei einer Weltmeisterschaft nicht mehr über die zweite Runde hinausgekommen. Und dennoch fürchtet ihn die Konkurrenz. Im vergangenen Jahr schlug Lim den 41 Jahre jüngeren Luke Humphries trotz eines 0:2-Satzrückstands. »Bin ich wirklich 66 Jahre alt?«, hatte Lim anschließend in einem TV-Interview scherzhaft gefragt. Ähnliches glückte ihm 2017 gegen den zweimaligen Weltmeister Mark Webster.

Schon vor Lims Auftritt ist klar, dass diese WM in die Geschichtsbücher eingehen wird. Zwischen dem ältesten Teilnehmer, Lim (67), und dem jüngsten, Fabian Schmutzler  (16), der in der ersten Runde ausgeschieden ist, liegen 51 Jahre.

Nie zuvor war der Altersunterschied zwischen zwei Spielern größer.