Schrauben in der Luft - DER SPIEGEL
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TRAMPOLINSPRINGEN Schrauben in der Luft

• aus DER SPIEGEL 36/1966
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nur in einer Nebensparte, die Turnvater Jahn noch nicht einmal kannte, zählen seine deutschen Nachfahren noch zur turnenden Weltspitze: im Trampolinspringen.

Bei den letzten Weltmeisterschaften in Lafayette im US-Staat Louisiana ersprang die vierköpfige deutsche Trampolin-Riege eine silberne und zwei Bronzemedaillen. Bei der Revanche am vergangenen Wochenende in Salzgitter behauptete sie sich im Springen um den »Fahrbach-Schuster-Preis« erneut in der Weltklasse.

Erfolgreicher als die Deutschen sind nur die Amerikaner. Sie hatten das Zirkus- und Varieté-Gerät, das auf einer 4,60 mal 2,75 Meter großen Fläche Luftsprünge bis zu sechs Meter Höhe erlaubt, zuerst nach dem Ersten Weltkrieg zur sportlichen Nachhilfe übernommen. Besonders Wasserspringer, so der US-Olympiasieger im Kunstspringen, Robert Clotworthy, übten Salto und Schraubendrehungen auf dem Trampolin. So sparten sie den zeitraubenden Rückweg aus dem Wasser nach jedem Trainingshüpfer. Auch Skiläufer wie der norwegische Olympiasieger Stein Eriksen stärkten Beinmuskeln und Gleichgewichtssinn systematisch auf dem Luftsprunggerät.

Der frühere amerikanische Stabhochsprung-Weltrekordler Brian Sternberg feilte auf dem Sprungtuch an seiner Technik. Er prallte bei einem doppelten Salto rückwärts aus viereinhalb Meter Höhe auf den metallenen Rahmen, verletzte sich einen Halswirbel und ist seither gelähmt.

Spezialisten entwickelten aus dem Trampolinspringen eine Sportart mit eigenen Meisterschaften. Sie wird zur Zeit von etwa 100 000 organisierten Springern in 13 Ländern betrieben. Die besten vollführen zu einem dreifachen Salto eine volle Drehung um ihre Längsachse, eine sogenannte Schraube. Außer dem Einzelspringen gibt es Wettbewerbe im Synchronspringen für jeweils zwei Partner.

Das erste Trampolin in Deutschland bastelte zu Anfang der fünfziger Jahre der Leipziger Sportlehrer Heinz Braecklein nach Skizzen in einer amerikanischen Fachzeitschrift. An der Leipziger Hochschule für Körperkultur promovierte er mit einer Dissertation über die »Bedeutung des Trockensprunggerätes (Trampolin) als Hilfsmittel für die Grundausbildung und das Training im Wasserspringen« zum Dr. phil.

1957 gründete Braecklein als Dozent in Freiburg das erste Zentrum für den neuen Sport. Die Freiburger Christl Vieweg und Roland Schillinger wurden 1960 die ersten deutschen Meister. Inzwischen üben in der Bundesrepublik 12 000 im Deutschen Turner-Bund organisierte Trampolin-Anhänger auf 11 000 Geräten (Stückpreis: 2500 Mark). Die deutschen Luftkunstspringer sind der raschen Verbreitung ihres Sports sicher. Seit dem vergangenen Jahr hüpft auch die Bundeswehr. Sie führte - wie die US-Streitkräfte - zur Steigerung der Körperbeherrschung das Trampolin ein.

Trampolinmeister Vieweg, Schillinger

Synchron an die Decke

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