Sein Kampf - DER SPIEGEL
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FUSSBALL Sein Kampf

Ein Jahr mußte Fußball-Weltmeister Deutschland ohne den verletzten Jungstar Uli Hoeneß auskommen. Gegen Spanien spielt er wieder.
• aus DER SPIEGEL 17/1976
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Ich nehme ihn«, sagte Bundestrainer Helmut Schön. Rechtzeitig zum Finale der Fußball-Europameisterschaft meldete sich ein Weltmeister von 1974 in die Nationalmannschaft zurück: Uli Hoeneß. »Zuletzt spielte er ein paarmal noch besser als früher«, fand Schön. Kommenden Samstag in Madrid soll Hoeneß gegen Spanien sein 31. Länderspiel bestreiten.

Mit 24 Jahren hat der Stürmer des FC Bayern München bereits erreicht, was vielen Weltstars während einer langen Karriere niemals beschieden war: Einen Weltmeistertitel, eine Europameisterschaft und zweimal den Europacup gewann der Student der Anglistik auf dem Fußballrasen mit. Jahresverdienst: eine halbe Million Mark. Verständlich, daß Hoeneß auch noch Betriebswirtschaft studieren will.

»Ich habe mich immer teuer verkauft und preiswert gekauft«, verrät Hoeneß, Metzgerssohn aus Ulm. Seine Villa in München erstand er von einem Architekten, der pleite war. Als Hoeneß über die Fußball-WM mit seinem Freund und Mannschaftskameraden Paul Breitner ein Buch geschrieben hatte, schlug er außer dem Honorar von 250 000 Mark auch noch 100 000 Mark an Provisionen heraus.

Erst den Hoeneß-Plan. durch private Buchreklame die Verlagswerbung zu unterlaufen und den Eigengewinn weiter zu erhöhen, durchkreuzte der fast schon überspielte Verleger mit einer Klageandrohung. Fortan warb Hoeneß (Autogrammstunden-Honorar: 2000 Mark) für Margarine, Eiscreme und ähnliche Produkte.

Nebenher kurierte Hoeneß ("Jedes Spiel tut weh") einen Leistenbruch und eine Achillessehnenverletzung aus und überstand zwei Meniskusoperationen. »Invalide bin ich aber noch lange nicht«, versicherte er.

Chef Schön bemerkte Veränderungen an dem Nationalstürmer, der ein Jahr pausiert hatte: »Er ist reifer geworden, offensichtlich ein Wandel durch die Verletzungen, er hat über sich nachgedacht.«

Verletzungen riskiert Hoeneß auch weiterhin. »Er ist ja kein Spielgestalter wie Beckenbauer oder Netzer«, erklärt Schön, »sondern eine schnelle Sturmspitze.« Den schnellen Stürmer, der die 100 Meter in 10,9 Sekunden läuft, pflegen Abwehrspieler meist mit gestreckten Beinen zu Fall zu bringen. »Ist er vorbei, fällt meist auch ein Tor«, warnte Real Madrids Trainer Miljanic.

Torgefährlich freilich ist Hoeneß, so weiß Bundestrainer Schön, nur dann, »wenn er kämpft«. Die meisten Trainer prophezeien, daß Hoeneß sein kräfteraubendes Spiel höchstens noch zwei, drei Jahre durchhält.

Ausgerechnet während der letzten Weltmeisterschaft, gerade im Spiel gegen die DDR, das die Bundesdeutschen ihrem sächsischen Trainer zuliebe besonders eindrucksvoll gewinnen wollten, hatte Hoeneß versagt. Die Schön-Spieler verloren 0:1. »Ich war schon in der 18. Minute verletzt worden, ich hätte rausgehen sollen«, gestand Hoeneß. Beim nächsten Spiel saß er auf der Reservebank. »Das war eine Erziehungsmaßnahme«, sagt Schön. »Danach war er wieder stark, weil er kämpfte.«

Das Dasein zwischen Kampf und Kommerz soll nun fortgesetzt werden. »Ich betrachte Fußball nur als Basis«, erklärte Hoeneß zum Schrecken seiner Vorgesetzten. Freund Breitner. 1974 für drei Millionen Mark zu Real Madrid gewechselt, wollte Hoeneß zum Wechsel überreden. Hoeneß kalkulierte bereits das Real-Angebot.

Da überbrachte ein branchenfremder Informant überraschende Kunde aus Madrid. »Paul Breitner will wieder zurück nach München, und am liebsten zum FC Bayern«. meldete Filmregisseur Peter Schamoni. Er hatte in sei-nem Film »Potato-Fritz« Breitner einen US-Sergeanten mimen lassen.

Zur selben Zeit versicherte Hoeneß den Bayern-Chefs: »Ich erfülle meinen bis 1978 laufenden Vertrag.« Hoeneß will nicht wie Breitner in Spanien, wo anders gespielt und trainiert wird, die Anwartschaft auf den Platz in der Nationalmannschaft einbüßen. »1978 bin ich 26«, kalkuliert Hoeneß, »dann kann ich immer noch im Fußball großes Geld verdienen.«

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