TISCHTENNIS Sichere Hand
Wenn Desmond Douglas im Anmeldeformular die Spalte »Beruf« ausfüllt, schreibt er: »Tischtennis-Spieler«. Er hat es als erster Schwarzer in seinem ausgefallenen Beruf zu etwas gebracht.
Sein Klub, der Post SV Borussia Düsseldorf, hat noch kein Punktspiel verloren und steht vor der Deutschen Meisterschaft. Spitzenreiter Douglas, 23, als Kind mit seinen Eltern von Kingston nach Birmingham ausgewandert, siegte dabei in allen seinen bisher 16 Einzel- und neun Doppelspielen.
»Ich kann mich nicht erinnern, daß so etwas schon mal vorgekommen ist«, staunte der frühere Deutsche Meister Hans-Wilhelm Gäb. Das Ford-Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit hat sich gelegentlich auf ein Trainingsspielchen gegen Klubkamerad Douglas eingelassen. Ergebnis: »Grausam, grausam.«
Jungstar Douglas verdient jährlich mehr als 50 000 Mark, viel für seine Branche. Es gibt auf der Welt weit weniger Spieler, die mindestens 30 000 Mark durch ihre Tätigkeit am grünen Tisch verdienen, als Profis in der Fußball-Bundesliga (etwa 370).
Der Tischtennis-Weltverband unterscheidet nicht zwischen Profis und Amateuren. Deshalb bleibt er von Olympischen Spielen ausgeschlossen. Andererseits darf jeder Spieler annehmen -- und quittieren -, was ihm geboten wird.
Douglas bot sich die günstigste Chance in der Bundesliga. In Großbritannien stehen sich Profis fast aller Sportarten schlechter als in der Bundesrepublik. So arbeitete der gelernte Mechaniker Douglas in Birmingham bei einer Busfirma in der Garage, auch nachdem er bei den Jugend-Europameisterschaften 1973 ins Einzel-Finale vorgedrungen und im Mixed Meister geworden war. Nur die japanische Tischtennis-Firma TSP heuerte ihn als Werbeträger für ihren Export nach Großbritannien.
»Gäb und der frühere Vizeweitmeister Eberhard Schüler hatten Douglas lange beobachtet, bevor sie für ihren Klub PSV Düsseldorf 1977 einen Dreijahresvertrag mit ihm abschlossen. Aus den Beiträgen der wichtigsten Klubsponsoren, des Tischtennisartikel-Herstellers Joola und des -Versandgeschäftes Schüler + Mieke, finanzieren die Düsseldorfer ihren Star Douglas.
»Meine Vorteile sind eine gute Reaktion und eine sichere Hand«, gab Linkshänder Douglas an. Er steht dicht an der Platte und prügelt die Bälle unmittelbar nach dem Aufprall zurück.
Die meisten Spieler erwarten den Ball einen Meter oder mehr hinter dem Tisch: Der Tischtennisball erreicht unmittelbar nach dem Schlag 170 km/h; Douglas bleibt am Tisch oft weniger als 1/10 Sekunde Reaktionszeit, halb soviel wie Spielern, die den Ball einen Meter hinter der Platte erwarten, wo sich sein Flug schon verlangsamt hat.
Durch sein Blitzspiel verkürzt Douglas die Vorbereitungszeit seiner Gegner: Ihre Schläge verlieren an Präzision und führen schließlich zu Fehlern.
In der Bundesliga verbesserte Douglas seine Spielstärke so erheblich, daß er bei der Europameisterschaft 1978 vom Außenseiter zur Entdeckung des Turniers aufrückte: In 19 Spielen des Mannschafts-Wettbewerbs siegte er allemal und führte Englands Team auf den zweiten Platz; im Einzel wurde er Dritter. »Die Presse« aus Wien suchte anschließend nach einem »Dompteur für den »Black Panther«.
Seine Klubkameraden führen den Leistungsanstieg aber auch auf die geglückte Eingliederung in ihre Mannschaft zurück. Alle verständigen sich englisch mit ihm. Wegen seines Werbevertrages pendelt er oft zwischen England und Düsseldorf. Zum Deutschlernen langte die Zeit nicht.
Doch sein Düsseldorfer Hotelzimmer benutzt er selten. Gewöhnlich übernachtet er bei Mannschaftskameraden wie Hans-Joachim Nolten. »Dann läßt er sich von Mutter Nolten Stullen schmieren«, berichtete Gäb. »Das mag er.« Als die Mannschaft Gefahr lief, erstmals einen Punktkampf zu verlieren, schrie sich Douglas die Kehle heiser, bis das entscheidende Spiel gewonnen war.
In der Europaliga für Nationalmannschaften spielt Douglas allerdings weiter für England. Da hatten seine deutschen Bundesliga-Gegner keine Chance gegen ihn. Der Bundesequipe droht der Abstieg.