Ali vs. Frazier IV Muhammads Tochter wahrt die Familienehre
Verona - Laila Ali gewann Freitagnacht im "Turning Stone Casino" von Verona, New York, gegen Jacqui Frazier-Lyde nach Punkten. Am Ende der acht Runden à zwei Minuten sahen zwei Ringrichter die 23-Jährige vorn (79:73 bzw. 77:75). Ein Referee wertete den titellosen Kampf im Supermittelgewicht (bis 76,2 Kilogramm) mit 76:76 unentschieden.
Die beiden zuvor ungeschlagenen Gegnerinnen hatten sich vor rund 8000 Zuschauern einen verbissenen Fight geliefert und standen sich meist Fuß an Fuß gegenüber, wobei Ali die technisch bessere Boxerin war. Die 16 Jahre ältere Frazier-Lyde, die in einem schwarzen Lackanzug in den Ring stolziert war und 22 Kilogramm abgespeckt hatte, suchte ihr Heil meist in der Offensive.
Doch die entscheidenden Treffer konnte die promovierte Rechtsanwältin nicht landen. Die erste Niederlage im achten Profikampf war vor den Augen von Papa Frazier ("Ich bin unglaublich stolz auf meine Tochter. Sie hat offensichtlich von mir gelernt, nie aufzugeben") so unvermeidlich.
Vater Ali blieb dem Kampf fern
Auf "The Greatest" warteten die Fans dagegen vergeblich. Der nicht als Anhänger des Frauenboxens bekannte Muhammad Ali hatte sich kurzfristig für einen Auftritt bei einer Veranstaltung des Autorennverbandes NASCAR entschieden.
Seine Tochter, die wie ihre Kontrahentin eine Kampfbörse im siebenstelligen Bereich kassierte und in einem blütenweißen Satin-Overall eingeschwebt war, konnte mit dem Erfolg im zum Prestigeduell hochstilisierten Kampf ihre makellose Bilanz auf zehn Siege ausbauen.
Dritter Sieg der Ali-Familie gegen den Frazier-Clan
Für die Familie Ali war es der dritten Sieg in der Privatfehde mit dem Frazier-Clan. Muhammad Ali hatte Joe Frazier 1974 und 1975 jeweils besiegt. Im ersten der drei legendären Schwergewichtskämpfe war Frazier 1971 erfolgreich gewesen.
"Ich musste alles geben. Jacqui war weitaus stärker als erwartet. Respekt vor ihrer Leistung", sagte Ali. Die Geschlagene fühlte sich als moralische Siegerin. "Noch zwei Runden mehr und ich hätte sie am Boden gehabt. Dieser Sieg ist für alle Frauen meines Alters", meinte die Enddreißigerin und dreifache Mutter Frazier-Lyde, "ich fühle mich fantastisch. Ich habe einen großartigen Fight gezeigt, den von mir sicher kaum einer erwartet hat."
Ali mit Weltmeisterambitionen
Die an Nummer sechs der Weltrangliste notierte Siegerin wollte von einer Revanche nichts wissen. "Ich will einen Weltmeistertitel und werde nun gegen höher platzierte Gegnerinnen kämpfen. Ali gegen Frazier wird definitiv eine einmalige Angelegenheit bleiben", meinte Ali, die früher als Kosmetikerin tätig gewesen war.
Frazier-Lyde, die wie ihre Kontrahentin vor dem Fight große Töne gespuckt hatte, konnte sich allerdings einen letzten Seitenhieb nicht verkneifen. "Sie wollte mich in den Ringstaub schicken. Stattdessen habe ich ihr ordentliche Schmerzen zugefügt. Zumindest wird sie ein paar Tage an mich denken."