14. Etappe: Botero gewinnt die erste Alpenetappe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

14. Etappe Botero gewinnt die erste Alpenetappe

Santiago Botero hat die erste Alpenetappe der 87. Tour de France gewonnen. Der Kolumbianer setzte sich auf dem 14. Teilstück über 249,5 Kilometer von Draguignan nach Briancon souverän durch. Der Träger des Gelben Trikot, Lance Armstrong, konnte seine Spitzenposition problemlos verteidigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Briancon - Auf der Königsetappe hat Lance Armstrong am Samstag seine Position auf dem Tour-Thron festigen können. Jan Ullrich zeigte auf der ersten Alpen-Etappe von Draguignan nach Briancon über die Marathon-Distanz von 249,5 Km leichte Schwächen, konnte seinen Abstand zum Träger des Gelben Trikots aber bei 4:55 Minuten halten. Den Tagessieg auf der 14. Etappe, der am Sonntag ein weiteres schweres Teilstück nach Courchevel folgt, sicherte sich Santiago Botero nach 7:56:13 Stunden.

Der Kolumbianer, der sich außerdem das Bergtrikot holte, hatte sich aus einer achtköpfigen Spitzengruppe beim Aufstieg zum Izoard rund 35 Km vor dem Ziel abgesetzt. Paolo Salvoldelli (Italien) wurde mit 2:29 Minuten Rückstand Zweiter vor Marco Pantani (2:45), der die 1200 Meter lange, stark ansteigende Zielgerade zu einem weiteren Angriff genutzt hatte. Fünf Sekunden später folgten Armstrong und Ullrich.

"Es war heute sehr hart, sehr lang und sehr schwer. Ich bin sehr müde und sehr froh", dass ich meinen Vorsprung vor Jan verteidigt habe", sagte Armstrong, der im Gegensatz zu den Bergetappen in den Pyrenäen- und am Mount Ventoux seinen Vorsprung diesmal nicht ausbauen konnte. Auch Ullrich war von den Strapazen gezeichnet: "Ich habe heute mein bestes gegeben, mehr war nicht drin. Auf der schweren Etappe hat die Mannschaft gute Arbeit geleistet", so der Merdinger.

Pantani versuchte wie am Mont Ventoux zu glänzen, konnte sich zusammen mit Armstrong am letzten Anstieg des Tages aber nicht entscheidend absetzen. Sechs Kilometer vor dem Izoard-Gipfel platzierte der italienische Tour-Sieger von 1998 seinen Angriff. Wie in den Pyrenäen konnte nur Armstrong folgen, Ullrich musste passen und hatte große Schwierigkeiten. Aber die beiden Gipfelstürmer hatten sich offenbar zu viel zugetraut. Auf der Kuppe auf 2360 Meter war die Gruppe der Spitzenreiter wieder zusammen und nahm die 21 km lange Abfahrt bis ins Ziel gemeinsam auf.

Eine achtköpfige Spitzengruppe, die sich vor dem Col de Vars (2109 Meter), der vorletzten von vier Steigungen gebildet hatte, spielte im Finale bis auf Botero keine Rolle mehr. In der Gruppe fuhr Jens Heppner (Gera) von Telekom als "Aufpasser" mit, ohne sich an der Führungsarbeit zu beteiligen. Im Hauptfeld waren zu diesem Zeitpunkt am Vars bei zum Teil stürmischem Gegenwind außer Erik Zabel (Unna) und Gian-Matteo Fagnini (Italien) noch alle Teamkollegen als Ullrich-Helfer zur Stelle. Am Izoard war nur noch Giuseppe Guerini (Italien) an seiner Seite.

Am Fuß des 14 km langen Anstiegs auf den Izoard, an dem Pantani beim Giro vor einem Monat sein Comeback gestartet hatte, hatten Armstrong, Ullrich und Co. noch über fünf Minuten Rückstand auf die Führenden. An der letzten Steigung, fest in der Hand italienischer Fans, verteilten sich nach Polizei-Angaben rund 200.000 begeisterte Fans am Straßenrand.

Miguel Indurain zog Vergleiche zwischen sich und Ullrich. Körperlich hätte der Telekom-Kapitän von den Tour-Siegern der vergangenen drei Jahre die größte Ähnlichkeit mit ihm, sagte der Seriensieger in einem Zeitungs-Interview mit der "L'Equipe". Ullrich habe "ein bisschen die gleiche Statur zum Zeitfahren und Klettern wie ich", sagte der Spanier, "aber eine andere Einstellung zum Radsport". Armstrong sei explosiver, Pantani der bessere Bergfahrer. Indurain, der 1996 im ersten Tour-Jahr Ullrichs noch direkt auf den damals Zweitplatzierten traf, gewann die Tour von 1991 bis 1995 als einziger Fahrer der Geschichte fünf Mal hintereinander.

Alle Doping-Kontrollen bis einschließlich der 9. Etappe ergaben negative Ergebnisse, gab die Tour-Organisation am Samstag bekannt. Die Urinproben der kontrollierten Tour-Fahrer werden täglich in Paris untersucht.