17. Tour-Abschnitt: Kraftprobe bei der Etappe der Torturen - DER SPIEGEL
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17. Tour-Abschnitt Kraftprobe bei der Etappe der Torturen

21 Kehren, tausend Höhenmeter, und das alles in praller Sonne: Der Schlussanstieg nach L'Alpe d'Huez ist der härteste der Tour de France - mit keinem Berg verbindet das Peloton schlechtere Erinnerungen. SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Jörg Jaksche erklärt, wer die besten Chancen auf den Triumph hat.
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Drei Berge der höchsten Kategorie, darunter der Col du Galibier und zum Abschluss der legendären Kehren hoch nach L'Alpe d'Huez. Der 17. Tagesabschnitt ist eindeutig die Königsetappe dieser Tour. Besonders der letzte Anstieg wird die Fahrer stressen.

Denn es gibt Bergankünfte und es gibt L'Alpe d'Huez. Mit keinem Berg der Tour verbindet das Peloton schlechtere Erinnerungen als mit diesem Anstieg. 21 Kehren, tausend Höhenmeter, Steigungen bis zu zwölf Prozent, das alles in der prallen Sonne - der Anstieg nach L'Alpe d'Huez spielt in seiner eigenen Liga.

Auch deshalb herrscht dort eine großartige Atmosphäre mit aberwitzig vielen Zuschauern. Das bekommt man als Fahrer natürlich mit. Und wenn man dann oben ist, kann man L'Alpe d'Huez im Rückblick sogar genießen. Zumindest für ein Jahr, bevor man wieder hochstrampeln muss.

Dennoch gibt es natürlich Fahrer, die sich auf diesen Tag freuen. So wie Fabian Cancellara jedes Zeitfahren herbeisehnt, so warten die Kletterer darauf, auf den 15,5 Kilometern Minuten und Sekunden zu gewinnen.

Einer der Fahrer, die sicherlich darauf brennen, in Richtung L'Alpe d'Huez Boden gut zu machen, ist Bernhard Kohl vom Team Gerolsteiner. Seine unglaubliche Entwicklung erinnert an ein Wunder. Wie er mit den Favoriten mithalten kann - Respekt! Wer vor der Tour auf den Österreicher gesetzt hat, wird jetzt wahrscheinlich schon aus hundert Euro knapp eine Million gemacht haben.

Nach der Königsetappe muss man sehen, wie weit vorne sich Kohl im Gesamtklassement plazieren kann. Beim Zeitfahren am kommenden Samstag wird er sicherlich Zeit verlieren. In Bezug auf den Toursieg würde ich aber nie nie sagen. So eine gute Plazierung kann auch Flügel verleihen. Ich denke auch, dass Fränck Schleck zurückfallen und sein Gelbes Trikot verlieren könnte. Außer Kohl wird wohl Schlecks CSC-Mannschaftskollege Carlos Sastre in L'Aple d'Huez ganz vorne sein. Der Spanier ist ebenfalls ein sehr guter Bergfahrer.

Damit es am Schlussanstieg auch richtig schwer wird, hat der Veranstalter im Col du Galibier und dem Col de la Croix-de-Fer noch zwei Berge der höchsten Kategorie davor gesetzt. Kraft sparen ist bei diesen Anstiegen nicht möglich. Man kann natürlich versuchen, mit 80 Prozent über die ersten Berge zu fahren - mit der Spitze wird man aber sicherlich nicht mithalten können.

Es wird immer viel diskutiert, ob solche Etappen nicht zu schwer sind; dass sie Doping doch nur herausfordern würden. Ich finde, so eine Prüfung, auch wenn sie sehr schwer ist, ist kein Grund für den Gebrauch von Dopingmitteln. Wirkungsvoll wäre es hingegen, wenn man die schweren Tagesabschnitte mehr auseinanderziehen würde. Zwei harte Etappen nacheinander müssen nicht sein. Wenn man Teilabschnitte für Sprinter, Ausreißer und Bergfahrer abwechseln würde, wäre schon vieles besser. Und wieso lässt man die Profis nicht mal länger am Stück Luft holen und nimmt zwei Ruhetage hintereinander ins Programm?

Doch egal, ob schwer oder nicht - durch die knappen Zeitabstände im Gesamtklassement verspricht die Etappe sehr spannend zu werden. Auch weil es keinen richtigen Anführer im Feld gibt. US-Postal und Discovery Channel waren damals so stark, weil ihr Kapitän Lance Armstrong so stark war. Die standen am Start und wussten: Wir werden das hier gewinnen. Und das hat man ihnen auch angesehen. Heute gibt es so einen Anführer nicht mehr, das Feld ist viel ausgeglichener. Für die Attraktivität des Rennens ist das nur gut.