19. Etappe Armstrong triumphiert beim Zeitfahren
Mulhouse - Auch beim letzten Einzelzeitfahren der 87. Tour de France hat Telekom-Kapitän Jan Ullrich den erhofften Tagessieg verpasst und wie schon in den Alpen vor "Allround-Genie" Lance Armstrong aus den USA kapitulieren müssen. Armstrong dominierte vor erneut phänomenaler Zuschauerkulisse und holte sich seinen ersten Tagessieg bei der diesjährigen Tour nach 1:05:01 Stunden mit 25 Sekunden Vorsprung vor Ullrich.
"Diesen Sieg habe ich unbedingt gewollt. Alle Welt sollte sehen, warum ich im Gelben Trikot fahre. Ich habe mich gut gefühlt, aber Jan war ein harter Konkurrent", sagte Armstrong nach dem Duell.
Während Armstrong seinen Vorsprung im Gesamtklassement auf 6:02 Minuten ausbaute, konnte Ullrich immerhin seinen zweiten Platz erfolgreich verteidigen: Der Zeitfahr-Weltmeister vergrößerte den Vorsprung auf die Verfolger Joseba Beloki (10:04) und Christophe Moreau (10:34) und dürfte damit den angepeilten Podestplatz am Sonntag auf den Champs-Elysees sicher haben.
"Trotz Rückenwind war die Belastung heute groß. Mit meiner Zeit bin ich zufrieden. Allerdings ist es etwas traurig, dass Armstrong in meiner Heimat 25 Sekunden schneller war. Ich bin froh, wenn in zwei Tagen alles vorbei ist", sagte Ullrich.
Bei idealen Wetterbedingungen und Temperaturen bis zu 25 Grad Celsius reichte Ullrichs Konzentration nicht, um Armstrong schlagen zu können. Von Beginn an war Armstrong immer ein wenig besser: Bei der ersten Zwischenzeit nach 20,5 Kilometer lag er fünf Sekunden vorn, bei Kilometer 44 bereits 25 Sekunden, die er bis ins Ziel hielt.
Beim drittlängsten Zeitfahren in der Tour-Geschichte fuhr Armstrong mit durchschnittlich 53,986 Stundenkilometern die zweitbeste Zeit. Die Bestzeit hält sein Landsmann Greg LeMond mit einem Schnitt von 54,545 Stundenkilometern - allerdings nur auf einer Strecke von 24,5 Kilometern (1990 von Versailles nach Paris).
Die anderen Telekom-Profis hielten sich weitgehend zurück. "Ich bin heute einen 47er-Schnitt gefahren. Das ist respektabel, mehr wollte ich heute nicht. Vielleicht ist morgen auf der Marathon-Etappe für mich noch etwas drin. Ich mag so lange Sachen. Aber wahrscheinlich läuft das gleiche Spiel wie gestern - die Attackeure können das Wasser nicht halten und fahren nach vorn. Dann werde ich wahrscheinlich in Paris den gleichen Stress haben, wie Jan heute", sagte Erik Zabel, der nach 1:15:15 Stunden das Ziel erreichte.
Am Samstag steht dem Tour-Tross das längste Teilstück der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt bevor. Die 20. Etappe beginnt in Belfort und endet nach 254,5 Kilometern in Troyes. Dabei stehen auch die letzten drei Bergprüfungen (jeweils vierte Kategorie) auf dem Programm. Am Samstagabend werden dann die Fahrer im Orient-Express zum Finale nach Paris gebracht.