2. Tag "Golf ist ein seltsames Spiel"
Alveslohe - "Golf ist ein seltsames Spiel", sinnierte der zweifache Masters-Sieger Jose Maria Olazabal am Freitagnachmittag im Anschluß an seine zweite Runde bei der Deutsche Bank-SAP Open auf Gut Kaden. Vor dem ersten Abschlag am frühen Morgen der Spanier hatte noch drei über Par (Platzstandard 72) gelegen und musste ernsthaft um den Cut zittern. Doch im Laufe seines Arbeitstages spielte Olazabal von Loch zu Loch immer besser und reichte am Ende eine Scorekarte mit 65 Schlägen ein. Eine Leistung, die im Laufe des Tages nicht mehr unterboten wurde.
"Dabei habe ich mich völlig schlapp gefühlt, bevor ich an das erste Tee ging und im Geiste schon meine Koffer gepackt. Doch plötzlich begann ich zu scoren und hatte wieder Freude an meinem Spiel. Vielleicht muss man sich schlapp fühlen, bevor man an den Start geht, vielleicht ist das das Geheimnis", wagte der Ryder-Cup-Spieler einen Ausflug in die Unerklärbarkeit des Golfspiels. In Olazabals Runde stachen sieben Birdies hervor, die nur von zwei Bogeys getrübt wurden. Das absolute Highlight war jedoch das Eagle am 17 Loch (Par fünf), als er einen Bunkerschlag aus 100 Metern einlochte. Mit insgesamt vier unter Par (140 Schlägen) darf sich der Spanier mit einem Mal wieder Hoffnungen auf den Sieg bei dem mit knapp 5,3 Millionen Mark Preisgeld dotierten Turnier auf Gut Kaden machen.
In Führung liegt nach dem zweiten Tag Olazabals Landsmann Miguel Angel Jimenez, der seine Spitzenposition souverän nach allen Seiten hin verteidigen konnte. Mit -8 (67, 69-136) hat der Spanier nun zwei Schläge Vorsprung vor dem Iren Paul McGinley (73, 65) und dem großen Unbekannten in der Spitzengruppe, dem Italiener Emanuele Canonica (69, 69). "Seit ich im vergangenen Jahr beim Ryder Cup drei Siege für Europa erreicht habe, traue ich mir bei jedem Turnier grundsätzlich den Sieg zu", demonstrierte der führende Jimenez unerschütterliches Selbstvertrauen. Einzig eine leichte Knieverletzung macht dem knorrigen 36-Jährigen, der sich zwischen Schlägen gelegentlich eine Zigarette gönnt, derzeit zu schaffen: "Ich spüre ein Ziehen, wenn ich mich zum Schlag hinstelle", so Jimenez, der allerdings auch nicht weiß, woher die Verletzung rührt. "Ich habe das niemals zuvor gehabt."
Und Tiger Woods? Der Weltranglistenerste war erneut die Attraktion auf der großzügigen Anlage im Norden Hamburgs. Ein Traube von 3000 Zuschauern verfolgte jeden Schlag des 24-Jährigen. Im Verlaufe seiner Runde demonstrierte Woods auch, warum er die zwei Millionen Mark Startgeld wert ist, die die Deutsche Bank locker machte, um ihn nach Deutschland zu locken. Nachdem er erneut etwas schwerfällig aus den Startlöchern kam, lag er nach einem beeindruckenden Zwischenspurt fünf Löcher vor Schluss mit -6 plötzlich in unmittelbarer Reichweite von Jimenez. Die Tiger-Fans träumten schon von einer weiteren Attacke ihres Idols, ehe ein Regenschauer und zwei mittelprächtige Putts die Aufholjagd jäh stoppten.
Obwohl Woods mit -4 durchaus noch in Reichweite zur Spitzengruppe liegt, brauchte er am Freitag einige Zeit, ehe sein Ärger verraucht war: "Es war kein ideales Finish, weil ich zwei kurze Putts daneben geschoben habe. Das lag aber an den schlechten Grüns, die wegen der uneinheitlichen Grassorten schwer zu lesen sind", nörgelte er zunächst über den Platz. In den USA sei er andere Verhältnisse gewohnt, weil der Ball dort beim Putten "geradeaus" läuft.
Keine Schuldzuweisungen machte hingegen Bernhard Langer, nachdem er den Cut (145) um drei Schläge verpasst hatte. Die für seine Verhältnisse katastrophale Auftaktrunde von 78 Schlägen konnte er trotz einer 70 am zweiten Tag nicht mehr wett machen. Enttäuscht und kommentarlos verließ Langer das Gelände. Die Hypothek, seit 1997 kein Turnier mehr gewonnen zu haben, wirkt mittlerweile wie eine tonnenschwere Last auf dem Anhausener.
Nach dem Scheitern Langers vertreten nur noch der Münchner Alexander Cejka und Lokalmatador Sven Strüver die deutschen Farben in den beiden Schlussrunden am Wochenende. Trotz Rückenbeschwerden spielte der in Tschechien geborene Cejka am Freitag eine beachtliche 69er-Runde und überstand mit 142 Schlägen (73+69) den Cut ebenso problemlos wie Strüver, der 143 Schläge (72+71) benötigte.