2. Tag Simsek und Strüver schaffen den Cut
Johannesburg - Der Cut im Profigolf ist eine grausame Angelegenheit. Gnadenlos durchschneidet er am zweiten Tag eines Profiturniers das Spielerfeld und entscheidet, wer sich als Gewinner oder Verlierer fühlen darf. Auch die deutschen Teilnehmer bei der mit 1,5 Millionen Mark dotierten Veranstaltung im südafrikanischen Johannesburg durften diese Erfahrung nach der zweiten Runde machen.
Während Tourneuling Erol Simsek seinem hervorragenden Auftakt (67 Schläge auf dem Par-72-Kurs) eine 71er-Runde folgen ließ und sich ohne Schwierigkeiten für das 68 Mann starke Feld qualifizieren konnte, das in den letzten beiden Runden das Preisgeld unter sich aufteilt, musste Sven Strüver einige Stunden zittern, um den Einzug in die illustre Runde zu erhalten. Mit 141 Schlägen (71, 70) hat er gerade noch einmal geschafft. Mit seinem Auftritt auf dem Houghton Golf Club dürfte Strüver im Gegensatz zu Simsek bislang nicht ganz zufrieden sein. In den Runden drei und vier wird sich der 33-Jährige zweifellos noch einmal verbessern wollen, um das Fundament für einen erfolgreichen Saisonstart anzulegen.
Das verflixte 17. Loch
Thomas Gögele hingegen wird mit schlechter Laune zum zweiten südafrikanischen Turnier der European Tour nach East London reisen. Mit 143 Schlägen (72, 71) verpasste Gögele den Cut um zwei Schläge und wird dabei vor allem das 17. Loch so schnell nicht vergessen. Vier Schläge über Par verlor er allein dort. Starker Tobak. Einem Triplebogey (!) am ersten Tag ließ er auf diesem 371 Meter langen Par-4-Loch noch einmal ein Bogey folgen.
Tobias Dier, der zweite Tourneuling unter den sechs deutschen Golfprofis auf der European Tour, wird seinen Auftritt in Südafrika unter der Rubrik "Erfahrung sammeln" ablegen müssen. Mit 147 Schlägen (76, 71) verfehlte er den Cut deutlich. Zwar verbesserte er sein Spiel am zweiten Tag um einige Schläge, aber von dem Schock der zweiten Neun am ersten Tag (sechs über Par!) erholte er sich nicht mehr.
In Führung liegt nach zwei Runden immer noch der Schotte Dean Robertson mit 132 Schlägen. Zwar kam er mit seiner 70er Runde nicht annähernd an seine Leistung vom Vortag heran, aber mit seinem Spiel war er nach unsicherem Beginn trotzdem zufrieden. "Es ist immer schwierig, wenn man plötzlich als Turnierfavorit gehandelt wird", urteilte der 30-Jährige. "Aber ich bin über meine 70 genau so glücklich wie über meine 62. Es war wichtig, die exzellente Leistung vom ersten Tag zu untermauern."
Ein Altmeister und ein Jungspund
Ein Spaziergang wird das Wochenende für Robertson aber keineswegs. Ein halbes Dutzend Spieler liegt nur einen Schlag hinter dem Schotten auf der Lauer. Daraus hervorzuheben sind vor allem zwei Spieler aus England: Nick Faldo und Justin Rose. Faldo, der nach jahrelanger Krise - sein letzter Sieg auf der European Tour liegt fast sieben Jahre zurück - spielt endlich wieder mal um einen Titel mit. Einer 68 am ersten Tag ließ er am Freitag eine hervorragende 65er-Runde folgen. "Es ist eine Zeit her, dass ich um einen Sieg mitspielen durfte", freute sich der 43-jährige Faldo, der sich zuletzt ähnlich wie sein ehemaliger Ryder-Cup-Kollege Bernhard Langer fragen musste, ob er jemals noch in seiner Karriere an einem Siegeskelch nippen darf. "Natürlich bedrückt einen eine solche Durststrecke und man fragt sich ernsthaft, was das für ein Gefühl war, als man noch um einen Sieg mitspielen durfte."
Mit Faldos Landsmann Justin Rose dürfte keiner der Experten gerechnet haben. Der 20-Jährige, der 1998 als Amateur mit einem vierten Platz bei der British Open für Furore sorgte und schon als die "europäische Antwort auf Tiger Woods" gehandelt wurde, hat eine harte Lehrzeit hinter sich. Nach seinem Wechsel ins Profilager unmittelbar nach der British Open folgte der Absturz in die Niederungen des Profigolfs: 21 verpasste Cuts in Folge, Abstieg in die Challenge Tour, Nachsitzen in der Qualifying School. In Johannesburg erlebt Rose derzeit so etwas wie eine Auferstehung. "Ich habe es geschafft, meine gute Trainingsform ins Turnier zu retten", erzählte er nach seinen Runden von 66 und 67 nicht ohne Stolz. "Das ist wunderbar und ich fühle mich total entspannt."