20. Etappe Endlich! Zabel holt einen Etappensieg
Troyes - Endlich konnte Erik Zabel die Champagnerkorken knallen lassen. Auf der vorletzten und mit 254,5 Kilometer längsten Etappe der Tour de France, die zum Teil durch die Champagne führte, landete Zabel am Samstag in Troyes seinen ersten diesjährigen Tagessieg. Im Ziel der 20. Etappe ließ der 30-jährige Träger des Grünen Trikots, das er zum fünften Mal hintereinander auf die Pariser Champs Elysees tragen wird, der Konkurrenz im Massensprint diesmal keine Chance. Das Hauptfeld - der Abstand zwischen Lance Armstrong (USA) und Jan Ullrich (Merdingen) änderte sich nicht - hatte das letzte Mitglied einer dreiköpfigen Ausreißergruppe erst 2000 Meter vor dem Ziel eingeholt.
"Nachdem ich in den letzten drei Jahren im Grünen Trikot vielleicht zehn oder 15 zweite Plätze belegt hatte, wurde es endlich Zeit. Für mich ist das heute ein großer Tag und ich muss mich bei meinem Team bedanken, das mustergültig den Sprint für mich vorbereitet hat. Fagnini und ich sind für die letzten 300 Meter das kompakteste Team des Feldes. Der Sieg heute ist etwas ganz Besonderes. Morgen habe ich in Paris vielleicht auch noch eine kleine Chance, aber daran denke ich jetzt nicht", freute sich Zabel über seinen 16. Saisonerfolg.
Auch Teamchef Rudy Pevenage war heilfroh, dass es endlich geklappt hat: "Die ewigen zweiten Plätze brachten uns Stress, den wir gar nicht gebrauchen konnten. Ich freue mich für Erik. Das Team mit zuletzt Bölts, Heppner, Winokurow und Fagnini hat super gearbeitet. Jetzt kann Erik morgen mit viel mehr Ruhe an die Sache herangehen."
Nach zwei zweiten und drei dritten Plätzen traf der Telekom-Co- Kapitän endlich ins Schwarze und freute sich über seinen ersten Etappensieg seit 1997 (Pau). Mit dem insgesamt achten Tageserfolg seit 1995 zog Zabel mit dem deutschen Rekordhalter Rudi Altig gleich. Der Erfolg des Weltcup-Spitzenreiters, den Gian-Matteo Fagnini als letztes Telekom-"Zugpferd" wie beim Weltcupsieg in San Remo vorbereitet hatte, bescherte seinem Team den ersten diesjährigen Tagesserfolg nach zwei zweiten Plätzen Ullrichs.
Erwartungsgemäß änderte sich an der Spitze des Gesamtklassements, das beim Zeitfahren in Mulhouse festgeklopft worden war, nichts mehr. Lance Armstrong (USA) geht im Gelben Trikot mit 6:02 Minuten Vorsprung auf Jan Ullrich (Merdingen) auf seine Triumphfahrt am Sonntag auf die Champs Elysees. Die letzte Tour-Etappe ist eine "Stadtrundfahrt" über lediglich 138 Kilometer vom Eiffelturm auf die Prachtstraße, die noch den Fahnen-Schmuck der Parade zum Nationalfeiertag vom 14. Juli trägt.
Die Franzosen Francois Simon, Sebastian Hinault, nicht verwandt und nicht verschwägert mit dem fünffachen Toursieger, und der Pole Gregori Gwiazdowski hatten die Gunst der Stunde genutzt. Die drei setzen sich nach 70 Kilomter ab und spekulierten auf die lange Distanz und die Müdigkeit und Interesselosigkeit der Fahrer, eine Verfolgung zu organisieren. Das Terzett kam auch fast fünf Minuten weg.
Aber auch auf Telekom-Initiative auf den letzten 50 Kilometer schmolz der Vorsprung, der kurz vor dem Ziel aufgebraucht war. Die Bonner machten für Zabel Dampf, das Farm-Frites-Team aus den Niederlanden für ihren australischen Sprinter Robbie McEwen, der Zweiter vor Jeroen Blijlevens (Niederlande) wurde. Die übrige Sprinter-Elite, Marcel Wüst, Tom Steels, Jan Kirsipuu hat die Alpen nicht überstanden und ist längst zu Hause.
Ein harmlos aussehender Sturz am Ende des Feldes wurde Michael Boogerd 95 Kilomter vor dem Ziel zum Verhängnis. Der Niederländer, bei Tour-Beginn zum erweiterten Favoritenkreis gehörend, konnte nicht weiterfahren und wurde mit Bein- und Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht.