200-Meter-Finale Gatlin siegt, Unger Siebter
Helsinki - Gold für Justin Gatlin: Mit 20,04 Sekunden auf 200 Meter belegte er den ersten Platz. Für den Deutschen Tobias Unger wurde es eine Platzierung, die er gar nicht wollte: Ein Jahr nach den Olympischen Spielen in Athen lief er auch bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Helsinki auf den siebten Rang. Beim Vierfach-Sieg der Amerikaner ging dem 26 Jahre alten Kornwestheimer in der zweiten Hälfte des Rennens die Puste aus. In 20,81 Sekunden verfehlte der deutsche Rekordhalter die Medaillenränge um eine halbe Sekunde.
"Siebter war ich schon in Athen, ich will um Rang fünf oder sechs kämpfen", hatte Unger angekündigt, konnte dann aber mit der Konkurrenz nicht Schritt halten. "Ich habe alles probiert, aber mehr war einfach nicht drin. Hinten raus haben mir die Kraft und die Kaltschnäuzigkeit gefehlt", sagte der Hallen-Europameister. Bis zum Ausgang der Kurve lag er auf Augenhöhe mit der Weltelite, dann brach er ein. Immerhin: Der deutsche Meister darf sich derzeit als bester Sprinter in Europa fühlen, zudem als bester Weißer.
Auf regennasser Bahn machten unterdessen die vier Amerikaner wie auch von Unger erwartet ("Hab' ich ja gesagt") den Sieg unter sich aus. Der vom deutschen Meister favorisierte Gatlin (20,04) setzte sich früh ab und überließ seinen drei Landsleuten das Rennen um Silber und Bronze. Rang zwei belegte dabei der Weltjahresbeste Wallace Spearmon (20,20) vor Titelverteidiger John Capel (20,31). der in den Vorläufen starke Tyson Gay verlor die amerikanischen Meisterschaften mit internationaler Beteiligung (20,34).
Gatlin hat damit als zweiter Sprinter nach Landsmann Maurice Greene 1999 in Sevilla das WM-Double über die Sprintstrecken gewonnen und kann wie dieser am Samstag auch das Triple komplett machen. 22 Jahre nachdem Frank Emmelmann im Finale der ersten WM ebenfalls in Helsinki Rang fünf belegt hatte, wollte sich Unger am Ende nicht allzu sehr grämen, dass er an sein Ziel im Endlauf nicht ganz herankam.
"Die anderen sind einfach noch stärker als ich. So weit, dass ich im vierten Lauf noch stark bin, sind wir noch nicht. Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren so weit sind", sagte der Student der Sportwissenschaften. In zwei Jahren ist die WM in Osaka, Unger will dann in der Lage sein, "dass ich 20,0 laufen kann." Zuvor aber folgt im kommenden Sommer die EM, und für diese Titelkämpfe darf sich der Deutsche gute Medaillenchancen ausrechnen. Macht er auch: "In Göteborg bin ich wohl Mitfavorit."