3. Tag Der Tiger macht ernst
Alveslohe - In souveräner Manier hat Titelverteidiger Tiger Woods am dritten Tag die Führung bei der mit 5,3 Millionen Mark dotierten "Deutsche Bank - SAP Open" auf Gut Kaden übernommen. Der Weltranglistenerste, der 1999 diese offene Europameisterschaft (TPC) in St. Leon-Rot gewonnen hatte, verbesserte sich am Samstag in Alveslohe mit fünf Birdies auf 207 Schläge (70+70+67) und hielt die Konkurrenz der 78 Starter gebührend auf Abstand. Der Engländer Lee Westwood teilte sich nach 209 Schlägen (71+69+69) mit dem Vortags-Spitzenreiter Miguel Angel Jimenez (67+69+73) und weiteren vier schlaggleichen Golfprofis Platz zwei. Westwood hatte 1998 die TPC auf dem Par 72-Kurs gewonnen.
"Ich spiele lieber von der Spitze, als dass ich von hinten das Feld aufrollen muss", zeigte sich Woods äußerst zufrieden, "es war ein harter Tag, aber ich konnte selbst im schwierigen Windspiel den Ball gut kontollieren und geduldig auf die notwendigen Birdies warten." Vor einem Jahr war Woods mit drei Schlägen Vorsprung in das Finale gegangen und hatte so auch das Turnier gewonnen, das auf Gut Kaden bisher rund 40.000 Zuschauer an drei Tagen in seinen Bann zog.
Die letzten beiden Deutschen in der Konkurrenz, Alexander Cejka und Sven Strüver, verloren dagegen endgültig die Chance auf ein hohes Preisgeld. Der Hamburger Strüver fiel bei seinem Heimspiel mit einer 74-er-Runde und insgesamt 217 Schlägen (72+71+74) vom 30. auf den 59. Platz zurück. "Das war eine typische Schrott-Runde. Aber ich rechne mir mit einer Runde unter 66 morgen noch etwas aus", meinte der junge Familienvater.
Cejka traf es in der Konkurrenz von 78 Startern nach dem Cut, den Bernhard Langer am Freitag verpasst hatte, noch härter. Der 29-jährige Wahl-Münchner kämpfte mit seinen latenten Zahn- und Rückenproblemen und stürzte nach einer der schlechtesten Runden des Tages mit 220 Schlägen (73+69+78) noch vom 24. Platz auf Rang 74 ab.
Auch ohne den am Freitag am Cut von 145 Schlägen gescheiterten Bernhard Langer kamen 17.500 Zuschauer vor die Tore Hamburgs, um Woods Ansturm auf die Spitze mitzuerleben. Um 11.50 Uhr stand der Megastar am ersten Abschlag und schaffte gleich ein Birdie. Nach dem dritten Birdie am sechsten Loch hatte er mit dem bis dahin führenden Italiener Emanuele Canonica gleich gezogen. Der kleine Italiener (1,62 Meter) ist eine der Überraschungen des Turnier. Wegen seiner Monsterabschläge wird Canonica von vielen auch als der "Taschen-Herkules" bezeichnet. Mit einem Drive-Durchschnitt von 303 Yards (knapp 280 Meter) in dieser Saison ist der Mann vom Apennin auch gute 14 Yards länger als Tiger Woods. Umso erstaunlicher, dass Canonica mit einer Mischung aus Spielwitz und Agressivität auch in der dritten Runde seine guten Leistungen aus den Vortagen bestätigen konnte. Der Italiener könnte die Überraschung des Turniers werden.
Aufsteigende Form hat auch Lee Westwood zu verzeichnen. Der 28-Jährige Engländer befand sich zuletzt in der größten Krise seiner Karriere. Letzte Woche beschrieb Westwood sein eigenes Spiel sogar als "selbstmörderisch", und die Tage, in denen er regelmäßige Ruden in den 60ern ablieferte, schienen in weite Ferne gerückt. Doch nachdem er die ersten beiden Tage zusammen mit Tiger Woods spielen durfte, kann man einen deutlichen Formanstieg bei Westwood feststellen. Am Samstag übernahm er nach einem Zwischenspurt vom sechsten bis neunten Loch, als er drei Birdies und ein Par erzielte, zwischenzeitlich die Führung. "Es ist einfach gut, dass Tiger hier ist. Da strengt man sich einfach mehr an. Zumindest war das bei mir so", zog Westwood anschließend ein zufriedenes Fazit. Am Abschlußtag startet Westwood zusammen mit Canonica und Jimenez im vorletzten Flight und könnte bei guten Ergebnissen zusätzlichen Druck auf den Führenden ausübern. Ob dies allerdings gelingt, bleibt abzuwarten. Woods hat einen 13-0-Rekord, wenn als Spitzenreiter in die Schußrunde geht.
Nicht nur deswegen bleibt Tiger Woods das Nonplusultra des Turniers. Mit zwei weiteren Birdies auf den letzten vier Löchern hatte der 24-Jährige dann die Konkurrenz endgültig im Griff, die am Freitag noch von dem Spanier Miguel Angel Jimenez und dem Iren Paul McGinley angeführt worden war. Jimenez fiel mit 209 Schlägen (67+69+73) zurück, während McGinley (209) auf dem letzten Grün einen Bogey kassierte, sich aber mit vier Birdies die Chance auf den Siegerscheck von 864.000 Mark noch rettete.