8. Etappe Jens Voigt wird zur tragischen Figur
Villeneuve-sur-Lot - Der Niederländer Erik Dekker gewann im Alleingang, Alberto Elli aus Italien verteidigte das Gelbe Trikot,der Kölner Marcel Wüst fährt weiter in Grün. Das waren am Samstag die wichtigsten Ergebnisse der 8. Etappe der 87. Tour de France, die über 203,5 km von Limoges nach Villeneuve-sur-Lot führte. Zwei Tage bevor es am Montag in den Pyrenäen ernst wird, belauerten sich die Top-Favoriten auf den diesjährigen Toursieg, Titelverteidiger Lance Armstrong (USA) und Jan Ullrich (Merdingen). Beide veränderten ihre Position zueinander nicht. Armstrong hat weiter einen 43-Sekunden-Vorteil gegenüber dem Tour-Sieger von 1997, der genau wie sein Widersacher aus Texas einen superstarken Eindruck macht.
Jens Voigt wird langsam zur tragischen Figur der Tour 2000. Am Samstag fuhr der 29-jährige Berliner zum dritten Mal in einer aussichtsreichen Ausreißergruppe und durfte sich einige Zeit wieder als der theoretische Träger des Gelben Trikots fühlen. Als der Vorsprung seiner 17-köpfigen Spitzengruppe unter die 6:58 Minuten gefallen war, die Voigt am Start auf Elli aufgewiesen hatte, konzentrierte sich der Fahrer des französischen Rennstalls Credit Agricole auf den ersten Etappensieg seiner Karriere. Doch auch daraus wurde wieder nichts. Der Kämpfer aus Berlin muss es weiter versuchen, aber die Zeiten dafür werden noch härter. Am Montag geht es in die Pyrenäen. Voigt schob sich im Gesamtklassement mit 3:17 Minuten Rückstand auf Elli immerhin auf den sechsten Platz vor.
Schon kurz nach dem Start gab es auf dem schwierigen Parcours durch die Dordogne Absetzbewegungen einiger Fahrer vom Feld. Schon nach 11 Km stand die erste von vier kleineren Bergprüfungen auf dem Programm. Die 17 Fahrer der Spitzengruppe hatten sich danach zusammengefunden. Als Aufpasser hatte Telekom den Italiener Giuseppe Guerini, im Vorjahr Gewinner der Etappe nach L'Alpe d'Huez mitgeschickt. Er leistete keine Führungsarbeit. Auch im Hauptfeld beteiligte sich Telekom nicht maßgeblich daran, den Abstand zu den Ausreißern zu verringern. Die Hauptarbeit dafür leistete das Marco Pantani-Team Mercatone Uno aus Italien und Fernando Escartins Mannschaft Kelme aus Spanien.
Dekker, der an den Vortagen ähnlich aktiv wie Voigt war, war 30 Km vor dem Ziel von der zerfallenen Spitzengruppe nach vorne gefahren. Sein Vorsprung als Solist wuchs schnell auf über 30 Sekunden. Diesen Vorsprung verteidigte der 29-jährige Niederländer verbissen bis ins Ziel und wurde zudem noch mit dem Bergtrikot belohnt. Im Sprint des Hauptfeldes war Wüst wiederum stärker als Erik Zabel.
"Am Montag geht es rund. Dann haben wir schon die zehnte Etappe, fast die Hälfte. Die Zeit wird knapp. Auch die Favoriten können nicht mehr lange warten", glaubt Telekom-Routinier Udo Bölts (Heltersberg), der seine neunte Tour bestreitet. Sein Teamchef Walter Godefroot rechnet auf dem Weg zur Bergankunft nach Hautacam am Montag vor allem mit dem Kletterkünstler Pantani: "Der wird ein Feuerwerk entfachen, wir müssen aufpassen", vermutet der Belgier.