4. Tour-Etappe McEwen gewinnt Massensprint
Saint-Quentin - Nach 207 Kilometern konnte dem Australier bei seinem Antritt keiner der Konkurrenten folgen. Isaac Galvez aus Spanien vom Team Iles Balears kam auf den zweiten Platz. Sein Landsmann und Ex-Weltmeister Oscar Freire wurde Dritter. Erik Zabel vom Team Milram hatte zwei Kilometer vor dem Ziel einen Defekt am Hinterrad und konnte nicht mehr ins Geschehen eingreifen.
"Das ist natürlich ein bisschen enttäuschend heute", sagte Zabel nach dem Rennen, "aber wir schauen nach vorn, es gibt noch einige Chancen. Vor der Tour hatte ich ja ein wenig mit dem Grünen Trikot geliebäugelt, aber nach dem Reifenschaden heute kann ich das natürlich abhaken."
Nach einigen gescheiterten Fluchtversuchen setzte sich eine Gruppe von fünf Fahrern um den Spanier Egoi Martinez vom Team Discovery Channel ab. Zeitweise lagen die Ausreißer fünf Minuten vorn. Wären sie mit diesem Vorsprung ins Ziel gekommen, hätte Martinez das Gelbe Trikot des Gesamtführenden übernommen. Doch die Sprinterteams machten ab der Hälfte des Rennens Druck, der Rückstand schmolz langsam aber stetig.
McEwen übernahm durch seinen Erfolg das Grüne Trikot des Sprintbesten. Das gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigte der Belgier Tom Boonen durch einen vierten Rang heute erfolgreich. Mit einer Sekunde Rückstand liegt der Australier Michael Rogers vom Team T-Mobile auf Platz zwei. Erik Dekker, der gestern nach einem Sturz aufgeben musste, beendete heute seine Karriere. Der Niederländer wollte nach seiner elften Tour-Teilnahme sowieso zurücktreten.
Unterdessen haben die Dopingfahnder des Radverbands UCI das Team T-Mobile im Visier. Heute wurde während des Rennens der Begleitwagen von Team-Physiotherapeut Aldis Cirlus aus Lettland gestoppt und durchsucht. Sämtliche Gepäckstücke wurden kontrolliert, ebenso der Innenraum und der Motor- und Kofferraumbereich. Gefunden wurde dabei nichts.
Der unter Dopingverdacht geratene T-Mobile-Fahrer Jörg Ludewig, der nicht an der Tour teilnimmt, hat unterdessen bestritten, jemals unerlaubte Mittel genommen zu haben. Der 30-Jährige räumte aber ein, dass er sich 1998 in mehreren Briefen nach Präparaten zur Leistungssteigerung erkundigt hatte. Mit seinem Wechsel zum Team Gerolsteiner ein Jahr darauf habe er aber "alle Vorhaben verworfen", da ihm die Leitung des Rennstalls die möglichen Konsequenzen klargemacht habe: "Unverzüglicher Ausschluss und sofortiges Ende der Karriere wären die Folgen gewesen."
Am Morgen der vierten Etappe hatten die ersten unangemeldeten Blutkontrollen bei der Tour vor dem Start im belgischen Huy negative Ergebnisse erbracht. Insgesamt 54 Fahrer der Rennställe Discovery Channel, Cofidis, Credit Agricole, Saunier Duval und Francaise de Jeux wurden überprüft.
bri/sid/dpa