Leichtathletik-EM: Helsinki macht Deutschland Hoffnung für Olympia - DER SPIEGEL
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Leichtathletik-EM Helsinki macht Deutschland Hoffnung für Olympia

16 Medaillen, sechsmal Gold - das deutsche Fazit der Leichtathletik-Europameisterschaften fällt überraschend positiv aus. Die Fördermaßnahmen scheinen sich ausgezahlt zu haben. Am Schlusstag konnten besonders die Läufer überzeugen.
Weitspringer Sebastian Bayer: Mit 8,34 Meter zu Gold
Weitspringer Sebastian Bayer: Mit 8,34 Meter zu Gold

Weitspringer Sebastian Bayer: Mit 8,34 Meter zu Gold

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images
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Hamburg - Furioser Finaltag mit sieben Medaillen: Als erfolgreichste Nation der EM von Helsinki haben Deutschlands Leichtathleten das zuvor arg angeschlagene Selbstvertrauen rechtzeitig zu den Olympischen Spielen (27. Juli bis 12. August) etwas aufbessern können. Mit sechs Titeln und insgesamt 16 Medaillen gewannen sie mehr Gold als alle anderen und so erstmals seit der deutschen Vereinigung auch die Nationenwertung.

Die "Note 1" hatte Sportdirektor Thomas Kurschilgen vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) dem Team bereits nach dem Samstag mit dem Siegwurf von Diskus-Weltmeister Robert Harting (68,30 Meter) gegeben. Am Sonntagfolgten Gold durch Weitspringer Sebastian Bayer mit 8,34 Meter. "Endlich das erste Gold im Freien, darauf habe ich lange gewartet", sagte Bayer, der im fünften Durchgang von Position vier aus erst die Führung übernommen hatte (8,33) und dann noch einen Zentimeter drauflegte. Auch die 4x100-Meter-Staffel der Frauen siegte in Europa-Jahresbestzeit von 42,51 Sekunden. "Das 100-Meter-Finale war mir völlig wurscht, wir dachten nur an die Staffel", sagte die entthronte Einzel-Europameisterin Verena Sailer nach dem Staffel-Triumph.

Silber holten wie bei der WM 2011 Diskuswerferin Nadine Müller mit 65,41 Meter und das männliche Sprintquartett (38,44), Silber und Bronze das Stab-Duo. Nur Frankreichs Star Renaud Lavillenie (5,97) bezwang dabei wie bei der Hallen-WM den auf 5,92 Meter verbesserten Björn Otto und Raphael Holzdeppe (5,77). Nur Rang vier blieb mit gleicher Höhe dem als Nummer eins der Weltrangliste (5,90) angereisten Malte Mohr (5,77). Am Ende gab es durch die 4x400-Meter-Männerstaffel in 3:01,77 Minuten noch einmal Bronze.

"Der Aufschwung im Laufbereich ist eine Trendwende"

Der DLV hatte nach den Enttäuschungen in der jüngeren Vergangenheit erst im vergangenen Jahr die Laufförderung intensiviert. Es scheint sich auszuzahlen: "Wir haben einen Aufschwung im Laufbereich erlebt. Das ist eine Trendwende", sagte Clemens Prokop, Präsident des DLV.

Nach vorausgegangenen Siegen durch Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch und den Kugelstoßern David Storl und Nadine Kleinert hatte Harting mit seinem 28. Sieg seit 2010 die längste Erfolgsserie ausgebaut, die derzeit ein Profi-Leichtathlet hat. "Der 30. Sieg ist mein Ziel in London", verkündete Harting, der bei seinen beiden WM-Triumpen stets das Trikot zerfetzt hatte, es am kalten, verregneten Samstag aber heil ließ. Martina Strutz gewann im Stabhochsprung Silber, wie schon 2011 bei der WM im südkoreanischen Daegu, Favoritin Silke Spiegelburg wurde in Helsinki medaillenlos Vierte. Bronze gewann am vorletzten Tag Antje Möldner-Schmidt in 9:36,37 Minuten über 3000 Meter Hindernis.

Auch wenn Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler durch den dritten Blackout in einem großen Medaillenwettstreit für eine große Enttäuschung sorgte, fällt das deutsche Fazit positiv aus. Am Mittwoch muss der Deutsche Olympische Sportbund noch über eine Härtefallregelung für die bisher an der Olympianorm gescheiterten Ariane Friedrich (Hochsprung) und Matthias de Zordo (Speerwurf) entscheiden.

luk/dpa/sid