Ex-Radprofi Jaksche über Armstrong-Beichte: "Auf Krokodilstränen können wir verzichten" - DER SPIEGEL
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Ex-Radprofi Jaksche über Armstrong-Beichte "Auf Krokodilstränen können wir verzichten"

Der frühere Radfahrer Jörg Jaksche kennt Lance Armstrong aus seiner aktiven Zeit. 2006 war Jaksche in den Dopingskandal rund um das T-Mobile-Team verwickelt, ein Jahr später gestand er Doping und fand danach kein Team mehr. Er geht davon aus, dass sich Armstrong gesellschaftlich retten möchte.
Ex-Radprofi Jaksche: "Er hat das eiskalt durchgezogen"
Ex-Radprofi Jaksche: "Er hat das eiskalt durchgezogen"

Ex-Radprofi Jaksche: "Er hat das eiskalt durchgezogen"

Foto: A2800 epa Oliver Weiken/ dpa
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Frage: Lance Armstrong hat offenbar Doping gebeichtet. Wie kam die Nachricht bei Ihnen an?

Jörg Jaksche: Armstrong ist ein knallharter Kalkulierer und Realist. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich zum Kopf einer neuen Bewegung machen möchte und sich so positioniert, dass er den Radsport ändern will.

Frage: Glauben Sie, dass Armstrong auch über Hintergründe und Zusammenhänge gesprochen hat?

Jaksche: Wenn er zu 100 Prozent offen und ehrlich war, dann ist das super. Wenn er es nur zu 75 Prozent war, dann nicht. Auf Krokodilstränen wie bei Erik Zabel können wir verzichten. Diese Heulsusentour brauchen wir nicht. Denn klar ist: Das Epo kam ihm nicht zugeflogen. Er müsste Ross und Reiter nennen und auch sagen, ob das mit dem Schweigegeld an die UCI stimmt. Dann aber, auch das ist klar, kann es die UCI in dieser Konstellation nicht mehr geben. Dann wäre für den Radsport ein Sabbatjahr wirklich ganz gut, wenn dieser schöne Sport so missbraucht wurde.

Frage: Ist es bei Armstrong denkbar, dass er nach der Vernunft handelt und nicht nach einem festen Plan?

Jaksche: Die sogenannten Soft Skills sind nicht gerade sein Markenzeichen. Es gab für ihn immer nur "my way or highway". Er konnte schalten und walten, wie es ihm recht war. Er hat auch nicht die soziale Kompetenz gehabt zu sehen, dass Floyd Landis am Boden zerstört war und Hilfe brauchte. Landis hat ihn gebeten: "Bitte lass mich wieder fahren." Es war ein Fehler von Lance zu sagen: "Wir brauchen dich nicht!" Er hat das eiskalt durchgezogen.

Frage: Wie schätzen Sie die drohenden Konsequenzen für Armstrong ein?

Jaksche: Ich glaube auf jeden Fall, dass er ein bisschen bluten muss. Ich denke aber nicht, dass wir uns finanzielle Sorgen um Armstrong machen müssen. Und dass er in den Knast muss, glaube ich auch nicht.

Frage: Meinen Sie, dass er von einer Art Kronzeugenregelung profitieren könnte, um seine lebenslange Sperre zu reduzieren?

Jaksche: Er wird sicher keinen Triathlon mehr bestreiten, bevor er 50 Jahre alt ist. Es geht eher um seine gesellschaftliche Position, die er retten will.

Das Interview führte der Sportinformationsdienst