Achilles' Ferse Brutpflege brutal
Kämpfende Mäusebussarde: Angriff ist die beste Verteidigung
Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpaGemütlich trabe ich die leichte Steigung durch den Wald hinauf. Ich bin erst vor kurzem hierher gezogen und noch auf der Suche nach geeigneten Laufstrecken. Diese hier ist ideal, niemand unterwegs, abwechslungsreich - und vollkommen ruhig.
Aber plötzlich ist es mit der Ruhe vorbei - vor allem mit der inneren.
Ich bekomme einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf. Etwas Großes rauscht über mich hinweg. Ein Greifvogel, ein Bussard, hat mich gestreift! Erschrocken plärre ich ihm hinterher, ob er einen Vogel hat? Bei Hunden wirkt es in der Regel, selbstbewusst aufzutreten. Aber bei einem Bussard?
Frech hockt er auf einem Baum, keine zehn Meter von mir entfernt, und guckt mich an. Grinst er etwa? Dann fliegt er weg. Mit brummendem Schädel laufe ich weiter und grüble, was da gerade eben genau passiert. Der muss mich verwechselt haben. Oder will der nur spielen?
Noch während ich nachdenke, passiert es wieder: Zack! Das Vieh hat einen zweiten Angriff gestartet. Einen ganz feigen, von hinten, unhörbar. Und jetzt bin ich sicher: Das ist kein Spiel, das ist Ernst, Gott sei Dank aber kein blutiger.
Aus Brutpflege kann tödlicher Ernst werden
Den nächsten Kilometer laufe ich den Blick meist nach hinten gerichtet, aber der Feind taucht nicht mehr auf. Trotzdem hämmert mein Herz noch ein paar Minuten auf vollen Touren. Dass es durchaus blutiger Ernst hätte sein können, erfahre ich erst später.
Es gibt viele Berichte von Angriffen großer Greifvögel auf Menschen, meist Läufer. Die Viecher fühlen sich in ihrer Brutpflege gestört und fahren dann gern auch ihre messerscharfen Krallen aus. Das macht sich nicht gut auf zarter Kopfhaut.
Jetzt bin ich um eine Erfahrung reicher und laufe in der Brutzeit woanders. Oder mit Bauhelm. Aber ein Vogelflüsterer werde ich bestimmt nicht.
Teil 2: Wunder der Technik
Samstagmorgen, ich habe ausgeschlafen, rechtzeitig gefrühstückt, die Sonne scheint: beste Voraussetzungen für ein nettes, flottes Trainingsläufchen. Heute nehme ich mir den für mich unangenehmsten Teil des Trainingsplans vor: Dauerlauf mit kleinen, schnellen Abschnitten (Betonung auf kleinen).
Ich schnalle das iPhone im Armgurt fest. Neulich habe ich ein kleines, hoffentlich nützliches Programm für mein Statussymbol heruntergeladen: Der "Runkeeper" soll mein Training analysieren. Mit GPS und allem Pipapo. Mir ist es zwar ganz schön unangenehm, in meinem Schneckentempo mit Hightech-Ausrüstung unterwegs zu sein, aber vielleicht lenkt das Ding wenigstens von meinem Outfit ab, das farblich so gar nicht aufeinander abgestimmt ist: Überpronierer-Schuhe in meiner Größe gibt es anscheinend nur in unzumutbar grellen Farbkombinationen.
Vorm Haus zeigt mir das Handy an, dass der GPS-Empfang schwach ist. Aber "schwach", denke ich, heißt ja: zumindest vorhanden. Ich drücke "Start" und los geht's auf der bewährten Strecke Richtung Lietzensee. Idylle mit Schwänen, rosenüberrankten Wegen, die Sonne spiegelt sich auf dem Wasser. Die Mini-Schnellabschnitte, die mein Trainingsplan vorsieht, renne ich fast gern, so sehr euphorisiert mich die Schönheit der Natur. Nun, es sind nur viermal 50 bis 100 Meter, aber besser als nichts.
Zeiten à la Haile
Heute tue ich alles fürs Tempo, ich ignoriere jede rote Ampel, stürze mich todesmutig über die Straßen und spurte auch an den größten unangeleinten Hunden vorbei, ohne langsamer zu werden. Mehr geht aber auch nicht, schnell war noch nie mein Ding.
Ich komme guter Dinge wieder zu Hause an, und was lese ich, als ich per Stopp-Taste das Trainingsprogramm beende? 17,92 Kilometer bin ich gelaufen! In 52,14 Minuten! So steht es auf dem Handy-Display. Da fehlt nicht mehr viel zum Halbmarathon-Weltrekord. Nennt mich Haile! Nun ja, Messfehler haben schon öfter Sportgeschichte geschrieben.
Denn was da mit der Wunder-GPS-Technik schiefgelaufen ist, merke ich später. Mit Geodreieck und Stadtplan setze ich mich an den Küchentisch und messe ganz altmodisch mein Laufpensum nach. Selbst großzügig gerechnet komme ich auf höchstens acht Kilometer Strecke. Ich fahre den Computer hoch um zu sehen, welches Ergebnis die Software ausspuckt.
Siehe da, es wird noch beeindruckender: Laut "Runkeeper" und "Google Maps" habe ich die ersten zehn Kilometer quasi in Lichtgeschwindigkeit zurückgelegt. Meinen Startpunkt haben die Bits und Bytes nämlich irgendwo zwischen Mariendorf und Britz berechnet. Ganz am anderen Ende der Stadt.