Achilles' Ferse Das Training der Anderen
Fechter: Blitzschnelles Handeln ist gefragt
Foto: epa Kerim Okten/ picture-alliance/ dpaJoachim Braun ist seit seinem dritten Lebensjahr als Fechtsportler aktiv und hat bei Fechtpionier Emil Beck gelernt. Inzwischen ist er Landestrainer von Baden-Württemberg und erklärt, warum sogar Bundesliga-Fußballer bei ihm ihre Koordinationsfähigkeit schulen.
Frage: Herr Braun, warum sollte jeder Sportler mal zum Florett oder Degen greifen?
Braun: Weil Fechten schult! Konzentration, Körperbeherrschung, Koordination der oberen und unteren Extremitäten und die Fechtstellung, die sehr speziell ist. Wir haben hier öfter Sportler aus anderen Disziplinen. Die Fußballer von der TSG 1899 Hoffenheim etwa waren mal zur Saisonvorbereitung hier - und waren überrascht, wie dynamisch Fechten ist.
Frage: Haben die Kicker denn Talent fürs Fechten gezeigt?
Braun: Diese Vollblut-Fußballer wollten unbedingt gewinnen, da ging es richtig zur Sache. Stürmer Demba Ba war besonders erfolgreich, wer aber letztendlich gewonnen hat, weiß ich gar nicht mehr. Hinterher haben die Burschen jedenfalls richtig Muskelkater gehabt - hat zumindest der damalige Trainer Ralf Rangnick erzählt.
Frage: Für den Laien sieht Fechten gar nicht so anstrengend aus.
Braun: Fechten wird oft unterschätzt. Ein Laie kann kaum nachvollziehen, was effektiv geleistet wird. Man muss blitzschnell handeln und Strategien entwickeln. Das ist wie ein Schachspiel. Und man vergisst oft, über wie viele Gefechte es geht - gerade bei größeren Turnieren. Da muss man fast den ganzen Tag lang seine Leistungen abrufen.
Frage: Trainiert Fechten den Kopf?
Braun: Der Kopf ist sehr entscheidend, wir arbeiten deswegen auch mit einem Mentalcoach zusammen. Es ist wichtig, dass die Fechter über eine ganze Saison hinweg hundertprozentig auf den Sport eingestellt sind. Man muss sich ständig in ein Gleichgewicht aus Anspannung und Entspannung bringen. Bei Wettkämpfen steht man ja manchmal bis zu zwölf Stunden unter Druck. Und wenn man sich die erfolgreichen Sportler ansieht, haben alle eins gemeinsam: den absoluten Siegerwillen.
Frage: Ist Fechten eigentlich gefährlich?
Braun: Nein, das ist ein Vorurteil. Verletzungen durch die Waffe sind sehr selten.
Muskeltraining Pilates: "Kein Training für Weicheier"
Pilates verbinden viele vor allem mit Wellness und Yoga - zu Unrecht, findet Franziska Beckmann, Pilates-Coach aus Hamburg. Sie erklärt, wieso ihre Übungen gegen Rückenleiden helfen und warum der Sport selbst bei Basketball-Superstar Dirk Nowitzki auf dem Trainingsplan steht.
Frage: Frau Beckmann, mal ehrlich: Ist Pilates überhaupt anstrengend?
Beckmann: Pilates ist kein Larifari-Sport. Wir haben auch keine Räucherstäbchen oder sitzen im Kreis. Es ist echt toughes Training - das wird häufig unterschätzt. Joseph Hubertus Pilates, der Erfinder, hat es ja im Krieg entwickelt. Deswegen sehen die Geräte teilweise heute noch aus wie Krankenhausbetten.
Frage: Es sieht aber gar nicht herausfordernd aus.
Beckmann: Viele gucken in ein Studio, sehen die Pilates-Leute am Boden liegen und denken, die machen nichts. Dabei ist es ist echt intensiv und anstrengend. Ich beobachte auch, dass immer mehr Männer kommen. Pilates ist definitiv kein Training für "Weicheier".
Frage: Was macht man überhaupt beim Pilates?
Beckmann: Es geht viel über die Körpermitte, dem "Powerhouse". Das ist der Dreh- und Angelpunkt. Man macht viele kleine Bewegungen - wir haben ja Millionen kleiner Muskeln - und trainiert die Tiefenmuskulatur und zwar von innen nach außen. Im Fitnessstudio pumpen sich die Leute auf, aber es steckt keine Kraft dahinter. Durch Pilatestraining bekommt man lange, schlanke Muskeln, die vor allem Rumpf, Rücken und Bauch stabilisieren. Vor allem ist es gut gegen Rückenleiden.
Frage: Basketballstar Dirk Nowitzki hat kürzlich gesagt, dass er Pilates macht. Warum lohnt sich Pilates für Sportler aus anderen Disziplinen?
Beckmann: Ich trainiere zurzeit eine Basketballerin, die sagt: Seit ich Pilates mache, bin ich weniger verletzungsanfällig. Ich hatte auch schon Kunden, die meinten, Pilates habe ihr Golf-Handicap verbessert. Es ist für jede Sportart hilfreich. Die Rumpfmuskeln braucht man ja überall. Ich bin selbst Triathletin, und Pilates hilft mir auch beim Schwimmen, Laufen und Rad fahren.