Achilles' Ferse Diagnose Arthrose
Hallo liebes Achilles-Team,
ich laufe seit 15 Jahren regelmäßig (drei bis fünf Mal die Woche). Das heißt, zurzeit laufe ich nicht. Vor drei Monaten hatte ich eine Reizung im Knie. Nach Röntgen, Ultraschall und Kernspin dann die niederschmetternde Diagnose: leichte bis mittlere Arthrose im rechten Knie. Niederschmetternd deshalb, weil ich erst 34 Jahre alt bin und ich mich eigentlich noch für zu jung für diese Art Krankheit hielt. Nun musste ich mich eines Besseren belehren lassen und akzeptieren, dass jahrelanges Joggen auf Asphalt wohl doch seine Spuren hinterlässt. Seitdem versuchte ich Alternativen für mich zu finden: Crosstrainer, Fahrrad - sogar Nordic Walking habe ich versucht. Aber ich vermisse das Laufen! Morgens im Wald Runden zu drehen, lässt sich durch nichts ersetzen. Und da man uns wissende Patienten ja immer lehrt, noch eine zweite Meinung einzuholen: Was meint das Expertenteam rund um Achim? Ist mein Läuferleben beendet oder sind gelegentliche Läufe auf weichem Waldboden auch bei Knieproblemen möglich?
Liebe Grüße aus dem Rheinland, Andrea
Liebe Andrea,
meine erste Arthrose-Diagnose bekam ich mit 17, damit wollte ich der Bundeswehr entgehen. Mit Ende 20 wurde ich für praktisch gehunfähig erklärt und bekam sehr hässliche Spritzen ins Knie. Aber ich laufe immer noch. Warum? Weil mir nichts weh tut, weil ich keinerlei Beschwerden habe und weil mir neulich ein Doc gesagt hat, meine Knie seien okay. Soviel zu den Weißkitteln. Unser Ernährungspapst Wolfgang Feil schwört auf bestimmte Substanzen, die dem Knorpel gut tun - garantiert ist Ackerschachtelhalm dabei, den man aber leider nicht rauchen kann. Noch gibt es also Hoffnung für deine Laufkarriere.
Und jetzt, huschuhsch, zum Training, Achim
Liebe Andrea,
in der Tat fragt man sich, wie du in so jungen Jahren bereits eine Arthrose entwickelt hast. Hast du Fehlstellungen wie O- oder X-Beine größeren Ausmaßes? Oder gab es exzessive Umfangbelastungen? De facto führt Laufen auf Asphalt für gesunde Menschen mit normalem Training nämlich nicht zur Arthrose. Und schon gar nicht so früh. Dies sollte also zunächst einmal geklärt werden. Eine leichte oder mittlere Arthrose muss zudem nicht das komplette Aus für das Laufen sein. Denn auch das geschädigte Gelenk will bewegt werden, weil es durch sanfte Bewegung ernährt und erhalten wird. Dies setzt aber viel Vernunft und Mitarbeit voraus:
- Fehlstellungen beim Fachmann im Rahmen einer Bewegungsanalyse klären lassen. Gegebenenfalls Maßnahmen gegen Fehlstellungen einleiten.
- Reduktion des Trainings auf geringe Umfänge. Keine Lauftrainingsexzesse mehr. Besser auch kein Stadtmarathon. Vielleicht wäre bei Beschwerdefreiheit langfristig ein Laufumfang von zwei Mal fünf bis zehn Kilometer die Woche auf Waldboden möglich.
- Dauerhaftes Training der stabilisierenden Muskulatur.
- Erlernen einer maximalen stoßdämpfenden Lauftechnik. Ich würde in diesem Falle - anders als sonst - sogar zum reinen Vorfußlauf raten, um die Impactbelastung zu reduzieren.
All das bedeutet viel Arbeit. Und ob alles so klappt, wie man sich das wünscht, das weiß niemand. Du musst es ausprobieren - unter Betreuung deines Arztes. Die Frage ist nur, ob dir dies langfristig reicht? Psychologisch ist es meist klüger, ein Ende mit Schrecken zu verwinden, als den Schrecken ohne Ende zu ertragen. Es wäre fatal, wenn du permanent darauf schielst, doch noch einmal soviel laufen zu können wie zuvor. Denn das dürfte nach dem jetzigen Kenntnisstand nicht sinnvoll sein. Die Gehirnforschung belegt, dass wir Dinge, die wir regelmäßig tun, und beherrschen, irgendwann auch gerne tun. Du hast also das Zeug dazu, einen anderen Sport zu machen und zu lieben. Mach ihn aber richtig und nicht halbherzig. Ich empfehle dir den Radsport. Es ist der härteste Sport der Welt, wenn man ihn richtig macht. Du kannst da Marathons absolvieren, in die Berge fahren, ins Trainingslager nach Mallorca zur Mandelblüte und und und. Wenn du diesen Sport (oder einen anderen) lieb gewonnen hast, wirst du nebenbei etwas laufen können. Ansonsten wirst du immer deprimiert sein, dass du nur noch so wenig laufen darfst. Also, nimm' dein Schicksal in die Hand, und pass auf, dass du nicht zum subdepressiven, "Ich-würde-eigentlich-gerne-laufen,-darf-aber-nicht-Typ" wirst. Werde stattdessen zum begeisterten "Radsport-ist-echt-geil-und-zwischendurch-laufe-ich-mal-ne-Runde-Typ".
Alles Gute wünscht dir Dr. Run
Hallo Andrea,
die gute Nachricht: Knorpel kann sich wieder regenerieren. Die schlechte Nachricht: dieser Aufbauprozess dauert im Knie drei bis fünf Monate. Damit dieser Regenerationsprozess anlaufen kann, braucht dein Körper anti-entzündliche Ernährung mit vielen Kräutern, Gewürzen und Omega-3-Fettsäuren in Form von Fisch und Speise-Leinöl. Außerdem brauchen deine restlichen Knorpelzellen knorpelaufbauende Nährstoffe wie Ackerschachtelhalm, Brennnessel, Glucosamin, Chondroitin und Kollagenhydrolysat. Mit dieser
ganzheitlich ausgerichteten Nährstoffstrategie solltest du nach vier Wochen wieder mit leichtem Lauftraining beginnen. Achte auch darauf, dass deine Oberschenkelmuskulatur immer gut gedehnt ist. Verkürzungen in diesem Bereich erhöhen den Druck im Knie und führen zu Knorpelabbau. Viel Erfolg und Kopf hoch.
Das wird bald wieder, Dr. Wolfgang Feil